NATO startet größtes Cyber-Abwehrmanöver Locked Shields

Das NATO-Manöver Locked Shields simuliert KI-gesteuerte Cyberangriffe auf kritische Infrastruktur. Die Bundeswehr ist mit starken Kräften beteiligt und trainiert parallel die Abwehr von Desinformation.

Ab dem 20. April verteidigen rund 4.000 Experten aus über 40 Nationen in einem Echtzeit-Szenario ein fiktives Land. Der Fokus liegt diesmal auf KI-gesteuerten Angriffen und der Sicherheit von 5G-Netzen.

KI-Angriffe auf kritische Infrastruktur im Visier

Das jährliche Manöver „Locked Shields“ gilt als anspruchsvollste Übung ihrer Art. In diesem Jahr simuliert die NATO hochkomplexe Bedrohungen für Energieversorgung, Zentralbanken und Telekommunikation. Ein zentrales Szenario: KI-gesteuerte Schadsoftware, die eigenständig Schwachstellen in 5G-Protokollen aufspürt und ausnutzt.

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Für Smartphone-Nutzer ist das Training besonders relevant, denn es geht um den Schutz der Mobilfunknetze, die unser tägliches Leben tragen. Bereits Ende März absolvierten die Teams einen erfolgreichen „Partners‘ Run“, eine Testphase unter Hochdruck, um die digitale Infrastruktur für die Hauptübung zu stabilisieren.

Bundeswehr übt von Tallinn bis Mayen

Die Bundeswehr ist mit einer starken Delegation des Organisationsbereichs Cyber- und Informationsraum (CIR) dabei. Die deutschen IT-Soldaten operieren sowohl vom estnischen Tallinn als auch von heimischen Dienststellen aus. Parallel zu Locked Shields läuft das Projekt „SeaSec Data2Sea 2026“, das den Schutz maritimer Unterwasserinfrastruktur wie Seekabel erprobt.

Doch Cyberkrieg ist mehr als Technik. In Mayen trainieren derzeit 300 Teilnehmer aus 15 Nationen bei der Übung „Active Volcano 26“ die Abwehr von Desinformationskampagnen. Die Grenze zwischen technischer Manipulation und psychologischer Beeinflussung verschwimmt zunehmend – eine neue Herausforderung für die Verteidiger.

Bevölkerung fordert härtere Gegenwehr

Die Notwendigkeit der Übungen unterstreicht eine aktuelle Bitkom-Studie. Demnach hält nur knapp die Hälfte der Bürger die Bundeswehr für gut auf hybride Angriffe vorbereitet. Die Bevölkerung wünscht sich deutlich robustere staatliche Reaktionen.

Fast die Hälfte der Befragten befürwortet sogenannte „Hack-Backs“ – also aktive digitale Gegenangriffe auf feindliche Hacker. Drei Viertel fordern zudem erweiterte Überwachungsbefugnisse für Sicherheitsbehörden. Die Bundeswehr arbeitet bereits eng mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zusammen, um ein umfassendes IT-Lagebild für Deutschland zu erstellen.

Mittelständler als neues Einfallstor

Die Übungsserie findet vor einer sich verschärfenden Sicherheitslage statt. Militärische Analysten beobachten einen Trend: Staatlich unterstützte Angreifer zielen vermehrt auf Lieferketten und mittelständische Zulieferer. Selbst Unternehmen mit wenigen hundert Mitarbeitern können so zum Einfallstor für großangelegte Operationen gegen Bundeswehr oder NATO-Netzwerke werden.

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Die NATO-Strategie begreift Cyber-Abwehr 2026 nicht mehr als isolierte Aufgabe, sondern als Teil von „Multi-Domain-Operations“. Effekte im digitalen Raum sollen direkt mit Operationen zu Lande, zu Wasser und in der Luft synchronisiert werden. Das Ziel des CIR ist klar: bis 2029 volle Kriegstüchtigkeit im Cyberraum.

Innovation als Schlüssel zur Abwehr

Um mit der rasanten Entwicklung der Angriffsmethoden Schritt zu halten, setzt die Bundeswehr auf enge Kooperation mit der Wirtschaft. Der Cyber Innovation Hub bringt Start-ups und Rüstungsunternehmen zusammen. Bei sogenannten Demo-Days erhalten neue Technologien für die vernetzte Gefechtsführung direktes Feedback aus der Truppe.

Nach Abschluss von Locked Shields blickt die Fachwelt im Mai erneut nach Tallinn. Vom 26. bis 29. Mai diskutieren Experten auf der International Conference on Cyber Conflict (CyCon) unter dem Motto „Securing Tomorrow“ die Lehren aus der Übung. Für die Bundeswehr bleibt die Digitalisierung eine Daueraufgabe, mit weiteren nationalen Tests und neuen Richtlinien für die Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft in der zweiten Jahreshälfte.