In den Vereinigten Staaten ist eine koordinierte Phishing-Kampagne gegen Nutzer der Gesundheitsplattform MyChart angelaufen. Berichten zufolge sind bereits mehr als ein Dutzend US-Gesundheitssysteme von den Angriffen betroffen. Die Täter nutzen dabei gezielte Lockmittel wie ein angebliches „MyChart Medicare Kit“ oder spezielle Gesundheitspakete für Senioren, um sensible Patientendaten zu erbeuten.
Epic Systems warnt vor Markenimitation
Der Softwareentwickler Epic Systems, der die MyChart-Plattform betreibt, hat Ende August vor einer deutlichen Zunahme gefälschter E-Mails, Textnachrichten und Anrufe gewarnt. Das Unternehmen betonte in einer Stellungnahme, dass keine Sicherheitsverletzung der eigenen Systeme vorliege. Stattdessen handele es sich um eine großangelegte Markenimitation.
Die Betrüger setzen dabei auf verschiedene psychologische Taktiken. In einem aktiven Schema werden Nutzer über ein vermeintlich kritisches Laborergebnis informiert, das zum Download bereitstehe. Tatsächlich verbirgt sich dahinter eine Schadsoftware. Ein weiteres Vorgehen nutzt Countdown-Umfragen zur Datenerfassung, um bei den Opfern künstlichen Zeitdruck zu erzeugen.
Besonders perfide ist eine Methode, bei der Anwender zur Installation von Malware verleitet werden, indem sie bestimmte Tastenkombinationen an ihrem Computer ausführen sollen. Über die Befehlsfolge Windows+R, Strg+V und die Eingabetaste wird bösartiger Code direkt im System ausgeführt. Zudem nutzen die Angreifer Internetadressen, die dem Original täuschend ähnlich sehen, wie beispielsweise mychart-epic[.]com.
Behörden in Pennsylvania geben Warnungen heraus
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Der Generalstaatsanwalt von Pennsylvania, Dave Sunday, warnte in den vergangenen Tagen ebenfalls vor den Betrugsversuchen. Er wies darauf hin, dass die angebotenen Medicare-Kits nicht existieren und lediglich dazu dienen, Klicks auf bösartige Links zu provozieren. Ziel sei der Diebstahl persönlicher Informationen, Passwörter und Verifizierungscodes.
Juristen raten betroffenen Nutzern dringend dazu, ausschließlich die offizielle MyChart-Website oder die entsprechende App zu verwenden. Links in E-Mails oder Kurznachrichten sollten ignoriert und keine Anhänge geöffnet werden.
Auch die Funktion zum Abbestellen von Newslettern in solchen E-Mails könne ein Risiko darstellen. Für geschädigte Bürger wurden spezielle Kontaktwege über die Website der Generalstaatsanwaltschaft, eine dedizierte E-Mail-Adresse für Betrugsfälle sowie eine telefonische Hotline unter der Nummer 1-800-441-2555 eingerichtet.
Parallel laufende Phishing-Welle gegen WhatsApp-Nutzer
Zeitgleich beobachten Verbraucherschützer und Sicherheitsbehörden eine neue Welle von Angriffen auf Nutzer des Messengerdienstes WhatsApp. Betrüger versenden hierbei E-Mails, in denen sie unter dem Vorwand einer Aktualisierung der Benutzerdatenbank eine Kontobestätigung fordern. Dabei wird eine Frist von 24 Stunden gesetzt, nach deren Ablauf die Deaktivierung des Kontos drohe.
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Branchenanalysten berichten zudem von sogenannten Zero-Click-Angriffen, die auf veraltete Versionen des Betriebssystems iOS sowie der WhatsApp-App abzielen. Die Polizei empfiehlt in diesem Zusammenhang, zeitnah Sicherheitsupdates zu installieren und die Zwei-Faktor-Authentifizierung zu aktivieren. Apple hat für das Betriebssystem bereits entsprechende Patches bereitgestellt.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) rät Verbrauchern generell dazu, keine Links in unaufgeforderten Nachrichten anzuklicken und stattdessen stets offizielle Kanäle zur Verifizierung von Kontoinformationen zu nutzen. Die Experten der Verbraucherzentralen empfehlen, verdächtige Nachrichten sofort zu löschen oder in den Spam-Ordner zu verschieben.

