Mistral AI startet Vibe-Plattform: KI-Agent mit autonomen Arbeitsabläufen

Mistral AI wandelt seinen Chatbot Le Chat in die Plattform Vibe um und investiert massiv in eigene Rechenzentren.

Aus dem Chatbot Le Chat wird die Plattform „Vibe“ – ein Schritt hin zu autonomer Unternehmens-KI.

Am 28. Mai 2025 bündelte das Startup seine Chat-, Automatisierungs- und Programmierfunktionen unter dem neuen Namen. Das Ziel: aus einem einfachen Sprachmodell einen echten KI-Agenten zu machen, der komplexe Arbeitsabläufe eigenständig erledigt.

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Spezialisierte Modi für Unternehmen und Entwickler

Die neue Vibe-Plattform bietet zwei zentrale Betriebsarten. Der Work Mode verbindet sich mit Drittanbieter-Tools wie Google Workspace, Microsoft Outlook, SharePoint, Slack und GitHub – und führt Aufgaben automatisch aus. Für Entwickler gibt es den Code Mode mit persistenten Sandbox-Umgebungen. Eine Slack-Integration für diesen Modus soll im Juni folgen.

Die Preisstruktur ist gestaffelt: Neben einer kostenlosen Basisversion gibt es Pro für 14,99 Euro und Team für 24,99 Euro pro Nutzer und Monat. Für Großkunden gelten individuelle Tarife.

Rechenzentren: Europa baut eigene KI-Infrastruktur

Parallel zum Produkt-Relaunch investiert Mistral massiv in Hardware. Am 29. Mai mietete das Unternehmen einen 10-Megawatt-Computing-Cluster von Digital Realty am Paris South Campus. Gemeinsam mit VAST Data entsteht eine souveräne KI-Cloud-Infrastruktur auf Basis von Nvidia GB300 NVL72-Systemen.

Der Fahrplan ist ambitioniert: Im Juni 2025 geht das Rechenzentrum Eclairon in Frankreich ans Netz – mit rund 13.800 Nvidia-GB300-GPUs und 44 Megawatt Kapazität. Für 2027 ist ein weiterer Standort im schwedischen Borlänge geplant. Das langfristige Ziel: 200 Megawatt souveräne europäische Rechenleistung bis Ende 2027.

Partnerschaften mit TCS, SAP und der Schweizer Bahn

Mistral hat mehrere namhafte Kooperationen geschlossen. Tata Consultancy Services (TCS) bietet ab sofort „Mistral Forge“-Lösungen für Unternehmenskunden an. SAP setzt die Sprachmodelle des Franzosen für eigene KI-Anwendungen ein. Bei den Schweizer Bundesbahnen (SBB) führte die Technologie zu einer Reduzierung der Support-Anfragen um 80 Prozent. Ein Buchhaltungs-Agent auf Mistral-Basis befindet sich zudem in der Beta-Phase.

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„Europa braucht eigene Superintelligenz“

Die Unternehmensführung pocht auf technologische Unabhängigkeit. Am 30. Mai warnte Co-Gründer Guillaume Lample: Europa müsse eigene Superintelligenz entwickeln, um nicht von US-Tech-Giganten abhängig zu werden. CEO Arthur Mensch sieht die Investitionssumme als größte Hürde – Mistral könne nicht mit den 50 Milliarden Dollar Kapitalausgaben amerikanischer Konkurrenten mithalten.

Neue Einnahmequelle: Rüstungsaufträge

Um die Erlösbasis zu verbreitern, ist Mistral ins Verteidigungsgeschäft eingestiegen. Rüstungsaufträge machen 10 bis 15 Prozent des Umsatzes aus. Dazu gehören Vereinbarungen mit Frankreich, Singapur und Luxemburg sowie eine fünfjährige Partnerschaft mit Airbus.

Zahlen und Ausblick

Mistral AI beschäftigt rund 1.000 Mitarbeiter und hat in neun Finanzierungsrunden mindestens 3,9 Milliarden Dollar eingesammelt. Das Unternehmen peilt für Ende 2025 einen Umsatz von einer Milliarde Euro an. Die kürzliche Übernahme des österreichischen Startups Emmi, das auf physikbasierte KI spezialisiert ist, unterstreicht den Kurs in Richtung industrieller KI.