Telekommunikationsnetze steuern sich bald selbst. Ein Durchbruch von NEC und Amazon Web Services zeigt, wie KI-Agenten komplette Netzfunktionen eigenständig aufbauen und überwachen – in Stunden statt Wochen. Diese Woche demonstrieren mehrere Branchengrößen, dass die Ära der autonomen Netze begonnen hat.
Vom automatisierten zum denkenden Netz
Jahrelang bestand Netzautomatisierung aus vorprogrammierten Skripten. Jetzt übernehmen Agentic AI-Systeme das Steuer. Diese KI-Agenten verfolgen Ziele, analysieren ihre Umgebung und treffen eigenständige Entscheidungen. Sie schaffen geschlossene Kreisläufe für selbstheilende Netze, die Probleme antizipieren, bevor Techniker alarmiert werden.
Während KI-Agenten die Netzsteuerung revolutionieren, bringen sie auch neue regulatorische Anforderungen mit sich. Dieser kostenlose Leitfaden zur EU-KI-Verordnung erklärt Ihnen kompakt, welche Dokumentationspflichten und Risikoklassen für Unternehmen bei der Nutzung moderner KI-Systeme jetzt verbindlich gelten. EU-KI-Verordnung kompakt: Endlich verständlich erklärt, welche Pflichten für Ihr Unternehmen gelten
Diese Entwicklung erzwingt einen architektonischen Neuanfang. Netzbetreiber bauen ihre Infrastruktur nun mit KI als Fundament, nicht als Zusatz. Das Ziel ist das „Zero-Touch-Netz“, das sich komplett selbst verwaltet. Hintergrund ist die kaum noch beherrschbare Komplexität von 5G und dem kommenden 6G-Standard.
Tech-Riesen liefern die Plattformen
Die Welle an Ankündigungen vor der MWC in Barcelona zeigt: Die Schlüsseltechnologien sind einsatzbereit.
Im gemeinsamen Pilotprojekt ließen NEC und AWS einen KI-Agenten die komplette Lebenszyklus-Verwaltung einer 5G-Core-Netzfunktion übernehmen. Vom Entwurf über den Aufbau bis zur Überwachung – Prozesse, für die Teams sonst Wochen brauchen, erledigte die KI in Stunden.
Microsoft treibt die Entwicklung mit einer natürlichen Sprachschnittstelle voran. Kunden können Telekom-Dienste künftig per Konversation buchen. Im Hintergrund koordinieren KI-Agenten Service, Verkauf und Abrechnung.
Nokia und AWS präsentierten eine intent-basierte Netz-Slicing-Lösung. Die KI analysiert Echtzeitdaten wie Verkehrsaufkommen oder Großveranstaltungen, um Netzsegmente für Premium-Dienste proaktiv anzupassen.
Ergänzt wird das Ökosystem durch RADCOMs „Neura“-Suite. Diese spezialisierten KI-Agenten für die Service-Assurance sorgen dafür, dass die Netzleistung stets den Kundenerwartungen entspricht.
Messbare Erfolge bei Netzbetreibern weltweit
Die Technologie beweist ihren Wert bereits im Live-Betrieb.
Der taiwanesische Anbieter Far EasTone setzt KI-Agenten flächendeckend ein. Rund 60 Prozent der Aufgaben im Netzwerk-Operations-Center laufen bereits KI-gestützt. Die Agenten erledigen monatlich etwa 10.500 Tasks – von Störungszusammenfassungen bis zu proaktiven Netzchecks.
Die Einsparungen sind erheblich. Bharti Airtel aus Indien meldet eine Halbierung der durchschnittlichen Reparaturzeit und Kostensenkungen von 20 bis 25 Prozent bei den Betriebsausgaben.
In Japan analysiert die KI-Plattform von NTT Docomo auf AWS Daten von über einer Million Netzwerkgeräten in Echtzeit. Das ist ein Schritt zum erklärten Ziel: ein KI-zu-KI-kollaboratives Netz für die 6G-Ära.
Der Wendepunkt ist erreicht
Die Branche steht an einer Schwelle. KI-getriebene Autonomie wird zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Eine aktuelle NVIDIA-Studie unterstreicht den Trend: Nutzten 2025 noch 49 Prozent der Telekom-Unternehmen KI, sind es 2026 bereits 66 Prozent. Fast neun von zehn Betreibern wollen ihr KI-Budget weiter erhöhen.
Die zunehmende Vernetzung und der Einsatz von KI in der Infrastruktur vergrößern die Angriffsfläche für Cyberkriminelle erheblich. Was Geschäftsführer heute über Cyber Security und die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen wissen müssen, erfahren Sie in diesem Experten-Report für den Mittelstand. Diese neuen KI-Gesetze betreffen jetzt auch Ihr Unternehmen
Diese Investitionen sind nötig, um die wachsende Komplexität und die Kosten von 5G, Netz-Slicing und dem Internet der Dinge zu beherrschen. KI-Agenten orchestrieren diese Systeme intelligent und sichern so Leistung bei kontrollierten Betriebskosten.
Die Vision: Das selbstverwaltende Netz
Die langfristige Vision ist klar: vollständig autonome Netze. Die jetzt eingeführten Technologien sind die Grundsteine.
Die nächste Evolutionsstufe werden Multi-Agenten-Systeme sein. Darin arbeiten spezialisierte KI-Agenten zusammen, um komplexe, domänenübergreifende Probleme ohne menschliches Zutun zu lösen. Das Netz optimiert und sichert sich dann nicht nur selbst, sondern richtet seine Performance an übergeordneten Geschäftszielen aus.
Die Ankündigungen dieser Woche sind mehr als Produktlaunches. Sie markieren den Beginn einer fundamental neuen Betriebslogik für die globale Telekommunikation.





