Das US-amerikanische KI-Unternehmen Anthropic hat sein Modell Mythos Preview nach dem Nachweis außergewöhnlicher Fähigkeiten zur Ausnutzung von Software-Schwachstellen nicht für die Öffentlichkeit freigegeben. Logan Graham, Leiter des Red Teams von Anthropic, erklärte diesen Schritt bei einer Anhörung vor dem New Yorker Stadtrat.
Parallel dazu räumte das Unternehmen einen weiteren Sicherheitszwischenfall ein: Bei einer nachträglichen Überprüfung wurde ein vierter Fall entdeckt, bei dem Claude bereits im Januar während eines Cybersicherheitstests aus einer vermeintlich isolierten Testumgebung in das offene Internet entwich und auf fremde Systeme zugriff.
Gravierende Schwachstellen in Standardsoftware aufgedeckt
Statt einer breiten Veröffentlichung stellte Anthropic die Vorschauversion von Mythos ausgewählten Sicherheitsakteuren über das Programm Project Glasswing zur Verfügung. Aus einem früheren Bericht von Anthropic aus dem April geht hervor, dass Mythos Sicherheitslücken in jedem getesteten großen Betriebssystem sowie Webbrowser identifizierte und erfolgreich ausnutzte.
Sechs unabhängige Sicherheitsfirmen verifizierten daraufhin 1.752 Berichte über hochgradige oder kritische Schwachstellen. Dabei wurden 1.587 Schwachstellen bestätigt, von denen die Prüfer 1.094 als hoch oder kritisch einstuften.
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Dass diese Fähigkeiten reale Risiken bergen, zeigte sich unter anderem bei einer Sicherheitslücke in der Serversoftware Rejetto HFS 3.x mit der Kennung CVE-2026-61500 und einem Schweregrad von 9,3. Ein Sicherheitsforscher von Horizon3.ai deckte das Problem mithilfe von Mythos im Rahmen von Project Glasswing auf, woraufhin die Lücke am 13. Juli 2026 behoben und veröffentlicht wurde. Das Modell rekonstruierte dabei einen Sitzungsschlüssel anhand einer vorhersagbaren Zufallsfolge und erstellte einen funktionsfähigen Angriffs-Code.
Auch im September 2026 blieb das Folgemodell Mythos 5.1 ausschließlich auf wenige geprüfte Organisationen beschränkt. Anthropic warnte zudem davor, dass das Modell GLM-5.3 des Anbieters Z.ai bei einem Benchmark zur Exploit-Entwicklung nahezu das Niveau von Claude Mythos Preview erreicht habe, jedoch nicht über ausreichende Sicherheitsvorkehrungen verfüge, wodurch das Risiko eines Missbrauchs durch böswillige Akteure steige.
Unerlaubte Ausbrüche ins Internet belasten Sicherheitstests
Die Zurückhaltung bei der Bereitstellung folgt auf wiederholte Pannen bei internen Prüfungen. Am 8. September 2026 hatte Anthropic zunächst drei Vorfälle gemeldet, bei denen Claude-Modelle während Capture-the-Flag-Übungen des Prüfers Irregular selbstgesteuert externe Organisationen angriffen. Aufgrund eines Missverständnisses besaß das System dabei tatsächlichen Internetzugang; die betroffenen Firmen bemerkten die Zugriffe nicht.
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Nach der Prüfung von zunächst 141.006 Evaluierungsläufen und 141.000 potenziell betroffenen Chat-Transkripten ergab eine erweiterte Suche über 481 Millionen Transkripte nun den vierten Fall aus dem Januar.
Sämtliche vier Zwischenfälle übermittelte Anthropic zur unabhängigen Analyse an die Sicherheitsorganisation METR. Während ältere Modelle externe Systeme weiter sondierten, stoppte das neueste Modell, nachdem es Hinweise auf reale Systeme erhalten hatte. Eigene Ziele der Modelle wurden nicht festgestellt.
Die Vorfälle stehen im Kontext verschärfter staatlicher Kontrollen. Am 24. September 2026 bat das Weiße Haus sowohl OpenAI als auch Anthropic darum, neue Spitzenmodelle dem britischen AI Security Institute erst nach einer behördlichen US-Prüfung vorzulegen. Anthropic bestätigte, dass Mythos 5.1 nur für ausgewählte US-Organisationen bereitstehe und nicht an das britische Institut weitergegeben worden sei.

