Nepal zerschlägt Millionen-Betrug mit Rettungs-Hubschraubern

Nepalesische Behörden zerschlagen kriminelles Netzwerk, das mit vorgetäuschten Bergrettungen Versicherungen um fast 20 Millionen Euro betrog. Sechs Führungskräfte wurden festgenommen.

Nepal hat ein kriminelles Netzwerk ausgehoben, das mit gefälschten Hubschrauber-Rettungen ausländische Trekking-Touristen um Millionen betrog. Die Behörden verhafteten sechs Führungskräfte von drei Luftfahrtunternehmen, die für einen mutmaßlichen Schaden von fast 20 Millionen Euro verantwortlich sein sollen.

Der Skandal erschüttert das Vertrauen in einen der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes: den Abenteuertourismus im Himalaya. Eine zweieinhalbmonatige Ermittlung des Zentralen Untersuchungsbüros (CIB) deckte ein systematisches System aus vorgetäuschten Notfällen, gefälschten Dokumenten und Absprachen zwischen Trekking-Agenturen, Hubschrauberbetreibern und Privatkliniken auf. Die nun verhafteten Direktoren und Manager der Firmen Mountain Rescue Service, Nepal Charter Service und Everest Experience and Assistance stehen im Zentrum des Vorwurfs.

Systematischer Betrug in dünner Höhenluft

Das Vorgehen der Beschuldigten war laut Ermittlern durchorganisiert. Oft begann es damit, dass einheimische Bergführer bei Touristen leichte Höhenbeschwerden dramatisieren und sie zu medizinisch unnötigen Hubschrauber-Evakuierungen drängten. Stimmt der ahnungslose Tourist zu, setzte eine gut geölte Betrugsmaschinerie ein.

Die Unternehmen sollen Scheinrechnungen und gefälschte Arztberichte an internationale Versicherungen geschickt haben. Zu den Tricks gehörten Abrechnungen für nie geflogene „Geisterflüge“, mehrfache Anträge für eine einzige Rettung oder die Umdeutung normaler Charterflüge zu teuren Notfall-Einsätzen. Für einen einzelnen Flug wurden so bis zu 29.000 Euro abgerechnet – ein Vielfaches des eigentlichen Preises.

Fast 20 Millionen Euro Schaden durch 317 Fake-Rettungen

Das finanzielle Ausmaß ist gewaltig. Zwischen Mitte 2022 und 2025 sollen die drei Firmen mindestens 317 betrügerische Rettungseinsätze durchgeführt haben. Der daraus entstandene Schaden für die Versicherungskonzerne beläuft sich vorläufig auf rund 19,69 Millionen Euro (2,9 Milliarden Nepalesische Rupien).

  • Der Mountain Rescue Service wird mit 171 gefälschten Rettungen und Schadensersatzforderungen von über 9,6 Millionen Euro belastet.
  • Die Nepal Charter Service soll für 75 Betrugseinsätze und Forderungen von etwa 7,6 Millionen Euro verantwortlich sein.
  • Die Everest Experience and Assistance wird mit 71 Fällen und über einer Million Euro in Verbindung gebracht.

Die Ermittler betonen, dass es sich um vorläufige Zahlen handelt. Der Gesamtschaden könnte noch steigen.

Kampf ums Image: Nepals Tourismus braucht Vertrauen

Für Nepal ist der Schlag gegen die Betrüger überfällig. Schon 2018 hatte eine Regierungsuntersuchung ähnliche Machenschaften aufgedeckt, doch mangelnde Konsequenz ließ das Problem weiterwachsen. Internationale Reisesicherheits-Dienste wie World Nomads warnten daraufhin konkret vor den „Hubschrauber-Rettungs-Betrügereien“ in Nepal.

Die Folge waren weltweit steigende Versicherungsprämien für Trekking-Reisen und ein ramponierter Ruf des Landes. Die jetzigen Festnahmen sollen ein Zeichen setzen: Den Beschuldigten drohen Anklagen wegen Betrugs, Urkundenfälschung, Geldwäsche und Bildung einer kriminellen Vereinigung.

Langfristige Folgen: Sauberkeit als Wettbewerbsvorteil

Die Zerschlagung des Netzwerks ist erst der Anfang. Die Ermittlungen werden sich nun auf mögliche Komplizen in Trekking-Agenturen und Kliniken ausweiten. Die Branche erhofft sich davon langfristig mehr Transparenz und Sicherheit.

Für künftige Nepal-Reisende könnte die Aktion direkte Vorteile bringen: Gelingt es dem Land, das Vertrauen zurückzugewinnen, dürften die überhöhten Versicherungskosten für Himalaya-Touren wieder sinken. Die nepalesische Regierung steht unter Druck, ihre Glaubwürdigkeit als Gastgeber für Abenteuerurlauber aus aller Welt nachhaltig zu reparieren.