Der KI-Konzern OpenAI gewährt mehreren britischen Finanzinstituten Zugang zu seinem speziellen Sicherheitsmodell GPT-5.5 Cyber. Hintergrund ist ein wachsender Streit um ein konkurrierendes Tool des US-Unternehmens Anthropic, das britischen Banken weiterhin verwehrt bleibt.
Britische Banken im Nachteil
Neun der größten Geldhäuser des Vereinigten Königreichs – darunter Lloyds, HSBC und Nationwide – erhalten nun von OpenAI Zugriff auf das spezialisierte Cyber-Modell. Der Schritt folgt auf Berichte, wonach Anthropic diese Institute von seinem Mythos-Modell ausgeschlossen hat, das am 7. April 2026 veröffentlicht wurde.
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Notenbankchef Andrew Bailey zeigte sich in den vergangenen Tagen besorgt: Sechs Wochen nach ersten Beschwerden hätten britische Banken immer noch keinen Zugang zum Anthropic-Modell. Laut Bailey verzögert sich der Probebetrieb aufgrund von Reibereien mit der US-Regierung über Sicherheitsvorkehrungen für KI-Systeme. Das britische KI-Sicherheitsinstitut bewertet die Fähigkeiten beider Modelle übrigens als vergleichbar.
George Osborne, ehemaliger britischer Finanzminister und heutiger OpenAI-Manager, bestätigte, dass ein eingeschränkter Zugang ermöglicht wird. Die Entwicklung folgt auf Bemühungen der Bank of England, eine koordinierte globale Antwort auf Cybersicherheitsrisiken im Finanzsektor zu erreichen.
Mythos: Ein Werkzeug mit Sprengkraft
Die Beschränkungen für Anthropics Mythos-Modell sind brisant – wegen seiner enormen Cybersicherheitsfähigkeiten. Seit der Veröffentlichung im April haben nur rund 50 Partner Zugang, überwiegend in den USA: darunter Amazon, Apple, Microsoft, Nvidia und JPMorgan.
Die Zahlen sind beeindruckend: Mythos durchsuchte über 1.000 Open-Source-Projekte und identifizierte 530 hohe oder kritische Schwachstellen. Innerhalb eines einzigen Monats entdeckte das Tool mehr als 10.000 Sicherheitslücken in großen Netzwerken. Darunter befanden sich jahrzehntealte Fehler – etwa eine 27 Jahre alte TCP-Schwachstelle in OpenBSD und ein 17 Jahre alter Bug in FreeBSD. Das britische KI-Sicherheitsinstitut bezeichnete Mythos als den größten je gemessenen Sprung in der Cyber-Fähigkeit von KI-Systemen.
Internationale Öffnung mit Hürden
Während britische Geschäftsbanken außen vor bleiben, erhalten andere internationale Akteure bereits Zugang. OpenAI gewährte großen japanischen Finanzinstituten – darunter MUFG, Sumitomo Mitsui und Mizuho – frühen Zugriff auf GPT-5.5 zur Stärkung ihrer Cyber-Abwehr. Japans Finanzminister Katayama bestätigte die Vereinbarung nach Gesprächen mit der OpenAI-Führung.
In der Europäischen Union hat die Cybersicherheitsbehörde ENISA über die Initiative Project Glasswing Zugang zu Mythos erhalten. Das Programm dient defensiven Tests, um die autonomen Exploit-Fähigkeiten des Modells zu verstehen – die eine hohe Erfolgsquote bei der Identifizierung kritischer Schwachstellen aufweisen.
KI erobert den Bankensektor
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Der Fokus auf Hochleistungs-Cyber-Modelle fällt mit einer breiteren KI-Integration im Bankensektor zusammen. OpenAI veröffentlichte kürzlich eine Fallstudie zum internen Assistenten der Singular Bank, der Bankern täglich zwischen 60 und 90 Minuten bei Aufgaben wie Meeting-Vorbereitung und Portfolio-Analyse sparen soll.
Parallel dazu baut OpenAI seine Finanzinfrastruktur für einen möglichen Börsengang aus. Das Unternehmen nahm JPMorgan und Citigroup in sein Bankenteam auf – neben Goldman Sachs und Morgan Stanley. Analysten spekulieren über eine der größten Technologie-Notierungen der Geschichte.
Im Einzelhandelssektor hat ClearScore eine ChatGPT-basierte Anwendung in Großbritannien gestartet, die Nutzern hilft, Kreditszenarien zu verstehen. Die NatWest-Gruppe wiederum arbeitet mit Validis zusammen, um die Erfassung von Finanzdaten für die Rechnungsfinanzierung zu automatisieren – mittels KI, die auf Buchhaltungssoftware zugreift und Kreditvergabeprozesse beschleunigt.

