Die Partnerschaft zwischen Microsoft und der Beratungsfirma EY setzt neue Maßstäbe: Über eine Milliarde Euro fließen in den nächsten fünf Jahren in den Ausbau sogenannter „agentischer“ KI – Software, die eigenständig komplexe Aufgaben erledigt. Das Projekt gilt als weltweit größter Testfall für die nächste Stufe der Arbeitsautomatisierung.
EY bringt Copilot zu 400.000 Mitarbeitern
EY dient Microsoft als zentrales Testfeld für den KI-Großeinsatz. Die Beratungsfirma rollt Microsoft 365 Copilot für ihre gesamte Belegschaft von 400.000 Mitarbeitern aus. Rund 150.000 Beschäftigte nutzen das Tool bereits im Arbeitsalltag.
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Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend: Frühe Anwender verzeichneten einen Produktivitätszuwachs von 15 Prozent. Diese Daten helfen, die Einführungsstrategie für die verbleibenden Mitarbeiter zu optimieren. Ziel der Fünfjahres-Investition ist die Entwicklung maßgeschneiderter KI-Lösungen, die den gesamten Beratungssektor auf automatisierte Prozesse vorbereiten.
Microsoft rüstet auf: Autonome Browser-Assistenten und neue Sicherheitsfunktionen
Parallel zum EY-Projekt treibt Microsoft die technische Weiterentwicklung voran. Ende Mai startete Edge for Business in die Testphase für agentische KI-Funktionen. Der Browser-Assistent kann künftig eigenständig Webseiten durchsuchen und Formulare ausfüllen – Voraussetzung ist eine Microsoft-365-Copilot-Lizenz.
Am 23. Mai 2026 veröffentlichte Microsoft ein großes Update für Office. Der Fokus liegt auf Flexibilität: Der Copilot-Button lässt sich jetzt frei in der Menüleiste positionieren. Neue Tastenkombinationen (Alt+C für Windows, Cmd+Ctrl+I für macOS) ermöglichen den schnellen Zugriff auf den KI-Assistenten.
Mit der wachsenden Autonomie der KI steigen auch die Sicherheitsanforderungen. Seit dem 22. Mai überwacht die Purview-Plattform auch Drittanbieter-KI wie Claude Enterprise. IT-Administratoren erhalten Werkzeuge, um KI-Interaktionen zu prüfen und Compliance sicherzustellen. Eine öffentliche Vorschau von Windows 365 for Agents bietet zudem eine geschützte Umgebung für KI-gesteuerte Hintergrundprozesse.
Google, OpenAI und die europäische Alternative
Microsoft ist nicht allein im Rennen um die Büro-KI. Auf der I/O 2026 kündigte Google neue Workspace-Functions an: Der „Personal Intelligence“-Modus verknüpft Daten aus Gmail, Fotos und Kalender für kontextbezogene Antworten. „Gmail Live“ ermöglicht per Sprach- und Textsuche den Dialog mit dem Posteingang – verfügbar ab Spätsommer 2026 für Google-AI-Ultra-Abonnenten. Auf macOS kommt der „Spark“-Agent, ein persönlicher Assistent rund um die Uhr.
OpenAI veröffentlichte am 21. Mai „Appshots“ für den Codex-Client auf macOS. Die Funktion erfasst Daten aus aktiven Fenstern. Neu ist auch die „Computer Use“-Funktion, die KI-Agenten auf gesperrten Macs arbeiten lässt – allerdings nicht in der EU, Großbritannien und der Schweiz aus regulatorischen Gründen.
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Angesichts steigender Kosten für kommerzielle KI-Suiten setzen europäische Organisationen zunehmend auf Open-Source-Alternativen. Ein Bündnis aus Ionos, Nextcloud und Proton plant für Sommer 2026 den Start von „Euro-Office“ – einer DSGVO-konformen Suite als Alternative zu Windows-Anbietern. Auch OnlyOffice 9.4 (seit 19. Mai ohne 20-Nutzer-Limit) und LibreOffice 6.2.4 (seit 22. Mai) sind wichtige Meilensteine.
Preiserhöhungen und Sicherheitsumstellungen
Die KI-Offensive hat ihren Preis. Microsoft erhöht zum 1. Juli 2026 die Preise für mehrere 365-Tarife:
– Business Basic: rund 7 Euro pro Nutzer (plus 16 Prozent)
– Business Standard: rund 14 Euro (plus 12 Prozent)
– Neuer Spitzentarif M365 E7: 92 Euro pro Nutzer und Monat
Sicherheitstechnisch setzt Microsoft verstärkt auf Passkeys statt SMS-Logins, um Konten vor Phishing zu schützen. Ein aktueller Fall zeigt die Dringlichkeit: Die Stadtverwaltung Kolbermoor warnte am 23. Mai vor einer Phishing-Kampagne mit gefälschten Brandschutzinformationen.
Technische Probleme begleiten den Wandel. Im klassischen Outlook führte ein Sicherheitsupdate zu einem Bug: Bilder erscheinen nur als rotes X. Microsoft bestätigte den Fehler in Build 19929.20164 und verspricht eine dauerhafte Lösung. Seit dem 22. Mai meldet Microsoft zudem sechs aktive Service-Störungen in der 365-Umgebung.
Ausblick: Der Herbst der KI-Agenten
Die zweite Jahreshälfte 2026 dürfte den Trend zu agentischer KI weiter verstärken. Apple wird voraussichtlich auf der Entwicklerkonferenz im Juni macOS 27 vorstellen – möglicherweise mit Unterstützung für spezialisierte Hardware wie den Sony Access Controller.
Für Unternehmen bleibt die Herausforderung, Produktivitätsgewinne gegen steigende Abonnementkosten und Sicherheitsanforderungen abzuwägen. Große Implementierungen wie die von EY liefern wichtige Daten zur Rendite – und könnten den Weg für weitere globale Konzerne ebnen, sofern sie das komplexe regulatorische Umfeld meistern.

