Microsofts Office-Strategie: Zwischen KI-Push und Preis-Wirrwarr

Microsoft streicht kostenlose Copilot-Funktionen, erhöht Abo-Preise und kämpft mit Update-Fehlern. Konkurrenz wie ONLYOFFICE profitiert.

Ab Juli steigen die Preise – und die Konkurrenz schläft nicht.

KI-Features werden zur Kostenfalle

Am 15. April zog Microsoft die Reißleine: Die kostenlosen Copilot-KI-Funktionen in Word, Excel, PowerPoint und OneNote sind für Standard-Nutzer gestrichen. Wer die KI-Assistenten weiter direkt in den Desktop-Apps nutzen will, muss tiefer in die Tasche greifen. Verfügbar bleibt Copilot nur noch in Outlook, Teams und den Web-Versionen.

Anzeige

Angesichts steigender Lizenzkosten und technischer Hürden suchen viele Anwender nach stabilen und kostenfreien Betriebssystem-Alternativen. Das kostenlose Linux-Startpaket zeigt Ihnen, wie Sie Ubuntu risikolos neben Windows installieren und von mehr Geschwindigkeit sowie Sicherheit profitieren. Gratis Linux-Startpaket jetzt sichern

Die Botschaft ist klar: KI wird zur Premium-Dienstleistung. Für das Spitzenmodell Enterprise E7 verlangt Microsoft stolze 92 Euro pro Nutzer und Monat. Das ist mehr als so mancher kompletter Office-Zugang kostet.

Microsofts KI-Chef Mustafa Suleyman heizt die Erwartungen weiter an: Schon in 12 bis 18 Monaten, so seine Prognose, könnte KI auf menschlichem Niveau in Büro-Jobs arbeiten. Aktuell zählt der Konzern rund 20 Millionen aktive Copilot-Nutzer.

Update-Chaos und Hardware-Frust

Doch während Microsoft die Zukunft ausruft, hakt es an der Gegenwart. Seit März blockiert ein hartnäckiger Fehler (Fehlercode 0x80010002) System-Updates unter Windows 11. Besonders betroffen: Rechner in restriktiven Netzwerken mit strengen Firewalls. Die Folge: Tausende Nutzer verpassen wichtige Sicherheits-Patches der April- und Mai-Updates.

Ein offizieller Fix lässt auf sich warten. Microsoft verweist auf Notlösungen – für IT-Abteilungen ein Albtraum.

Auch die Hardware-Strategie wirkt widersprüchlich. Um günstige Einstiegspreise zu halten, bringt Microsoft Surface-Laptops mit nur 8 Gigabyte RAM zurück. Das Problem: Diese Geräte erfüllen nicht die Mindestanforderungen für den „Copilot+ PC“-Status. Ein teurer Widerspruch für Unternehmen, die aufrüsten wollen.

Abschied von Publisher – und der Start von Alternativen

Am 1. Oktober 2026 ist Schluss: Microsoft Publisher wird eingestellt. Nutzer von Microsoft 365 verlieren den Zugang zum Desktop-Publishing-Tool. Wer noch alte .pub-Dateien hat, sollte sie jetzt in PDF oder Word konvertieren.

Genau diese Lücke wollen Konkurrenten nutzen. Am heutigen Mittwoch veröffentlichte ONLYOFFICE Version 9.4 seiner Docs- und Desktop-Editoren. Die wichtigste Neuerung: Die 20-Nutzer-Grenze der Community-Version fällt weg. Dazu gibt es einen Dark Mode für Tabellen und erweiterte Präsentations-Themen.

Noch ambitionierter ist das „Euro-Office“-Projekt. Ein Konsortium aus neun Unternehmen – darunter IONOS, Nextcloud und Proton – stellte die Open-Source-Suite in Berlin vor. Der stabile Release ist für Sommer 2026 geplant. Frankreichs Bildungsministerium ist bereits vorangegangen und hat 330.000 Mitarbeiter auf Nextcloud migriert. Das Ziel: 1,2 Millionen Nutzer.

Preisschock zum 1. Juli

Am 1. Juli kommen die Preiserhöhungen – und die fallen deutlich aus:

  • Business Basic: +16,7 Prozent auf 6,50 Euro
  • Business Standard: +12 Prozent auf 13 Euro
  • Enterprise E3: 24 Euro pro Nutzer
  • Enterprise E5: 56 Euro pro Nutzer

Für viele Unternehmen stellt sich die Frage: Lohnt sich der teure KI-Zugang überhaupt? Erste Anzeichen deuten auf eine Abwanderung hin. Das US-Unternehmen Zenphi hat KI-gestützte Migrationstools vorgestellt, die komplexe Power-Automate-Workflows in wenigen Tagen auf Google Workspace übertragen.

Sicherheitswende: SMS-Codes vor dem Aus

Parallel zu den Lizenzänderungen verschärft Microsoft die Sicherheitsanforderungen. SMS-basierte Codes für persönliche Konten werden schrittweise durch Passkeys und den Microsoft Authenticator ersetzt. Grund: Die SIM-Swapping-Methode gilt als zu anfällig. Geschäftskonten sind von dieser Änderung vorerst nicht betroffen.

Anzeige

Da herkömmliche Passwörter und SMS-Codes zunehmend unsicher werden, gewinnt die passwortlose Anmeldung massiv an Bedeutung. Dieser kostenlose Ratgeber erklärt Ihnen, wie Sie Passkeys bei Diensten wie Microsoft oder WhatsApp einrichten und sich effektiv vor Datenklau schützen. Kostenlosen Passkey-Report herunterladen

Was bleibt?

Microsoft treibt die KI-Integration mit Macht voran – doch der Preis dafür ist hoch. Steigende Kosten, technische Pannen und der Abschied von liebgewonnenen Tools wie Publisher verärgern viele Kunden. Die Konkurrenz mit Open-Source-Alternativen wächst, und erste Großkunden stimmen mit den Füßen ab.

Für Unternehmen heißt die Devise: Bedarf genau prüfen. Nicht jeder braucht das 92-Euro-KI-Abo. Und vielleicht reicht ja auch ein Blick auf ONLYOFFICE oder das kommende Euro-Office.