Die israelische Software-Schmiede Monday.com kappt 20 Prozent ihrer Stellen. Rund 620 Mitarbeiter müssen gehen. Grund ist eine radikale Neuausrichtung auf Künstliche Intelligenz.
Die Ankündigung kam am Dienstag – und sie traf die Belegschaft hart. Monday.com, bekannt für seine Projektmanagement-Plattform, will sich vom reinen Arbeitswerkzeug zum aktiven Aufgaben-Erlediger wandeln. Statt Menschen sollen künftig autonome KI-Agenten die Arbeit machen. Das kostet Jobs.
Gründer Roy Mann und Eran Zinman sprechen von der „schwierigsten Entscheidung seit der Gründung 2012″. Es gehe nicht um reines Sparen, sondern um eine Verschlankung der Hierarchien. Das Unternehmen wolle flacher werden, schneller, agiler. Ein Schicksal, das derzeit viele Tech-Firmen teilen.
Millionen-Kosten für den Umbau
Der Stellenabbau wird teuer. Monday.com rechnet mit 45 bis 55 Millionen Dollar an Restrukturierungskosten – fällig in der zweiten Jahreshälfte 2026. Allein 30 bis 35 Millionen Dollar fließen in Abfindungen und Sozialleistungen. Hinzu kommen Abschreibungen auf Büroflächen.
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Doch das Unternehmen zeigt sich zuversichtlich: Die operative Marge (non-GAAP) hebt der Konzern von 13 auf 15 Prozent an. Am Umsatzwachstum von 19 bis 20 Prozent hält Monday.com fest – das wären rund 1,46 Milliarden Dollar für das Gesamtjahr.
Die Zahlen des ersten Quartals 2026 untermauern den Kurs: 351,3 Millionen Dollar Umsatz, ein Plus von 24 Prozent zum Vorjahr. Der operative Gewinn verdoppelte sich auf 20 Millionen Dollar. Dennoch: Die Aktie hat seit Jahresbeginn rund die Hälfte ihres Wertes verloren. Die Marktkapitalisierung liegt bei etwa 3,1 Milliarden Dollar.
Die KI-Offensive: Atlas, Sphera und Monday Ventures
Monday.com bündelt seine Kräfte auf der KI-Work-Plattform. Herzstück ist das System „Sphera“ – eine interne Architektur, die auf Amazon Bedrock läuft. Darauf arbeiten KI-Agenten wie „Atlas“, die Aufgaben in Slack, GitHub und der Monday.com-Umgebung selbstständig erledigen.
Die interne Nutzung zeigt bereits Wirkung: 90 Prozent der Entwickler setzen monatlich KI-Coding-Tools ein. Die Produktivität pro Ingenieur stieg um über 50 Prozent. Das neue Organisationsmodell setzt auf kleine, autonome Teams, die diese KI-Produkte schneller entwickeln sollen.
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Parallel startet Monday.com die Initiative Monday Ventures. Bis zu 200 Millionen Dollar sollen in Startups fließen, die an KI-Innovationen arbeiten. Ein klares Bekenntnis: Monday.com will nicht nur selbst KI bauen – sondern das gesamte Ökosystem fördern.
Branchentrend: KI frisst Arbeitsplätze
Der Schritt von Monday.com ist kein Einzelfall. 2026 wurden bereits über 122.000 Tech-Jobs gestrichen. Rund 78 Prozent der Unternehmen, die Stellen abbauen, nennen die KI-Neuausrichtung als Hauptgrund. Snap und Block haben ähnliche Schritte vollzogen.
Für die betroffenen Mitarbeiter gibt es Abfindungen, beschleunigte Aktienauszahlungen und verlängerte Krankenversicherung. Rund 350 der gestrichenen Stellen entfallen auf den Hauptsitz in Israel. Ein harter Schnitt – mit klarem Ziel: Monday.com will KI-Konzern werden, nicht nur Software-Anbieter.

