Microsoft startet Ära der autonomen ERP-Agenten

Microsofts Dynamics-365-Update setzt auf autonome KI-Agenten für Finanzen, Lieferketten und CRM. Unternehmen erhalten neue Tools zur Prozessautomatisierung.

Dynamics 365 erhält mit dem 2026 Release Wave 1 hunderte neue Funktionen – im Zentrum stehen KI-Agenten, die eigenständig Geschäftsprozesse steuern.

Der Software-Riese aus Redmond hat die weltweite Auslieferung des 2026 Release Wave 1 für Dynamics 365 gestartet. Seit Ende April rollt das Update in den verschiedenen Regionen aus und markiert einen grundlegenden Wandel: Weg von assistentengestützter Künstlicher Intelligenz, hin zu einem Rahmenwerk autonomer Geschäftsagenten. Die neuen Versionen von Dynamics 365 sollen manuelle Eingriffe in Finanzbuchhaltung, Lieferketten und Kundenmanagement drastisch reduzieren – durch tiefere Integration generativer KI und verbesserte Datensynchronisation.

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Business Central: Maßgeschneiderte KI-Assistenten für den Mittelstand

Ein zentrales Element der Frühjahrsversion ist die Weiterentwicklung von Dynamics 365 Business Central. Seit Anfang Mai stehen mehrere KI-gestützte Agenten zur allgemeinen Verfügung, die hochfrequente Transaktionen automatisieren. Besonders hervorzuheben ist der Sales Order Agent: Er bearbeitet eingehende Verkaufsanfragen und Bestellprozesse mit minimaler menschlicher Aufsicht. Der Agent analysiert den Kontext, interpretiert die Absicht des Kunden und prüft die Lagerbestände, bevor er Bestellungen zur endgültigen Freigabe vorbereitet.

Mit dem Agent Designer können Unternehmen nun eigene KI-Agenten für spezifische Arbeitsabläufe erstellen. Das Tool, das ebenfalls diesen Monat allgemein verfügbar wurde, kombiniert natürliche Sprache mit erweiterter AL-Programmierung. Diese maßgeschneiderten Agenten lassen sich direkt mit Business-Central-Daten verbinden – eine Chance besonders für kleinere und mittlere Unternehmen, die bislang Nischenprozesse nicht automatisieren konnten.

Die zugrundeliegende Technologie hat ebenfalls deutliche Verbesserungen erfahren. Der Business Central Model Context Protocol (MCP) Server erhielt fünf große Upgrades, darunter eine automatisierte Konfigurationsprüfung mit Ein-Klick-Fixes und erweiterte Telemetrie für Audit-Ereignisse. Zudem unterstützt der MCP-Server jetzt jede Host-Umgebung für KI-Clients, die dem Protokoll entsprechen – ein offeneres Ökosystem für Unternehmen, die verschiedene KI-Modelle parallel zu ihren ERP-Daten nutzen.

Finanzwesen: Echtzeit-Analysen und durchgängige Asset-Verwaltung

Im Bereich Dynamics 365 Finance steht die Steigerung von Aktualität und Genauigkeit der Geschäftsdaten im Fokus. Eine wichtige Neuerung: Stündliche Datenaktualisierungen für die Geschäftsleistungsanalyse. Bisher waren nur zwei Aktualisierungen pro Tag möglich. Das neue System nutzt inkrementelle Datenverarbeitung, sodass nur geänderte Datensätze neu geladen werden. Finanzverantwortliche können nun nahezu in Echtzeit auf operative Daten zugreifen – besonders wertvoll während Monatsabschlüssen oder in volatilen Marktphasen.

Ebenfalls allgemein verfügbar ist das Acquire-to-Dispose-Datenmodell. Es bietet einen umfassenden Rahmen für die Verwaltung von Vermögenswerten über deren gesamten Lebenszyklus – von der Anschaffung über die Bewertung bis zur Veräußerung. Die Automatisierung reduziert das Risiko manueller Buchungsfehler und schafft mehr Transparenz über Kapitalinvestitionen.

