Nachteulen im Beruf: Finnische Studie zeigt 1,7-fach höheres Rentenrisiko

Eine zwölfjährige Beobachtung verknüpft späte Schlafrhythmen mit häufigerem Rentenbezug; ein ursächlicher Zusammenhang ist damit nicht belegt.

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Menschen mit einem späten Chronotyp tragen ein deutlich erhöhtes Risiko, vorzeitig aus dem Berufsleben auszuscheiden. Das geht aus einer finnischen Langzeitstudie der Universität Oulu hervor, die in der Fachzeitschrift „Occupational & Environmental Medicine“ veröffentlicht wurde. Demnach beantragen sogenannte Nachteulen im späteren Erwerbsalter spürbar häufiger eine Erwerbsminderungs- oder Invaliditätsrente als Frühaufsteher.

Erhöhtes Risiko für Erwerbsminderungsrente

Für die Untersuchung werteten die Forscher die Daten von 5.679 Personen aus, die im Jahr 1966 in Nordfinnland geboren wurden. Im Alter von 46 Jahren ordneten sich die Teilnehmer selbst als Morgen-, Zwischen- oder Abendtyp ein.

Bei der anschließenden Nachbeobachtung über einen Zeitraum von zwölf Jahren zeigte sich ein deutlicher Unterschied: Bei Personen mit spätem Chronotyp lag das Risiko für den Bezug einer Invaliditäts- oder Erwerbsminderungsrente um das 1,7-Fache höher als bei Morgentypen, was einem Anstieg von rund 70 Prozent entspricht. Dieser statistische Zusammenhang blieb auch nach der rechnerischen Berücksichtigung von Bildungsstand und Berufsgruppe bestehen.

Konkret bezogen 8,3 Prozent der männlichen Abendtypen eine entsprechende Rente, verglichen mit 5,0 Prozent der männlichen Morgentypen. Bei den Frauen lag die Quote der Abendtypen bei 12,1 Prozent, während es bei den Morgentypen 7,2 Prozent waren. Trotz dieses Unterschieds blieb die Mehrheit der Spättypen weiterhin erwerbstätig: Bei den Männern mit spätem Chronotyp arbeiteten 89,3 Prozent weiter, bei den Frauen waren es 86,6 Prozent.

Die Wissenschaftler der Universität Oulu weisen darauf hin, dass es sich um eine reine Beobachtungsstudie handelt, die keinen direkten Ursache-Wirkungs-Beweis liefert. Studienautor Tapio Räihä führt als mögliche Ursachen unter anderem Begleitfaktoren wie Rauchen, geringe körperliche Bewegung sowie die chronische Störung der inneren Uhr an, wenn Arbeitszeiten nicht zum biologischen Rhythmus passen.

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Umfassende Folgen von Schlafstörungen

Die finnischen Ergebnisse reihen sich in wissenschaftliche Untersuchungen ein, die den Einfluss von Schlafgewohnheiten auf die langfristige Gesundheit beleuchten.

Eine Meta-Analyse in der Fachzeitschrift „Sleep Medicine Reviews“, an der die European Academy of Neurology und die Medizinische Universität Wien beteiligt waren, fasste Daten von 1,3 Millionen Teilnehmern aus sechs früheren Studien zusammen.

Die Auswertung zeigte, dass chronische Insomnie mit einem um 26 Prozent höheren Risiko für Schlaganfälle sowie einer um 28 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit für Krankenhausaufenthalte jeglicher Ursache einhergeht.

Bereits eine Analyse in der Fachzeitschrift „Neurology“ aus dem Jahr 2023 mit 31.126 Erwachsenen hatte gezeigt, dass Insomnie-Symptome im Neun-Jahres-Verlauf mit häufigeren Schlaganfällen korrelieren, insbesondere bei Erwachsenen unter 50 Jahren.

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Zudem belegen Daten aus „Sleep Medicine Reviews“ eine Verbindung zwischen Schlafstörungen und einem um 40 Prozent erhöhten Risiko für kognitive Beeinträchtigungen. In einer Untersuchung mit rund 2.750 Teilnehmern litten diejenigen, die ihre Schlafdauer steigerten oder Behandlungen nutzten, unter geringeren kognitiven Einbußen.

Untersuchte Zusammenhänge umfassten ferner Depressionen, Suizidgedanken und neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer, wobei sich keine verringerte allgemeine Lebenserwartung abzeichnete.

Ärzte führen die gesundheitlichen Risiken auf Mechanismen wie Entzündungsprozesse, vermehrte Blutgerinnselbildung, erhöhte Cortisolspiegel, Bluthochdruck und metabolische Effekte zurück. Auch hier betonen Forscher, dass Schlafprobleme oft frühe Begleitsymptome darstellen und Störfaktoren wie der Konsum von Schlafmitteln eine Rolle spielen.

Als Therapiemöglichkeiten nennen Fachleute neben verbesserter Schlafhygiene und Medikamenten insbesondere verhaltenstherapeutische Ansätze wie die kognitive Verhaltenstherapie bei Insomnie.