Microsoft überarbeitet Copilot: Neue Steuerung für Office-Profis

Microsoft reagiert auf Nutzerkritik mit einem überarbeiteten KI-Assistenten und integriert ChatGPT direkt in PowerPoint.

Der Softwarekonzern reagiert auf Nutzerkritik und rüstet Word, Excel und PowerPoint mit einem grundlegend überarbeiteten KI-Assistenten aus.

Microsoft hat am 23. Mai 2026 ein umfangreiches Update für seine Office-Suite veröffentlicht. Im Mittelpunkt steht ein neugestalteter Copilot, der künftig weniger aufdringlich arbeiten soll. Die Änderungen sind eine direkte Reaktion auf monatelange Kritik von Power-Usern – insbesondere aus der Excel-Community.

Dynamischer Button wird verschiebbar

Das Kernstück des Updates ist ein dynamischer Aktionsbutton in der unteren rechten Ecke des Anwendungsfensters. Eigentlich eine sinnvolle Neuerung: Der Button schlägt kontextbezogene Aktionen vor, die zum aktuellen Arbeitsvorgang passen. Doch die Praxis sah anders aus. Besonders Excel-Nutzer berichteten im Frühjahr 2026, dass das schwebende Symbol regelmäßig wichtige Zellen und Navigationselemente verdeckte.

Microsoft zog die Konsequenzen. Seit dem 22. Mai können Anwender das Copilot-Interface über einen Rechtsklick-Befehl namens „In Menüband verschieben“ in der oberen Navigationsleiste andocken. „Einmal im Menüband platziert, bleibt der Button für die gesamte Sitzung dort“, bestätigte Microsoft-Sprecherin Katie Kivett. Der Rollout für alle Nutzer erfolgt im Laufe der kommenden Woche.

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Tastatur-Steuerung für beide Plattformen

Die Neuerungen beschränken sich nicht auf die Optik. Microsoft hat die Tastaturzugänglichkeit deutlich verbessert. Windows-Nutzer können Copilot künftig mit den Tastenkombinationen F6 und Alt+C aktivieren. Mac-Anwender erhalten mit Cmd+Ctrl+I eine eigene Lösung, die sich nahtlos in das keyboard-zentrierte Arbeiten auf Apples Plattform einfügt.

ChatGPT direkt in PowerPoint integriert

Parallel zur Interface-Überarbeitung hat OpenAI am 22. Mai die direkte Integration von ChatGPT in PowerPoint bestätigt. Die Funktion steht in der Beta-Version für Mac und Windows zur Verfügung. Aus einfachen Textvorgaben, Besprechungsnotizen oder bestehenden Tabellen generiert das Tool komplette Präsentationen. Noch bemerkenswerter: Die KI analysiert fertige Folien auf strukturelle Schwächen oder fehlende Informationen.

Die Integration ist für verschiedene Nutzergruppen verfügbar – vom kostenlosen Basiskonto bis zum Geschäftskunden. Unterstützt werden zudem Plattformen wie Gmail, Outlook und SharePoint.

Agenten-Systeme: Von 14 Tagen auf vier

Hinter den Kulissen treibt Microsoft die Entwicklung sogenannter agentischer Systeme voran. Anders als passive Assistenten sollen diese KI-Agenten eigenständig Dokumente bearbeiten und komplexe Analysen durchführen. Ein Beispiel aus der Praxis: Das Pharmaunternehmen Cactus Life Sciences nutzt maßgeschneiderte Copilot-Agenten für klinische Dokumentation. Die Ergebnisse sind beeindruckend: Die Erstellungszeit sank von 14 auf vier Tage, die Fehlerquote um rund 36 Prozent.

Entscheidend bleibt das „Human-in-the-Loop“-Prinzip: Die KI übernimmt die schwere Datenarbeit, die finale Kontrolle behält der Mensch.

Milliardendeal mit EY

Das Update fällt in eine phase massiver Investitionen. Microsoft und die Beratungsfirma EY gaben am 22. Mai eine Milliarden-Partnerschaft bekannt. Über fünf Jahre sollen eine Milliarde Euro in die Implementierung agentischer KI fließen. EY dient als Testfeld und rollt Copilot-Funktionen für seine 400.000 Mitarbeiter aus. Microsoft entsendet eigens Ingenieure, um Kunden aus Finanzdienstleistungen, Energie, Gesundheitswesen und Verwaltung zu unterstützen.

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Sicherheitslücke mit höchster Warnstufe

Nicht nur Neuerungen prägen das Update. Am 23. Mai wurden Details zu einer kritischen Sicherheitslücke bekannt. Die Schwachstelle CVE-2026-23377 betrifft Windows, Office 2019/2021 und Microsoft 365 Apps. Mit einem CVSS-Score von 9,8 ermöglicht sie Angreifern die vollständige Systemkontrolle – etwa durch präparierte Dokumente oder Webseiten. Microsoft hat die Patches KB5034445 und KB5034446 veröffentlicht. Die US-Behörde CISA setzte den 3. Juni 2026 als Frist für Bundesbehörden zur Installation der Updates.

Strategischer Umbau in der Führungsetage

Intern bereitet sich Microsoft auf die „agentische Ära“ vor. Yusuf Mehdi, langjähriger Chief Marketing Officer und 35-Jahre-Veteran des Konzerns, wird das Unternehmen nach dem nächsten Geschäftsjahr verlassen. Bis dahin soll er Windows und Microsoft 365 für eine Zukunft mit KI-Agenten als Betriebssystem-Kern neu denken. CEO Satya Nadella setzt dabei auf ein erweitertes Führungsteam mit Judson Althoff und Mustafa Suleyman an der Spitze der KI-Sparte.

Ausblick: Was kommt als Nächstes?

In den kommenden Monaten dürfte die Integration zwischen Office-Suite und Hardware-Ökosystem weiter vertieft werden. Microsoft bestätigte zudem die Entwicklung neuer Hardware-Projekte, die allerdings erst in Jahren auf den Markt kommen könnten. Für Office-Nutzer steht zunächst der Rollout der Menüband-Funktion und die Verfeinerung der ChatGPT-Werkzeuge in PowerPoint im Vordergrund. Ein „Windows 365 for Agents“ – eine sichere Umgebung speziell für KI-Agenten im Unternehmen – zeichnet sich bereits am Horizont ab.