MirrorCode-Test: Bestes KI-Modell löst 56 Prozent der Software-Aufgaben

KI erstellt Nachbildungen etablierter Programme, doch Sicherheits- und Stabilitätsmängel sowie Urheberrechtsfragen bleiben ungelöst.

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Immer mehr Anwender nutzen generative künstliche Intelligenz, um eigene Programme zu programmieren und damit kostspielige kommerzielle Software zu ersetzen. Was als Experimentierfeld begann, entwickelt sich zunehmend zu einer ernsthaften Herausforderung für etablierte Anbieter. Gleichzeitig entfachen die nachgebauten Anwendungen intensive Diskussionen über Urheberrecht, Datensicherheit und die technische Stabilität von KI-generiertem Code.

Open-Source-Kopien etablierter Werkzeuge

Wie weit die Entwicklung fortgeschritten ist, zeigen konkrete Softwareprojekte. Brandon Thomas von ArtCraft veröffentlichte zwischen September und Oktober 2026 zehn Open-Source-Alternativen zu verbreiteten Programmen von Adobe und Microsoft auf GitHub.

Die Werkzeuge wurden mithilfe des Modells Claude überwiegend in der Programmiersprache Rust erstellt. Für den Adobe-Bereich entstanden Programme wie PhotoCraft, LightCraft, FilmCraft, VectorCraft, EffectCraft, DesignCraft und PdfCraft. Als Pendants zu Microsoft-Diensten stellte Thomas WordCraft, GridCraft sowie DeckCraft bereit.

Parallel dazu widmen sich Initiativen der systematischen Rekonstruktion. Das Open-Source-Projekt Reverse Engineer Anything kombiniert die Werkzeuge Claude Code und Codex, um Softwarefunktionen automatisiert nachzubauen.

Dass KI-Systeme dabei erhebliche Umfänge bewältigen, belegt die Studie MirrorCode der Organisationen Epoch AI und METR: Bei einem Test mit 25 Programmen rekonstruierte das Modell Claude Opus 4.6 die Software gotree mit rund 16.000 Codezeilen. Das erfolgreichste Modell im Test konnte 56 Prozent der gestellten Aufgaben lösen.

Berichten zufolge erreichen die generierten Alternativen derzeit allerdings noch nicht die Stabilität, Sicherheit und Kompatibilität der kommerziellen Originalsoftware.

Entwickler reagieren auf Klon-Welle

Die Leichtigkeit, mit der funktionale Klone entstehen, alarmiert insbesondere die Games-Branche. Mark Brown vom Kanal Game Maker’s Toolkit berichtete, sein Spiel Word Play sei von Claude-Nutzern kopiert worden, woraufhin diese ihn wegen einer kommerziellen Veröffentlichung kontaktierten; er habe sie gebeten, damit zu warten.

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Das Studio Digital Sun Games sagte einen öffentlichen Test seines Titels ReVamp ab, während Entwickler bei Valve anfragten, wie das Einstellen von Plagiaten auf der Vertriebsplattform Steam unterbunden werden könne.

Tom Giardino, Manager bei Valve Steam, betonte auf der Branchenveranstaltung Steam Indie Connect, Spiele müssten über Merkmale, Persönlichkeit und kreative Tiefe weiterentwickelt werden, statt sich auf leicht kopierbare Kernmechaniken zu verlassen.

Auch KI-Hersteller ziehen Konsequenzen. Anthropic ergänzte die Instruktionen für Claude unter Opus 5.5 um zwei Sätze, die das Nachbauen existierender Spiele unterbinden sollen.

Die Neuerung wurde etwa am 27. Oktober 2026 entdeckt und am 30. Oktober 2026 von Addy Osmani bestätigt. Die Sperre greift auch dann, wenn Kopien umbenannt oder als eigenständige Originale deklariert werden, und lässt sich über Einstellungen nicht deaktivieren.

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Während eigenständige Titel, generische Genre-Spiele sowie eigene Grafiken weiterhin erlaubt sind, melden Spezialisten bereits Nebenwirkungen: Ein Entwickler von Konfliktsimulationen verzeichnete GitHub-Blockaden bei eigenen Modulen ohne offizielle Lizenz. Als strukturelle Grenze solcher Schutzmaßnahmen gilt zudem, dass Nutzer auf Open-Weight-Modelle ohne derartige Restriktionen ausweichen können.

Wachsende Komplexität und neue Risiken

Gleichzeitig heben neue Schnittstellen die Softwareerstellung auf ein neues Niveau. OpenAI stattete ChatGPT mit dem Modell GPT-6 und der Funktion Intelligent UI aus, die interaktive Bedienelemente wie Grafiken, Schaltflächen und Diagramme direkt im Chatfenster anzeigt.

Tests ergaben optisch ansprechende Resultate bei Entwürfen wie Raum- oder Reiseplanern, jedoch erwiesen sich Berechnungen und physikalische Annahmen als nicht unabhängig verifiziert.

Die Entwicklungsplattform Replit zielt unterdessen auf vollständig automatisierte Unternehmensabläufe mit KI-Agenten ab, gestützt auf ein transaktionales Dateisystem und Kernel-Sandboxing. Nach Unternehmensangaben ließen sich Outsourcing-Kosten von 100.000 US-Dollar durch automatisierte Generierung auf 1.000 US-Dollar senken.

Replit-Chef Amjad Masad erwartet eine Skalierung von einem auf zehn, 100 und schließlich 10.000 gleichzeitig arbeitende Agenten pro Nutzer. Mit der Zunahme von unregulierter Schatten-KI verweisen Experten verstärkt auf Ansätze wie Trust-by-Design, um Risiken bei Governance, Haftung und technischer Nachvollziehbarkeit zu begrenzen.