NetApp (NASDAQ: NTAP) hat mit Novus eine neue Storage-Architektur vorgestellt, die auf Anbieter von KI-Infrastruktur mit großen GPU-Umgebungen zielt. Das Unternehmen bezeichnet Novus als schnellsten Storage der Welt. NetApp-CEO George Kurian nannte das System das erste Zettabyte-Scale-Filesystem der Welt, das Millionen GPUs mit Daten versorgen soll – an anderer Stelle relativierte das Unternehmen die Angabe später auf Hunderttausende GPUs.
Trennung von Daten und Metadaten
Kern der Architektur ist die Trennung von Metadaten und Datenpfad: Performance, Kapazität und Concurrency sollen unabhängig voneinander unter einem einzigen Namespace via NFS skalieren. Technisch desaggregiert das System Daten und Metadaten über pNFS und nutzt dabei die Zuverlässigkeit der ONTAP-Plattform.
NetApp beziffert den aggregierten Durchsatz von Novus auf mehr als 100 Terabyte pro Sekunde. Syam Nair, Chief Product Officer bei NetApp, sprach von 100 TB/sec unlimited scale-out performance. Ein unabhängiges Omdia-Audit bescheinigte demnach eine nahezu lineare Performance-Skalierung; die Modellierung projiziert 100 TBps sequentiellen Lesedurchsatz bei Kapazitäten im Bereich Dutzender Exabytes.
Als Hintergrund für die Entwicklung nennt NetApp ein verbreitetes Problem in KI-Rechenzentren: Unter traditionellen Speicherarchitekturen falle die GPU-Auslastung unter 30 Prozent, wenn sogenannte AI-Factories ihre Grafikprozessoren nicht ausreichend mit Daten versorgen können.
Erste Version läuft auf Supermicro-Hardware
Die erste verfügbare Version firmiert als Novus Data Director, eine Metadaten-Software, die auf qualifizierter Supermicro-Infrastruktur läuft. Die Datendienste stammen von ONTAP über das System AFF A90, betrieben mit sogenannten A90N-Storage-Nodes – einer A90-Variante mit 400-Gigabit-Netzwerkkarten und zusätzlichem NVRAM.
Das System ist kompatibel mit GPUs von Nvidia und AMD und laut NetApp bereits bestellbar. Zielgruppen sind AI-Factories, Neoclouds und Anbieter von GPU-as-a-Service; als Wettbewerber nennt die Branche in diesem Umfeld unter anderem DDN, Everpure, WEKA und VAST Data.
Passend zum Marktumfeld verwies NetApp auf eine Deloitte-Prognose, wonach die Adoption von AI-Factories im Energiesektor bis 2028 auf 82 Prozent steigen soll; im Finanzdienstleistungssektor soll der Anteil von 24 Prozent im Jahr 2025 auf 63 Prozent im Jahr 2028 wachsen.
Kooperation mit Supermicro und weitere Ankündigungen
Parallel zur Novus-Vorstellung kündigten NetApp und Supermicro eine strategische Kooperation für gemeinsam validierte KI-Infrastrukturlösungen an, die sich an AI-Factories, Unternehmen, Neoclouds und Sovereign-AI-Projekte richtet.
Die Partnerschaft kombiniert Supermicros KI-optimierte Compute- und Rack-Scale-Systeme mit der NetApp-Plattform und umfasst drei Schwerpunkte: integrierte KI-Lösungen im großen Maßstab, Enterprise-Datenmanagement inklusive Sicherheit und Datensouveränität sowie maximierten KI-Return-on-Investment durch KI-taugliche Daten. Das daraus entstehende NetApp AIPod mit Supermicro basiert auf einer NVIDIA-Referenzarchitektur und ist für Trainings-, Inference- und agentische Workloads von Dutzenden bis Hunderten GPUs ausgelegt.
Unter traditionellen Speicherarchitekturen fällt die GPU-Auslastung in KI-Rechenzentren unter 30 Prozent, wenn die Datenversorgung nicht mit den Grafikprozessoren mithält. Wer GPU-Cluster betreibt, sollte jetzt prüfen, ob sein Datenpfad zum Bremsklotz wird. Der kostenlose Report liefert eine Checkliste zur KI-Storage-Architektur und eine Anbieter-Vergleichsmatrix. KI-Storage-Architektur jetzt prüfen
Auf demselben Event kündigte NetApp weitere Produkte an, darunter Keystone Sovereign für Datenresidenz in Europa mit Pilotprojekten in Deutschland und Frankreich, Console Fleet Management, Console Autonomous Operations sowie Console AI ChatOps. Hinzu kommt die AI Data Engine für Metadaten-Discovery über ONTAP, StorageGRID und Speichersysteme anderer Anbieter.
