Microverse Center Jena: 55,6 Millionen Euro für die Mikrobiom-Forschung

Das neue Forschungszentrum bündelt die Mikrobiomforschung in Jena; weitere Studien beleuchten Zusammenhänge zwischen Darmflora, Ernährung und Erkrankungen.

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Großinvestition in den Forschungsstandort Jena

Drei Tage nach der Bekanntgabe ihres Exzellenzstatus am 02.10.2026 eröffnete die Friedrich-Schiller-Universität Jena das Microverse Center auf dem Beutenberg-Campus. Mit dem Neubau bündelt die Universität die Aktivitäten ihres Exzellenzclusters „Balance of the Microverse“, der mikrobielle Gemeinschaften interdisziplinär erforscht.

Das Forschungszentrum „Microverse Center Jena“ bietet auf rund 5.000 m² Fläche Arbeitsplätze für etwa 170 Forschende sowie 30 wissenschaftsunterstützende Beschäftigte, ergänzt um Kapazitäten für Promovierende und Gäste.

Die Baukosten für das Gebäude beliefen sich auf 48,7 Mio. Euro. Nach Angaben der Universität lag die Gesamtinvestition bei 55,6 Mio. Euro. Davon trug das Land Thüringen 27,8 Mio. Euro, der Bund steuerte 20,6 Mio. Euro bei und die Universität übernahm 7,2 Mio. Euro. Die neue Infrastruktur soll die Analyse mikrobieller Interaktionen in komplexen Ökosystemen und im menschlichen Organismus vertiefen.

Translationale Ansätze und Onkologie im Fokus

Die Eröffnung in Jena spiegelt ein wachsendes internationales Interesse an der Translation mikrobiologischer Erkenntnisse wider. In Pittsburgh starteten das UPMC Hillman Cancer Center und die Mario Lemieux Foundation das Mario Lemieux Microbiome Innovation Center. Die Stiftung investiert 5 Mio. US-Dollar in die Einrichtung.

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Das Zentrum vernetzt bestehende Forschungslabore und baut eine Mikrobiom-Biobank sowie KI-gestützte Analysen auf. Ziel des UPMC Hillman Cancer Center ist es, Erkenntnisse aus dem Labor direkt in klinische Studien und personalisierte Krebsbehandlungen für Patienten zu überführen.

Wie eng Mikrobiom-Profile mit Krebserkrankungen verknüpft sind, verdeutlichte auch eine Untersuchung der Mayo Clinic an Stuhlproben von 1.364 Krebspatienten. Spezifische Mikrobiom-Signaturen ließen sich fünf Krebsgruppen zuordnen; 341 Bakterienarten blieben nach Bereinigung um Vorerkrankungen signifikant mit diesen Gruppen assoziiert.

Darmkrebspatienten bis 50 Jahre wiesen höhere Laktatwerte und vermehrt das Bakterium Veillonella parvula auf, während jüngere Brustkrebspatientinnen Veränderungen bei 64 Bakterienarten und geringere Konzentrationen primärer Gallensäuren zeigten.

Zudem waren bei Patienten vor einer 5-FU-Chemotherapie bakterielle Gene für den Medikamentenabbau tendenziell geringer ausgeprägt, wenn später Durchfall auftrat – ein Zusammenhang, der sich unter Carboplatin nicht fand.

Zusammenspiel von Darmflora, Ernährung und Krankheitsverläufen

Parallel liefern aktuelle Studien detaillierte Einblicke in funktionelle Mechanismen. Ein Forschungsteam der Ludwig-Maximilians-Universität München berichtete im Fachjournal Cell (DOI: 10.1016/j.cell.2026.09.013), dass indolproduzierende Darmbakterien im Mausmodell über den Aryl-Kohlenwasserstoff-Rezeptor (AHR) in dendritischen Zellen Hirnschädigungen nach einem Schlaganfall verschlimmern.

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Bei menschlichen Schlaganfallpatienten ging eine höhere Häufigkeit des bakteriellen tnaA-Gens mit schlechteren funktionellen Behandlungsergebnissen einher.

Einflüsse der Ernährung auf mikrobielle Gemeinschaften untersuchte eine Arbeitsgruppe des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung unter Leitung von Till Strowig (Nature Microbiology, DOI: 10.1038/s41564-026-02500-6).

In einer Testgemeinschaft aus 21 Darmbakterien förderten mehr als die Hälfte von 94 Nahrungsbestandteilen das Bakterium Segatella copri, wobei Begleitkeime wie E. coli den Wettbewerb bei pflanzlichen Ballaststoffen wie Arabinan maßgeblich verschoben.

Wie empfindlich mikrobielle Ökosysteme auf Diäten reagieren, zeigte auch eine Beobachtungsstudie an Krebspatienten nach Stammzelltransplantation. Bei 173 Patienten wurden 9.419 Mahlzeiten dokumentiert.

Unter einer Therapie mit Breitbandantibiotika sank die Vielfalt der Darmbakterien modellbasiert um rund 24 % je zusätzlichen 100 Gramm zuckerreicher Lebensmittel und Süßigkeiten (Trockengewicht). Ein direkter klinischer Nutzen eines Zuckerverzichts muss jedoch erst in kontrollierten Interventionsstudien überprüft werden.