Der israelische Softwarekonzern Monday.com leitet eine tiefgreifende Transformation ein. Das Unternehmen will sich vom klassischen Arbeitsmanagement-Anbieter zu einer KI-zentrierten Plattform entwickeln – und streicht dafür weltweit rund 620 Stellen.
Das entspricht etwa einem Fünftel der Belegschaft. Die Gründer Roy Mann und Eran Zinman betonen: Es gehe nicht um Kostensenkung, sondern um eine strategische Neuausrichtung. Man wolle Führungsebenen abbauen und kleinere, autonome Teams schaffen, die in einer von KI geprägten Arbeitswelt bestehen können. Die freiwerdenden Mittel sollen vollständig in die Entwicklung Künstlicher Intelligenz fließen.
Finanziell solide, strategisch mutig
Die Umstrukturierung kommt aus einer Position der Stärke. Im ersten Quartal 2026 erzielte Monday.com einen Umsatz von rund 351 Millionen Euro – ein Plus von 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der operative Gewinn verdoppelte sich auf 20 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen weiterhin Erlöse von etwa 1,46 Milliarden Euro und hob die operative Marge auf rund 15 Prozent an.
Bereits Anfang des Jahres hatte Monday.com den Fonds „Monday Ventures“ mit 200 Millionen Euro aufgelegt, der gezielt KI-Startups fördern. Die Botschaft ist klar: Man wollen nicht nur selbst KI-gesteuert arbeiten, sondern das gesamte Ökosystem mitnehmen.
Branche im Umbruch: OpenAI, SAP und Co. ziehen nach
Monday.com ist kein Einzelfall. Die gesamte Softwarebranche rüstet auf KI um – mit teils drastischen Maßnahmen.
OpenAI brachte am heutigen Mittwoch „OpenAI Presence“ auf den Markt. Das Produkt soll Unternehmen helfen, KI-Agenten mit internen Daten, Richtlinien und Arbeitsabläufen zu verknüpfen – etwa für automatisierte Kundenbetreuung oder Vertriebsprozesse.
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SAP schloss im Juli die Übernahme des Freiburger Startups Prior Labs ab. Der Kaufpreis lag bei über einer Milliarde Euro. Das erst Ende 2024 gegründete Unternehmen erreichte innerhalb von 18 Monaten eine Milliardenbewertung. SAP will dessen Technologie nutzen, um strukturierte Daten in seinen Programmen besser zu verarbeiten.
Certinia gab am Dienstag die Übernahme von Moonnox bekannt, einem Spezialisten für KI-Automation bei unstrukturierten Daten. Die Technologie soll in die Veda-KI-Plattform des Unternehmens einfließen.
Fintechs entdecken die Effizienz
Auch im Finanzsektor zeigen sich die Effekte. Das Fintech Payhawk machte am Dienstag seine „Agent Fetch“-Funktion für alle Kunden verfügbar. Der autonome Finanzcontroller soll Rechnungen bis zu zwölfmal schneller abrufen als menschliche Mitarbeiter. Seit Januar beobachtet das Unternehmen einen Rückgang der Bearbeitungszeiten um 46 Prozent bei den Testnutzern.
Eternal Limited, ehemals bekannt als Zomato, verkaufte sein Nugget-Geschäft an die Tochter Carthero Technologies. Der Deal im Wert von umgerechnet rund 400.000 Euro soll dem Mutterkonzern ermöglichen, sich stärker auf KI-gesteuerte B2B-Dienstleistungen zu konzentrieren.
Die Herausforderung: Neubau statt Anbau
Auf dem WAIC-Forum am 20. Juli diskutierten Experten über den „stillen Umbau“ der Unternehmens-DNA. Die Kernbotschaft: Firmen müssen ihre Strukturen von Grund auf neu denken, statt KI-Tools nur in bestehende Hierarchien einzupflanzen. Als Beispiele nannten die Teilnehmer PayPals Wandel hin zu KI-nativen Abläufen und Tencent, das sein zentrales KI-Labor auflöste, um die Forschung direkt in die Produktteams zu integrieren.
Dass der Weg steinig ist, zeigt das Beispiel Intuit. Nhung Ho, KI-Vizepräsidentin des Unternehmens, berichtete am 20. Juli, dass man die KI-Agenten-Architektur innerhalb von vier Monaten zweimal komplett neu aufbauen musste. Ein zentrales Steuerungsmodell scheiterte an der Komplexität. Schließlich setzte man auf ein dezentrales „Skills-and-Tools“-Framework, das derzeit mit einem kleinen Kundenkreis getestet wird.
Rechtliche Fallstricke: KI und Kündigungen
Die Rolle von KI bei Personalentscheidungen gerät zunehmend in den Fokus der Justiz. Ein US-Bundesrichter ließ am Mittwoch die Kündigung von 26 Meta-Mitarbeitern zu – trotz einer Klage, die dem Konzern vorwirft, mit verzerrten KI-Algorithmen gezielt Beschäftigte in Elternzeit oder medizinischer Auszeit aussortiert zu haben. Meta bestreitet, KI zur Auswahl der Gekündigten eingesetzt zu haben.
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Praxisbeispiele: Telekom und IKEA zeigen, wie es geht
Dass KI-Agenten im Alltag messbare Ergebnisse liefern, zeigen aktuelle Daten. Das „RAN Guardian“-System der Deutschen Telekom überwachte 2026 rund 237.000 Ereignisse – ein deutlicher Anstieg. Gleichzeitig sank die Zeit für Systemanpassungen von einer Stunde auf eine Minute.
IKEA bildete 8.500 Mitarbeiter aus dem Kundenservice zu Designberatern um – und erzielte damit einen Umsatzbeitrag von 1,3 Milliarden Euro.
Eine Microsoft-Studie zeigt jedoch die Schattenseiten: Über 80 Prozent der Fortune-500-Unternehmen setzen inzwischen aktive KI-Agenten ein, aber nur zehn Prozent haben formelle Kontrollstrukturen für deren Einsatz etabliert.