Keystone Sovereign soll Hardware, Daten, Metadaten, Logs, Backups, Telemetrie und Support in der jeweiligen Kundenregion halten, zunächst im Europäischen Wirtschaftsraum mit Fokus auf Deutschland und Frankreich. Zudem nannte NetApp Partnerschaften mit Commvault, Nutanix, Oracle, SAP und Supermicro.
Die neue NetApp Console setzt auf agentische KI mit eigenen Sprachmodellen über ein sogenanntes Open LLM Gateway sowie ein Chat-Interface mit menschlicher Validierung; eine lokale Bereitstellung als virtuelle Maschine beim Kunden ist ebenso geplant wie eine allgemein verfügbare Integration mit Nutanix Cloud Infrastructure.
Darüber hinaus soll eine Integration der NetApp Storage Services mit Oracle Cloud Infrastructure folgen – nach eigenen Angaben ist NetApp bereits der einzige Storage-Anbieter, der nativ in AWS, Azure, Google Cloud und OCI verfügbar ist. Der entsprechende OCI NetApp Storage Service soll innerhalb von zwölf Monaten allgemein verfügbar sein.
Geplante Übernahme von PEAK:AIO
Im Umfeld der Ankündigungen gab NetApp zudem die Absicht bekannt, das auf Metadaten-Architektur und hochperformante Parallel-Dateisysteme spezialisierte Unternehmen PEAK:AIO mit Sitz in Manchester zu übernehmen; ein Kaufpreis wurde nicht genannt.
Die Übernahme soll NetApps KI-Infrastruktur-Roadmap beschleunigen und Metadaten-Services sowie die Innovation bei parallelen Namespaces ergänzen, mit dem Ziel, dass KI-Clouds ihren geteilten Speicher gemeinsam mit wachsenden GPU-Clustern skalieren können.
Die PEAK:AIO-Architektur desaggregiert Metadaten von den eigentlichen Daten und soll für Billionen Dateien, Exabyte-Skalierung und massiv parallele Workloads ausgelegt sein. Die zugrundeliegende Technologie entstand laut Angaben aus Kooperationen mit dem Los Alamos National Laboratory und der Carnegie Mellon University.
Zu den Kunden von PEAK:AIO zählen die britische Regierung, der National Health Service, das Ministry of Defence sowie BT. Die Transaktion steht unter üblichen Abschlussbedingungen und regulatorischen Genehmigungen.
NetApp-CEO George Kurian erklärte, die Kombination der Metadaten-Innovationen von PEAK:AIO mit ONTAP solle skalierbare Metadaten-Dienste und parallele Namespace-Innovation ermöglichen, damit KI-Clouds geteilten Speicher neben wachsenden GPU-Clustern skalieren können. PEAK:AIO-Gründer Mark Klarzynski merkte an, dass klassische Legacy-Speicherarchitekturen bei der Skalierung und den Kosten realer KI-Projekte an ihre Grenzen stießen.
Sovereign-AI-Projekte in Deutschland und Frankreich verlangen, dass Hardware, Metadaten, Logs und Support in der Kundenregion bleiben — eine Anforderung, die viele Speicherarchitekturen nicht erfüllen. Der kostenlose Leitfaden zeigt, welche Fragen Sie vor der Beschaffung stellen müssen und wie Sie Datenresidenz und GPU-Performance zusammenbringen. Leitfaden Datenresidenz anfordern
Unternehmenskennzahlen
NetApp beschäftigt nach eigenen Angaben 11.700 Mitarbeiter und ist dem Sektor Computer-Hardware zugeordnet. Für den 9. Oktober ist eine Dividende von 0,52 US-Dollar je Aktie angekündigt (Ex-Dividende). Der Analystenkonsens von 20 Analysten lautet OUTPERFORM, der letzte Schlusskurs lag bei 209,18 US-Dollar. Für Supermicro liegt der Konsens von 19 Analysten bei HOLD, bei einem letzten Schlusskurs von 41,02 US-Dollar.

