Die unter dem Namen Midnight Blizzard bekannte und dem russischen Auslandsgeheimdienst SVR zugerechnete Hackergruppe setzt eine neue Schadsoftware ein, um gezielt Microsoft-365-Konten von Reisenden zu kompromittieren. Wie aus aktuellen Berichten von Microsoft und Sicherheitsdienstleistern wie ReliaQuest hervorgeht, nutzt die als Storm-2945 bezeichnete Untergruppe der APT29-Akteure manipulierte WLAN-Netzwerke in Hotels und Konferenzzentren für ihre Kampagne.
Manipulation von Captive Portalen und DNS-Verkehr
Der Angriffsvektor konzentriert sich auf die sogenannten Captive Portale, die Anmeldeseiten öffentlicher WLAN-Netzwerke. Durch DNS- und HTTP-Manipulationen gelingt es den Angreifern, den Datenverkehr der Nutzer umzuleiten. Anstatt der regulären Anmeldeseite des Hotels werden die Opfer auf gefälschte Update-Aufforderungen oder Phishing-Seiten geführt. Diese täuschend echten Prompts nutzen Begriffe wie „winupdate“ oder „defender“, um eine Systemaktualisierung vorzutäuschen.
Die technische Infrastruktur hinter diesen Angriffen basiert auf der Custom-Malware CaptiveCrunch. Diese umfasst verschiedene Komponenten wie CornFlake, einen in der Programmiersprache Go geschriebenen Remote Access Trojaner (RAT), sowie ChocoShell, einen Infostealer auf PowerShell-Basis. Die Schadsoftware zielt primär auf Windows-Systeme ab, wobei im Rahmen der Kampagne auch eine bösartige Android-APK-Datei identifiziert wurde. Die Steuerung und Verwaltung der infizierten Systeme erfolgt über ein Kontrollzentrum namens FruitStone-Panel.
Zeitlicher Verlauf und Umgehung von Sicherheitsmechanismen
Die Aktivitäten der Gruppe weisen eine längere Vorlaufzeit auf. Während allgemeine Phishing-Aktivitäten bereits seit Februar 2026 beobachtet wurden, startete die gezielte Manipulation des Netzwerkverkehrs im Mai 2026. ReliaQuest meldete Kompromittierungen am 23. Juli, nachdem Device-Code-Phishing innerhalb dieser Kampagne verstärkt seit dem 16. Juli zum Einsatz kam. Grundsätzlich wird diese spezifische Phishing-Methode von der Gruppe bereits seit August 2024 genutzt.
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Besonders kritisch bewerten Sicherheitsanalysten den Einsatz von Device-Code-Phishing, da diese Methode geeignet ist, die Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) zu umgehen. In etwa einem Drittel der dokumentierten Fälle wurde zudem ein Missbrauch des Web Proxy Auto-Discovery Protocol (WPAD) festgestellt. Zur Täuschung der Anwender verwendet die Gruppe eine Reihe von Domains, die legitimen Microsoft-Diensten nachempfunden sind, darunter m365-owa[.]com, owa-ms365[.]com sowie ms365-device[.]com und ms365-live[.]com. Aufgrund der Struktur der Malware wird in Fachkreisen vermutet, dass die Entwicklung KI-gestützt erfolgte.
Betroffene Regionen und Schutzmaßnahmen
Die Sicherheitsvorfälle wurden bislang schwerpunktmäßig in den USA, Indien und Saudi-Arabien lokalisiert. In den USA wurden insbesondere kompromittierte Gateways in verschiedenen Großstädten identifiziert. Die Angriffe nutzen dabei sogenannte ClickFix-Prompts, um Nutzer zur Interaktion mit bösartigen Inhalten zu bewegen.
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Um das Risiko einer Kompromittierung zu senken, empfehlen Experten, WLAN-Verbindungen in Hotels und an öffentlichen Orten grundsätzlich als unsicher zu betrachten. Reisende sollten konsequent VPN-Dienste nutzen und auf die Verwendung von Passkeys umsteigen. Administratoren in Unternehmen wird geraten, den Device-Code-Flow in den Mandanteneinstellungen zu blockieren, sofern dieser nicht zwingend für den Geschäftsbetrieb erforderlich ist, um diesen spezifischen Angriffsvektor zu schließen.

