Money Muling: 35 Festnahmen in Indien bei Großrazzia

Internationale Polizeiaktionen decken tausende Mule-Konten auf. Besonders junge Menschen werden von Kriminellen rekrutiert.

Dabei stellen Privatpersonen ihre Bankkonten für kriminelle Transaktionen zur Verfügung. Jüngste Polizeieinsätze führten zu zahlreichen Festnahmen – besonders betroffen: Studenten und junge Erwachsene.

Großrazzia in Indien: 35 Festnahmen in Kanpur

Mitte Juli führten Beamte in der indischen Stadt Kanpur eine koordinierte Aktion durch. Die Bilanz: 35 Festnahmen im Zusammenhang mit einem Betrugsvolumen von rund 300 Millionen Rupien – umgerechnet mehrere Millionen Euro. Die Verdächtigen sollen ihre Konten für Transaktionen bereitgestellt haben, die mit rund 100 verschiedenen Cyberbetrugsfällen verknüpft sind. Die Ermittler fahnden nun nach den Hintermännern.

Parallel dazu registrierten die Behörden in den Regionen Chhatrapati Sambhajinagar und Latur 14 neue Strafanzeigen wegen Kontenmissbrauchs. Das dort untersuchte Transaktionsvolumen: über 18 Millionen Rupien. Die Kontoinhaber wurden laut Polizei häufig mit Provisionen zwischen fünf und zehn Prozent der transferierten Summen gelockt.

„Operation Mule Hunt“: Polizei warnt Studenten

Besonders gefährdet sind junge Menschen. Die Cyber-Polizei in Pimpri-Chinchwad leitete Mitte Juli Verfahren gegen fünf Kontoinhaber ein und startete die Kampagne „Operation Mule Hunt“. Die Beamten warnen Studierende ausdrücklich davor, ihre Bankverbindungen an Dritte zu vermieten oder für vermeintlich lukrative Nebentätigkeiten zur Verfügung zu stellen.

Kriminelle nutzen oft Briefkastenfirmen oder fingierte Namen wie „Genius Enterprises“, um Seriosität vorzutäuschen. Viele Kontoinhaber wissen nicht: Sie machen sich durch die Bereitstellung ihrer Daten der Beihilfe zur Geldwäsche strafbar.

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Von Quishing bis Boss Scam: Die neuen Betrugsmaschen

Die über Mule-Konten fließenden Gelder stammen aus verschiedenen kriminellen Quellen. Neben klassischen Online-Anlagebetrügereien beobachten Ermittler vermehrt „Digital Arrest Scams“. Dabei geben sich Täter als Ermittlungsbeamte aus und setzen ihre Opfer unter Druck, Zahlungen zu leisten. In Etah wurden zwei Männer festgenommen, die ein Konto für einen Betrug in Höhe von 800.000 Rupien bereitgestellt haben sollen.

Die Behörden melden zudem eine Zunahme hochspezialisierter Betrugsformen:

  • Quishing: Gefälschte QR-Codes auf Briefen, an Ladesäulen oder Strafzetteln leiten Nutzer auf manipulierte Bankseiten.
  • Boss Scams: Mit KI-Deepfakes und manipulierten E-Mail-Domains (etwa .cam statt .com) werden Führungskräfte zu Überweisungen in Millionenhöhe verleitet. In Mumbai entstand so ein Schaden von über 100 Millionen Rupien.
  • Schockanrufe: Senioren werden durch vorgetäuschte Notfälle von Angehörigen um hohe Bargeldbeträge gebracht. Ein aktueller Fall aus Sachsen zeigt: Ein Ehepaar verlor 25.000 Euro.
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BGH-Urteil: Wer PIN und Karte gemeinsam verwahrt, haftet

Nicht nur strafrechtlich drohen Konsequenzen. Der Bundesgerichtshof (BGH) bestätigte in einer aktuellen Entscheidung: Bankkunden haften für Schäden nach Diebstahl der ec-Karte, wenn sie die PIN zusammen mit der Karte verwahrt oder darauf vermerkt hatten. Die Richter werteten das als grobe Fahrlässigkeit. In solchen Fällen greift ein Anscheinsbeweis zulasten des Kunden – die Bank muss den Schaden nicht ersetzen.

Experten raten: Bei unaufgeforderten Anfragen zur Kontonutzung misstrauisch sein. QR-Codes nur aus verifizierten Quellen scannen. Bei Betrugsverdacht sofort den Sperr-Notruf 116 116 kontaktieren und Anzeige erstatten.