MyOffice: 107 Millionen Dollar Verlust zwingt zu massivem Umbau

MyOffice verzeichnet 2025 einen Milliardenverlust und halbierten Umsatz. Kaspersky strafft die Strukturen und konzentriert die verbliebene Belegschaft am Hauptsitz.

Der russische Softwareentwickler New Cloud Technologies, bekannt unter der Marke MyOffice, steht vor einem tiefgreifenden operativen Umbau. Wie aus Branchenberichten hervorgeht, schließt das Unternehmen seine bisherigen Entwicklungsstandorte in Sankt Petersburg sowie im Technologie-Hub Innopolis. Die verbleibende Belegschaft soll künftig im Moskauer Büro des Mehrheitseigentümers Kaspersky Lab konzentriert werden. Der Umzug in den Olympia Park markiert eine deutliche Konsolidierung des Unternehmens, das mit massiven wirtschaftlichen Schwierigkeiten kämpft.

Massive Umsatzeinbrüche und korrigierte Milliardenverluste

Hintergrund der Standortschließungen ist eine prekäre finanzielle Lage, die sich im Laufe des vergangenen Jahres drastisch zugespitzt hat. Für das Geschäftsjahr 2025 verzeichnete MyOffice einen Nettoverlust in Höhe von 8,82 Milliarden Rubel, was zum aktuellen Zeitpunkt etwa 107 Millionen US-Dollar entspricht. Diese Zahl wurde erst durch eine bilanzielle Neubewertung im Juni 2026 öffentlich, nachdem das Unternehmen das Defizit zuvor noch deutlich niedriger mit 4,02 Milliarden Rubel angegeben hatte.

Gleichzeitig halbierte sich der Umsatz im selben Zeitraum auf nur noch rund 1 Milliarde Rubel. Diese Entwicklung unterstreicht den massiven Rückgang der Geschäftstätigkeit, während die operativen Kosten für die Aufrechterhaltung mehrerer Standorte offenbar nicht mehr tragbar waren. Die Zentralisierung in Moskau gilt als Versuch, durch Synergieeffekte mit dem Mutterkonzern die laufenden Ausgaben zu senken.

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Strategiewechsel unter Kaspersky-Führung

Kaspersky Lab, das einen Anteil von 68,8 Prozent an MyOffice hält, hat als Reaktion auf die Krise eine strategische Neuausrichtung eingeleitet. Das Unternehmen wird künftig in einem sogenannten Slow-Burn-Modus geführt. Dies bedeutet in der Praxis, dass Investitionen in die Weiterentwicklung massiv zurückgefahren werden und der Fokus primär auf der Verwaltung des Bestands und der Schadensbegrenzung liegt.

Die Hoffnung, dass MyOffice als nationale Alternative zu westlichen Office-Suiten wie Microsoft 365 eine dominierende Marktrolle einnehmen könnte, hat sich bisher nicht erfüllt. Der CEO von Kaspersky räumte diesbezüglich ein, dass das groß angelegte Programm zur Importsubstitution im Bereich der Bürosoftware nicht den gewünschten Erfolg erzielt habe. Trotz der politisch forcierten Abkehr von ausländischen Anbietern gelang es MyOffice nicht, eine ausreichend große Nutzerbasis aufzubauen, um die hohen Entwicklungskosten zu decken.

Ungewisse Zukunft für die Belegschaft

Die Schließung der Zentren in Sankt Petersburg und Innopolis trifft Standorte, die bisher als Eckpfeiler der russischen IT-Infrastruktur galten. Innopolis, eine eigens als High-Tech-Stadt konzipierte Siedlung, verliert damit einen namhaften Akteur. Wie viele der dortigen Mitarbeiter tatsächlich den Wechsel in das Moskauer Büro vollziehen werden oder im Zuge der Straffung der Strukturen entlassen werden, ist derzeit nicht im Detail bekannt. Die Eingliederung in die Räumlichkeiten von Kaspersky Lab im Olympia Park deutet jedoch auf eine signifikante Verkleinerung des ursprünglichen Teams hin.

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Der Fall MyOffice wird in der Branche als deutliches Warnsignal für die Schwierigkeiten bei der Entwicklung eigenständiger Software-Ökosysteme gewertet. Ohne die nötige Skalierbarkeit und Marktakzeptanz stoßen selbst staatlich gestützte Initiativen zur technologischen Unabhängigkeit an wirtschaftliche Grenzen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob MyOffice unter dem Dach von Kaspersky eine langfristige Überlebensstrategie entwickeln kann oder ob die Marke weiter an Bedeutung verlieren wird.