Geopolitische Spannungen treiben die Nachfrage nach sicherer digitaler Kommunikation in neue Höhen. NATO und EU setzen auf Milliardenprojekte, Unternehmen fürchten die Abhängigkeit von US-Technologie.
NATO-Auftrag für 29.000 Nutzer
Beim NATO-Gipfel in Ankara fiel Anfang August eine richtungsweisende Entscheidung: Die Unternehmen Accenture und Leonardo bauen das Protected Business Network (PBN) auf. Der Auftrag hat ein Volumen von rund 200 Millionen Euro und läuft über sieben Jahre. Das Netz soll die sichere Kommunikation für etwa 29.000 Nutzer innerhalb des Bündnisses gewährleisten.
EU setzt auf eigene Satelliten
Parallel dazu treibt die Europäische Union ihr ehrgeizigstes Infrastrukturprojekt voran: Mit dem Rendezvous-1-Abkommen gab die EU den Bau von 348 Satelliten für das IRIS²-Programm frei. Das Konsortium SpaceRISE – mit Airbus, Thales und OHB – realisiert die Konstellation, die eine quantensichere Regierungskommunikation ermöglichen soll. Die Kosten: über 10,6 Milliarden Euro. Die ersten Satelliten sollen 2029 ins All starten.
Unternehmen fürchten den „Kill-Switch“
Die Sorge vor geopolitischen Risiken ist in der Privatwirtschaft angekommen. Eine Bitkom-Umfrage unter mehr als 1.000 Unternehmen zeigt: 87 Prozent rechnen mit ernsthaften Krisen durch hybride Angriffe. Drei Viertel sehen einen direkten Zusammenhang mit internationalen Spannungen.
Besonders die Abhängigkeit von US-Technologie verunsichert europäische Entscheider. Eine Studie des Anbieters Proton unter 1.500 Führungskräften in Deutschland, Frankreich und Großbritannien offenbart: 74 Prozent fürchten einen politisch motivierten „Kill-Switch“ – also eine Abschaltung kritischer IT-Dienste durch US-Behörden. Mehr als die Hälfte der Unternehmen müsste den Betrieb bereits nach einem Tag einstellen, wenn der Zugriff verweigert würde. Die Folge: Immer mehr Firmen setzen auf lokales Hosting und DSGVO-konforme Anbieter.
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Rekordinvestitionen in KI-Infrastruktur
Der Hunger nach Rechenleistung für Künstliche Intelligenz treibt die Investitionen zusätzlich an. Laut Marktanalysen von Trendforce geben die großen Technologiekonzerne 2026 voraussichtlich 886,7 Milliarden US-Dollar für KI-Infrastruktur aus – ein Plus von 90 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für 2027 prognostizieren die Analysten sogar Investitionen von rund 1,3 Billionen US-Dollar.
Auch Spezialanbieter wie Frequentis verzeichnen wachsende Nachfrage nach sicherheitskritischen Infrastrukturlösungen. Drohnenabwehrsysteme rücken ebenfalls in den Fokus – Vorfälle an Flughäfen haben das Gefahrenpotenzial deutlich gemacht. Die Kosten für Detektions- und Abwehrsysteme liegen je nach Umfang zwischen niedrigen fünfstelligen Beträgen und mehreren Millionen Euro.
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Notfallpläne: Viel Papier, wenig Praxis
Trotz des gestiegenen Bewusstseins klafft eine Lücke zwischen Planung und Umsetzung. Zwar verfügen 94 Prozent der Unternehmen über einen Business-Continuity-Plan, doch nur 44 Prozent testen diese Pläne regelmäßig. Besonders bei Ausweichlösungen für alltägliche Tools wie E-Mail oder Kalenderdienste besteht erheblicher Nachholbedarf – ein riskanter Blindflug in Zeiten wachsender Bedrohungen.

