Microsoft unter Druck: CMA prüft irreführende KI-Abo-Preise

Die britische CMA untersucht Microsofts KI-Abo-Praktiken. Trotz Rekordzahlen wächst der regulatorische Druck auf den Konzern weltweit.

Die britische Wettbewerbs- und Marktaufsichtsbehörde CMA hat am 29. Juli 2026 eine formelle Untersuchung gegen Microsoft eingeleitet. Im Fokus: die Abo-Strategien für KI-integrierte Software. Konkret prüfen die Wettbewerbshüter, ob der Konzern bei den Microsoft-365-Abos für Privatpersonen und Familien mit irreführenden Preisangaben und intransparenten Verlängerungsprozessen gearbeitet hat. Für deutsche Verbraucher ist der Fall relevant, weil ähnliche Preismodelle auch auf dem europäischen Markt gelten.

Preissprünge nach KI-Integration

Im Zentrum der Untersuchung stehen die Preiserhöhungen, die auf die Integration des KI-Assistenten Copilot in die Standard-Office-Pakete folgten. In Großbritannien stieg der Preis für ein Personal-Abo von 59,99 Pfund pro Jahr auf 84,99 Pfund für die Copilot-Version. Familientarife verteuerten sich von 79,99 auf 104,99 Pfund. Auch in Frankreich zogen die Preise kräftig an: Personal-Abos kosten nun 99 statt 69 Euro, Familientarife 129 statt 99 Euro.

Die Behörde will klären, ob Microsoft die günstigeren „Classic“-Tarife absichtlich in den Hintergrund gedrängt hat. Zudem steht der Vorwurf im Raum, der Konzern habe Kunden über automatische Verlängerungen ohne ausreichende Zustimmung in teurere KI-Tarife überführt. Die Preisanpassungen hatten bereits Anfang 2025 begonnen.

Internationaler Druck wächst

Der britische Vorstoß ist Teil einer weltweit zunehmenden Regulierungswelle gegen Microsofts KI-Monetarisierungsstrategie. In Australien wirft die Wettbewerbskommission ACCC dem Konzern vor, rund 2,7 Millionen Abonnenten durch Preiserhöhungen von etwa 40 Prozent bei Personal- und 29 Prozent bei Familientarifen getäuscht zu haben. Microsoft soll sich dafür in Australien bereits entschuldigt haben.

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Auch Italien hat im Juni 2026 Ermittlungen eingeleitet. Rechtsexperten beziffern das finanzielle Risiko für Microsoft als erheblich: Bei Verstößen gegen Wettbewerbs- und Verbraucherschutzgesetze drohen Strafen von bis zu zehn Prozent des weltweiten Umsatzes.

Rekordzahlen trotz Regulierung

Die behördlichen Untersuchungen trüben die Bilanz des Tech-Giganten nur wenig. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 meldete Microsoft einen Umsatz von 90 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 18 Prozent. Die Cloud-Sparte Azure wuchs im Quartal um 43 Prozent und überschritt erstmals die Marke von 100 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz.

Die KI-Nachfrage bleibt der wichtigste Wachstumstreiber. Die Zahl der bezahlten Microsoft-365-Copilot-Lizenzen überstieg zum Quartalsende 30 Millionen – eine Verdopplung im Quartalsvergleich. Großaufträge sichern die Nachfrage: So nutzen 505.000 Beschäftigte des britischen Gesundheitsdienstes NHS England den KI-Assistenten, 276.000 bei der Prüfungsgesellschaft KPMG und 200.000 bei der Bank HSBC.

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Preiswettbewerb im KI-Markt

Während Microsoft bei seinen integrierten KI-Tools auf Premiumpreise setzt, zeigt der breitere Markt eine gegenläufige Tendenz. OpenAI kündigte am 30. Juli deutliche Preissenkungen für seine Modelle GPT-5.6 Luna und Terra an – die Eingabekosten für Luna fallen um 80 Prozent. Auch Anthropic und Google hatten in den vergangenen Monaten ihre Preise reduziert.

Zusätzlich zur Wettbewerbsprüfung sieht sich Microsoft in Großbritannien verstärkter Finanzaufsicht ausgesetzt. Das Finanzministerium stufte den Konzern am 13. Juli als „kritischen Drittanbieter“ für den britischen Finanzsektor ein. Damit unterliegt Microsoft der direkten Aufsicht durch die Bank of England, die Finanzaufsicht PRA und die Finanzmarktaufsicht FCA – ein Schritt zur Absicherung der nationalen Finanzinfrastruktur.