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Weitere Neuerungen im Finanzbereich:

  • Global Withholding Tax Framework: Ein einheitliches System für multinationale Unternehmen zur Bewältigung komplexer Steueranforderungen in verschiedenen Rechtsräumen.
  • Eingebettete Power-BI-Apps: Business Central enthält jetzt vier dedizierte Power-BI-Anwendungen für Finanzen, Vertrieb, Lieferkette und Abonnementabrechnung – ohne zusätzliche Lizenzkosten.
  • Finanzplanung in Power BI: Eine neue FP&A-Erfahrung (Financial Planning & Analysis) direkt in Power BI ermöglicht kollaborativere Budgetierung und Prognosen.

Projektabläufe und Lieferketten auf neuem Niveau

Das Update bringt substanzielle strukturelle Änderungen für Dynamics 365 Project Operations und Supply Chain Management. Projektorientierte Organisationen können auf eine neue moderne Architektur migrieren, die fortschrittlichere Projektplanung und Ressourcenverwaltung unterstützt. Angebots-, Budget- und Vertragsabläufe laufen nun innerhalb derselben rechtlichen Einheit – komplexe Datenabgleiche zwischen verschiedenen Anwendungen entfallen.

Im Supply-Chain-Management liegt der Fokus auf besserer Einbindung externer Partner. KI-gesteuerte Kommissionierung und Bestandsoptimierung in Lagern sollen Flächen- und Arbeitskräfteeffizienz maximieren. Das System unterstützt jetzt freihändiges Scannen und intelligentere Chargenverfolgung durch eine native Quality-Management-Erweiterung mit vordefinierten Workflows für Qualitätssicherung und Prüfungsroutinen.

Die Integration zwischen Dynamics 365 und Microsoft 365 wird ebenfalls ausgebaut. Die neue Anbindung an Viva Connections erlaubt Mitarbeitern, HR-Aufgaben wie Gehaltsabfragen oder Urlaubsanträge direkt in Microsoft Teams zu erledigen – ein Schritt hin zu einer „kopflosen“ ERP-Erfahrung, bei der Nutzer mit Geschäftsdaten in ihren gewohnten Anwendungen interagieren.

Vom Assistenten zum autonomen Unternehmen

Der Wandel in dieser Release-Welle ist grundlegend. Während frühere Versionen auf „Copilot“ als Assistenten setzten, der dem Nutzer zur Seite steht, priorisiert die 2026-Roadmap Agenten, die im Auftrag des Nutzers handeln. Diese Unterscheidung wird in den neuen Vertriebsfunktionen sichtbar: KI schlägt Verkäufern proaktiv zeitnahe Aktionen vor und erstellt Zusammenfassungen, die CRM- und Microsoft-Graph-Daten übergreifen.

Mit dem Agent Designer adressiert Microsoft auch das Thema Erweiterbarkeit. Partner benötigen für die Entwicklung dieser Funktionen keine separaten Azure-Abonnements mehr – Microsoft-verwaltete Azure-OpenAI-Ressourcen stehen direkt in der Dynamics-Umgebung zur Verfügung. Dazu gehören integrierte Inhaltsfilter und ein KI-Feature-Evaluator, der sicherstellt, dass autonome Agenten innerhalb festgelegter Governance-Richtlinien operieren.

Ausblick: Rollout bis September 2026

Die Auslieferung des 2026 Release Wave 1 wird bis September 2026 fortgesetzt, wobei regionale Bereitstellungen in Phasen erfolgen. Administratoren wird empfohlen, dedizierte Sandbox-Umgebungen zu nutzen, um neue Funktionen zu testen, bevor sie in zukünftigen Versionen verpflichtend werden. Funktionen dieser Welle werden voraussichtlich mit Version 29 der Software zum Standard.

Für die Sommermonate sind weitere Updates zum Sustainability Manager sowie die allgemeine Verfügbarkeit der Immersive Home Experience zu erwarten. Letztere ist als moderner, KI-gesteuerter Hub konzipiert, der Nutzern in allen Dynamics-365-Anwendungen hilft, ihre wichtigsten Aufgaben zu priorisieren. Der Erfolg dieser Welle wird sich daran messen lassen müssen, inwieweit Unternehmen den Übergang von manueller Dateneingabe zu überwachter autonomer Betriebsführung schaffen.