Microsoft steigt aus: KI-Rechenzentrum in Essex wartet auf Stromversorgung

Nscale hält am zwei Milliarden Pfund teuren Vorhaben fest und prüft alternative Energiequellen; Microsofts Mietvertrag ist beendet.

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Microsoft hat sich offiziell aus einem Großprojekt zur Errichtung eines Rechenzentrums für künstliche Intelligenz im britischen Loughton in der Grafschaft Essex zurückgezogen. Der US-Technologiekonzern kündigte den entsprechenden Mietvertrag über Rechenkapazitäten mit dem Entwickler Nscale. Das britische Start-up erklärte unterdessen, an dem mit zwei Milliarden Pfund veranschlagten Bauvorhaben festhalten zu wollen.

Ausschlaggebend für die Entscheidung Microsofts sind erhebliche Verzögerungen bei der Energieinfrastruktur. Während der Netzanschluss des Standorts ursprünglich für Ende 2026 vorgesehen war, rechnen Netzbetreiber und Behörden nach aktuellen Angaben erst in den 2030er Jahren mit einer ausreichenden Stromversorgung. Berichten zufolge dürfte der Standort erst nach 2030 mit Energie versorgt werden können.

Geplante Kapazitäten für Cloud-Dienste entfallen

Microsoft war für den Standort in Essex als Ankermieter vorgesehen. Die ursprünglichen Planungen sahen eine Leistungskapazität von 50 Megawatt mit einer Erweiterungsoption auf 90 Megawatt vor. Für Microsoft-Azure-Dienste im Vereinigten Königreich sollten im ersten Quartal 2027 insgesamt 23.040 Grafikprozessoren vom Typ Nvidia GB300 bereitgestellt werden, nachdem zuvor von rund 23.000 Nvidia-KI-Chips die Rede gewesen war.

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Noch im Vormonat hatte Microsoft Investitionen in Höhe von 30 Milliarden US-Dollar im Vereinigten Königreich angekündigt, von denen ein Teilbetrag für das Rechenzentrum in Loughton bestimmt war. Der Entwickler Nscale gab an, alternative Stromquellen für das Vorhaben zu prüfen, um den Bau fortzuführen. Durch das Projekt sollen am Standort Loughton 250 dauerhafte Arbeitsplätze entstehen.

Trotz des Ausstiegs aus dem Projekt in Essex betonte Nscale, dass die partnerschaftliche Beziehung zu Microsoft weiterhin intakt sei. Die Zusammenarbeit beider Unternehmen an Standorten in Norwegen, Portugal und den USA werde wie geplant fortgeführt. Allerdings verzeichnet auch der norwegische Nscale-Standort Verzögerungen von rund sechs Monaten; dort sind derzeit erst 6,4 Megawatt der geplanten 30 Megawatt Kapazität in Betrieb.

Ambitionierte Wachstumspläne vor dem Börsengang

Das von Josh Payne im Jahr 2024 gegründete und von Nvidia unterstützte Start-up Nscale verzeichnete zuletzt ein rasantes Wachstum. Innerhalb von zweieinhalb Jahren steigerte das Unternehmen seinen gesamten Vertragswert von 100 Millionen auf über 103 Milliarden US-Dollar.

Mehr als 40 Prozent dieser Vertragsumsätze entfallen auf Microsoft. Aus Unterlagen zum Börsengang geht hervor, dass Microsoft und der KI-Entwickler Anthropic gemeinsam rund 85 Prozent der Nscale-Verträge ausmachen.

Nscale strebt den Gang an die New Yorker Börse (NYSE) unter dem Tickersymbol NSCL an. Ein entsprechender Antrag wurde am 18. September eingereicht, wobei die Anzahl der Aktien und die Preisspanne noch offen sind.

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Das Unternehmen peilt bei der Notierung an der Wall Street, die ab Oktober möglich ist, die Aufnahme von bis zu drei Milliarden US-Dollar an. Dabei wird eine Bewertung von bis zu 35 Milliarden US-Dollar (26 Milliarden Pfund) angestrebt; privat wurde die Gesellschaft zuletzt mit 15 Milliarden US-Dollar bewertet.

Der Rückschlag in Essex fällt in eine phase zunehmender Nervosität im Sektor für KI-Infrastruktur. So fiel die Aktie des Anbieters CoreWeave in der Berichtswoche um rund 25 Prozent, während der Konkurrent Firmus einen geplanten Börsengang im Volumen von 20 Milliarden US-Dollar absagte.

Laut dem Marktforschungsunternehmen Gartner drohen der Branche Abschreibungen von bis zu 3,5 Billionen US-Dollar bis zum Jahr 2030, sollte der Boom um KI-Anwendungen die hohen Erwartungen letztlich verfehlen.