Neobanken-Alarm: Verdachtsmeldungen verdreifachen sich auf 108.158

Die Zahl der Verdachtsmeldungen gegen digitale Banken stieg 2025 auf über 108.000. Parallel dazu laufen Verfahren gegen Betrügerbanden und Phishing-Dienste.

Die Financial Intelligence Unit (FIU) schlägt Alarm: Immer mehr Kriminelle nutzen digitale Banken für ihre Machenschaften. Die Zahl der Verdachtsmeldungen gegen Neobanken ist im Jahr 2025 explodiert – von 34.357 auf 108.158 Fälle. Das ist eine Verdreifachung innerhalb eines Jahres.

Digitale Banken im Visier der Kriminellen

Der Anstieg bei den Neobanken übertrifft das allgemeine Wachstum bei Weitem. Insgesamt gingen bei der FIU 2025 rund 374.700 Verdachtsmeldungen ein – ein Plus von 41 Prozent. Doch der Anteil der Neobanken daran stieg von 13 auf 29 Prozent. Die Botschaft ist klar: Digitale Finanzdienstleister werden zunehmend zur Verschleierung illegaler Geldflüsse missbraucht.

Wie groß die Dimensionen internationaler Betrugsnetzwerke sein können, zeigt die „Operation Chargeback“. Zwischen 2016 und 2021 wurden dort rund 19 Millionen fingierte Abonnements registriert. Der Schaden: mehr als 300 Millionen Euro. Betroffen waren rund 4,3 Millionen Menschen in 193 Ländern. Bereits im November 2025 konnten 21 Haftbefehle vollstreckt werden.

Prozessauftakt in Münster: Falsche Bankmitarbeiter

Die konkreten Methoden der Betrüger landen derzeit vor Gericht. Seit dem 20. Juli 2026 stehen sechs Männer zwischen 19 und 61 Jahren vor dem Landgericht Münster. Die Angeklagten aus dem Ruhrgebiet sollen mit gefälschten Webseiten und Anrufen falscher Bankmitarbeiter mehr als 180.000 Euro Schaden verursacht haben.

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Mindestens 15 Taten wurden bundesweit dokumentiert. Bei Hausdurchsuchungen machten die Beamten erstaunliche Funde: 90.000 Euro unter einem Bett, weitere Bargeldbestände unter einem Backofen und in Schließfächern. Drei der Angeklagten sitzen in Untersuchungshaft. Der Prozess ist bis September terminiert.

BKA zerschlägt Phishing-Dienst „Kratos“

Parallel zu den Verfahren gegen einzelne Banden gehen die Behörden gegen die technische Infrastruktur vor. Dem Bundeskriminalamt gelang in Zusammenarbeit mit US-Behörden die Zerschlagung des Phishing-Dienstes „Kratos“. Das Prinzip: „Phishing-as-a-Service“. Rund 1.800 Täter mieteten die Plattform und führten damit monatlich etwa 15.000 Kampagnen durch.

Über 200 Server wurden unschädlich gemacht. Sie dienten zur Erstellung gefälschter Webseiten, vor allem im Design von Microsoft-Diensten. Die Software konnte sogar die Zwei-Faktor-Authentifizierung der Opfer umgehen. Ein mutmaßlicher Entwickler wurde in Indonesien festgenommen. Seit 2024 soll die Gruppe mit diesem Geschäftsmodell mehr als 300.000 Euro erwirtschaftet haben.

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Sparkassen starten eigene Neobroker

Während Neobanken mit Sicherheitsproblemen kämpfen, drängen die etablierten Institute mit eigenen digitalen Angeboten in den Markt. Die Sparkassen starteten am 20. Juli 2026 ihren Dienst S-Neo. Er ermöglicht den Wertpapierhandel direkt in der bestehenden Sparkassen-App – mit Zugriff auf über 21.000 handelbare Titel.

Zunächst steht der Dienst den rund 20 Millionen App-Nutzern zur Verfügung. Ab 2027 soll er auch für Nichtkunden geöffnet werden. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband sieht das Angebot als wettbewerbsfähige Alternative zu bestehenden Neobrokern. Die Depotführung bleibt in vielen Fällen kostenlos, die Ordergebühren liegen bei etwa einem Euro.