Die Kluft zwischen KI-Investitionen und Arbeitsalltag wird immer größer.
Der Kommunikationsspezialist Mitel hat heute seinen aktuellen Report „State of Workforce Communication“ vorgelegt. Das Ergebnis ist alarmierend: Während Konzerne Milliarden in moderne Kommunikationstechnik stecken, fühlt sich die Belegschaft im Stich gelassen. Die Folge: Ein unkontrollierter Wildwuchs an nicht genehmigten KI-Tools – sogenannter „Shadow AI“ – breitet sich in Unternehmen aus.
Die unabhängige Studie des Marktforschungsinstituts Vanson Bourne befragte 2.000 IT-Entscheider sowie Büro- und Frontline-Mitarbeiter aus verschiedenen Branchen. Sie zeigt: Die strategische Vision der Führungsetagen und die tägliche Realität der Angestellten klaffen weit auseinander.
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Die Frontline-Lücke: 71 Prozent der Mitarbeiter improvisieren
93 Prozent der IT-Entscheider halten ihre Kommunikationswerkzeuge für strategisch kritisch oder integral für den Geschäftsbetrieb. Doch nur 34 Prozent der Mitarbeiter bezeichnen die bereitgestellten Tools als wirklich effektiv. Besonders hart trifft es die Mitarbeiter an der Front – in der Produktion, im Einzelhandel oder in der Pflege.
89 Prozent der IT-Verantwortlichen räumen ein, dass bestimmte Mitarbeitergruppen deutlich schlechter ausgestattet sind als andere. Die Konsequenz: 63 Prozent aller Beschäftigten sehen sich gezwungen, ihre Systeme irgendwie zum Laufen zu bringen. Bei den Frontline-Mitarbeitern steigt dieser Wert auf erschreckende 71 Prozent.
Diese Improvisation ist kein harmloses Ärgernis. In Hochdruckumgebungen wie Krankenhäusern oder Fabrikhallen kann die Technik-Lücke zu ernsthaften Betriebsstörungen führen.
Sicherheitsrisiko Shadow AI: Drei Viertel nutzen nicht genehmigte Kanäle
Weil die offiziellen Tools nicht passen, greifen Mitarbeiter zu eigenen Lösungen. 76 Prozent der Befragten geben zu, für ihre Arbeit nicht genehmigte Kommunikationskanäle zu nutzen. Die IT-Abteilungen sind alarmiert: 90 Prozent der Entscheider sehen dadurch ein erhöhtes Risiko für Datenlecks, Compliance-Verstöße und Kontrollverlust.
Besonders brisant ist die Entwicklung bei Künstlicher Intelligenz. Zwar nutzen 52 Prozent der Mitarbeiter regelmäßig KI-Tools – doch viele davon sind nicht vom Arbeitgeber freigegeben. Der Grund: 66 Prozent der Beschäftigten fühlen sich von ihrem Unternehmen bei der KI-Nutzung alleingelassen. Kein Wunder also, dass die Hälfte der Belegschaft auf externe, nicht genehmigte KI-Anwendungen zurückgreift.
Diese unkontrollierte Adoption läuft der Entwicklung unternehmenseigener KI-Richtlinien weit voraus. Ein gefährlicher Zustand, denn die Datensouveränität gerät außer Kontrolle.
Die Komfort-Lücke: Nur jeder Dritte fühlt sich sicher mit KI
Die Studie zeigt ein weiteres Problem: Selbst dort, wo KI offiziell eingesetzt wird, fehlt es an Vertrauen und Kompetenz. Nur 33 Prozent der Befragten fühlen sich im Umgang mit KI-Tools wirklich wohl. Die Technologie wird zwar ausgerollt, aber die notwendige Schulung und Begleitung bleibt auf der Strecke.
In schnelllebigen Branchen wie Einzelhandel und Gastronomie ist der Druck besonders hoch. Wenn KI-Systeme als umständlich oder unpassend empfunden werden, greifen Mitarbeiter lieber auf vertraute, aber oft unsicherere Methoden zurück. Die Lektion für Unternehmen: KI muss in den Arbeitsfluss integriert werden, nicht als zusätzliche Komplexitätsschicht obendrauf kommen.
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Mitel auf neuem Kurs: Restrukturierung und hybride Strategie
Der Report kommt zu einer Zeit des Umbruchs für Mitel selbst. Im März 2025 durchlief das Unternehmen eine finanzielle Restrukturierung nach Chapter 11, die eine Schuldenreduzierung um über eine Milliarde Euro ermöglichte. Das freigewordene Kapital soll in Cloud- und KI-Initiativen fließen.
Bereits im Frühjahr brachte Mitel neue Frameworks wie Mitel Workforce Experience (MWX) und die Architektur Mitel Edge auf den Markt. Unter CEO Mike Robinson setzt das Unternehmen auf ein „hybrides UC-Modell“ – eine Mischung aus flexibler Cloud-KI und der Sicherheit lokaler Infrastruktur. Analysten von Aragon Research sehen diesen Ansatz besonders für sicherheitskritische Branchen als zukunftsträchtig.
Ausblick: Der Kampf um die „gelenkte KI“
Für die zweite Jahreshälfte 2026 zeichnet sich ein klarer trend ab: Der Fokus verschiebt sich von der bloßen Beschaffung von KI-Tools hin zur Governance und Steuerung. Die erfolgreichsten Unternehmen werden jene sein, die die Kluft zwischen IT-Strategie und Mitarbeiter-Realität überbrücken.
Die Nachfrage nach „gelenkter KI“ wird steigen, um die Risiken von Shadow AI in den Griff zu bekommen. Hybride Architekturen bleiben auf dem Vormarsch – besonders für Organisationen, die auf strenge Datenhoheit und Betriebsresilienz angewiesen sind.
Die Botschaft der Mitel-Studie ist klar: Die Zukunft der Arbeitskommunikation hängt davon ab, ob Unternehmen eine perfekte Balance zwischen Mitarbeitererfahrung und organisatorischer Kontrolle finden. Nur mit sofort verfügbaren, zuverlässigen und kontextgerechten Tools lässt sich die aktuelle „Irgendwie-muss-es-ja-gehen“-Kultur in ein nachhaltiges, sicheres Modell verwandeln.

