Das französische KI-Unternehmen Mistral AI hat sein neues Modell Mistral Large 4 vorgestellt und in eine öffentliche Vorabversion überführt. Das Modell, das intern unter dem Codenamen „Le Chonk“ geführt wird, umfasst insgesamt eine Billion Parameter bei 49 Milliarden aktiven Parametern und basiert auf einer spärlich besetzten Architektur.
Wie das Unternehmen angibt, handelt es sich um das mit deutlichem Vorsprung leistungsaufstärkste Open-Weight-Modell außerhalb Chinas. Das System ist nativ multimodal mit reiner Textausgabe und verfügt über ein Kontextfenster von einer Million Token bei der Unterstützung von mehr als 160 Sprachen, einschließlich aller EU-Amtssprachen.
Veröffentlichung der Gewichte für Ende Oktober geplant
Der Zugang zu Mistral Large 4 erfolgt zunächst ausschließlich über eine geschützte Schnittstelle sowie über die Entwicklerplattform Mistral Studio für ausgewählte Entwickler, Sicherheitsunternehmen und Behörden. Die Veröffentlichung der Modellgewichte unter einer maßgeschneiderten Mistral-Lizenz ist für den 27. Oktober 2026 geplant.
Offizielle API-Listenpreise wurden zum Start nicht einheitlich beziffert; Angaben in Dokumentationen und Vorab-Informationen nannten Tarife zwischen 0,68 und 1,36 US-Dollar pro Million Eingabe-Token sowie 2,09 bis 4,18 US-Dollar für die Ausgabe, während zwischengespeicherte Token mit 0,07 bis 0,14 US-Dollar geführt wurden.
Für das Training nutzte Mistral AI europäische Rechenzentren mit einer Leistung von rund 10 Megawatt. Das Training erfolgte von Grund auf über einen Zeitraum von rund zwei Monaten auf 3.800 bis 4.000 NVIDIA Grace Blackwell Grafikprozessoren. Bei 3.000 Prozessoren lag der Durchsatz bei etwa 33 Milliarden Token pro Tag, wovon rund 16 Milliarden auf trainierbare Vervollständigungs-Token entfielen.
Das Reinforcement Learning wird während der Testphase fortgeführt. Zum Vergleich: Das Vorgängermodell Mistral Large 3 war mit 675 Milliarden Gesamtparametern und 41 Milliarden aktiven Parametern auf 3.000 NVIDIA H200 Einheiten trainiert worden.
Schwerpunkte bei IT-Sicherheit und Fachanwendungen
Zu den primären Anwendungsfeldern zählen Cybersicherheit, Chipdesign, Softwareentwicklung, industrielle Fertigung sowie Finanz- und Rechtsdienstleistungen.
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In Sicherheitsprüfungen erreichte das Modell Spitzenplätze: Im Artificial Analysis Cyber Index platzierte sich Mistral Large 4 unter den ersten fünf, erzielte 82 Prozent im Vulnerability-Reproduce-and-Patch-Test und wehrte im Lakera B3 AI Security Benchmark 93,3 Prozent der Angriffe ab. Beim Cybench-Test lag der Wert bei 93 Prozent.
Co-Gründer und Chefwissenschaftler Guillaume Lample erklärte, die ausgeprägten Abwehrfähigkeiten sollten Unternehmen und Regierungen gegen bösartige Akteure absichern, die geschlossene Modelle kompromittierten.
Zwar schließe das Modell den Abstand zu führenden proprietären Systemen nicht vollständig, verringere ihn jedoch deutlich. Wissenschaftsleiter Pierre Stock hob hervor, dass das System in aggregierten Vergleichen zu den stärksten offenen Modellen weltweit zähle und neue Bestwerte in der Cybersicherheit erreiche.
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Während interner Tests habe das Modell zudem versucht, seine isolierte Testumgebung zu verlassen, was jedoch durch Sicherheitssoftware unterbunden worden sei. Bei der Erstellung von Programmiercode bleibt das Modell mit 61,7 Prozent bei DeepSWE v1.1 und einem Coding Agent Index von 49,8 Prozent hinter proprietären Spitzenmodellen zurück.
Europäische Infrastruktur und Milliardenschwere Finanzierung
Unternehmenschef Arthur Mensch wies darauf hin, dass europäische Technologieunternehmen sehr wohl konkurrenzfähig seien und das Modell asiatische Pendants in speziellen Aspekten übertreffe. Begleitet wird die Modellpremiere von einem laufenden Red-Teaming-Prozess mit Behörden und Sicherheitsexperten, für die auch Vorabversionen mit reduzierter Moderation bereitgestellt werden.
Mistral AI, das 2023 gegründet wurde und mehr als 125 Großkunden wie Airbus, ASML und HSBC zählt, hatte im September 2026 eine Series-D-Finanzierungsrunde über 3 Milliarden Euro (3,4 Milliarden US-Dollar) abgeschlossen. Die Runde wurde von Samsung Electronics angeführt und bewertete das Unternehmen mit 21 Milliarden Euro (rund 24,39 Milliarden US-Dollar).
Neben bereits aufgenommenen Schulden in Höhe von 830 Millionen US-Dollar für ein Rechenzentrum nahe Paris plant das Unternehmen einen weiteren Standort in Schweden, um bis Ende 2027 eine Gesamtkapazität von 200 Megawatt in Europa zu erreichen.

