OpenAI und die renommierte US-Kanzlei Willkie Farr & Gallagher haben eine Partnerschaft für maßgeschneiderte KI-Tools bekannt gegeben. Die Zusammenarbeit zielt darauf ab, juristische Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten – ein Trend, der auch deutsche Kanzleien und Unternehmen betrifft.
Wendell Intelligence: ChatGPT Enterprise in der Kanzlei
Im Rahmen der Kooperation führt Willkie ChatGPT Enterprise ein und nutzt die Modelle des KI-Pioniers für die hauseigene Plattform Wendell Intelligence. Jason Boehmig, Leiter der Rechts-KI bei OpenAI, und John Elbasan, Chief Digital Information Officer von Willkie, sehen Kosteneffizienz als zentralen Treiber der Initiative. Die Anwaltsbranche setzt zunehmend auf KI: Erst im April 2026 startete Freshfields eine Zusammenarbeit mit Anthropic, bereits Ende 2025 arbeitete Dentons mit OpenAI zusammen.
Spezialisierte Tools für Anwaltsarbeit
Der Softwareanbieter NetDocuments brachte am 22. Juli eine Reihe spezialisierter Anwendungen auf den Markt. Die neuen Tools richten sich gezielt an Klägeranwälte und umfassen eine Medical Chronology App, eine Demand Generator App und einen Expert Witness Profile Builder. Damit stehen über die ndMax Studio-Plattform nun insgesamt 39 Anwendungen zur Verfügung. Das Sachverständigen-Tool extrahiert Qualifikationen und frühere Aussagen aus Protokollen und Veröffentlichungen und deckt dabei Widersprüche auf.
eDiscovery: KI-gestützte Dokumentenanalyse
Im Bereich der elektronischen Beweismittelsuche (eDiscovery) kündigte Epiq am 21. Juli den frühen Zugang zu Epiq AI Accelerate an. Das System integriert das Claude-Modell von Anthropic in agentische KI-Workflows. Anwälte können per natürlicher Sprache systemweite Aktionen auslösen – von der Verwaltung von Arbeitsbereichen bis zur Dokumentenprüfung. Der vollständige Rollout ist für August 2026 geplant.
Während KI-Tools die Effizienz in Kanzleien massiv steigern, müssen Unternehmen gleichzeitig die komplexen rechtlichen Rahmenbedingungen der neuen EU-Gesetzgebung im Blick behalten. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet Ihnen einen kompakten Überblick über alle Anforderungen, Pflichten und Fristen der EU-KI-Verordnung. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt
Indien: KI-Plattform gegen Millionen unerledigter Fälle
Das Unternehmen NYAI stellte am 21. Juli eine Rechts-KI-Infrastruktur speziell für indische Kanzleien vor. Die Plattform soll helfen, die rund 56 Millionen unerledigten Fälle in Indien zu bewältigen. Sie bietet einen verifizierten Rechtskorpus und firmeneigene KI-Agenten. Die Mitgründer Dr. Adv Chinmay Bhosale und Vikrant Labde betonen, dass die Infrastruktur die hohen Halluzinationsrisiken adressiert – diese liegen bei Standard-Rechtsanfragen Schätzungen zufolge zwischen 69 und 88 Prozent.
KI erobert Buchhaltung und Versicherungen
Auch in anderen Dienstleistungsbranchen setzt sich der KI-Trend fort. CliftonLarsonAllen (CLA) kündigte am 21. Juli eine Zusammenarbeit mit Digits an, um eine KI-native Buchhaltungsplattform zu entwickeln. CLA will ein eigenes Modell auf Basis seiner Kundendaten trainieren und in der Client Accounting and Advisory Services (CAAS)-Sparte einsetzen, die rund 15 Prozent der Firmenerlöse von über zwei Milliarden Euro ausmacht.
Im Versicherungssektor launchte Qumis am 21. Juli anwaltlich zertifizierte KI-Agenten für die gewerbliche Sach- und Haftpflichtversicherung. Die Plattform nutzt Spezialagenten für 16 Deckungsbereiche, darunter Cyber, Marine und Arbeiterunfallversicherung. Parallel dazu führte claimOS den Claim Brain AI Workspace ein – eine Plattform für versicherungsnehmerorientierte Anwälte, die Schadensdokumente zentralisiert und die Erstellung von Korrespondenz und Beweiszusammenfassungen automatisiert.
Der Einsatz von KI-Systemen in Unternehmen ist künftig an strikte Regeln gebunden, wobei insbesondere die Identifikation von Hochrisiko-Systemen entscheidend für die Compliance ist. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, was die EU-KI-Verordnung konkret für Ihre IT- und Rechtsabteilung bedeutet und wie Sie Bußgelder vermeiden. Welche KI-Systeme gelten als Hochrisiko – und was müssen Unternehmen jetzt konkret tun?
Workflow-Automatisierung für Profi-Dienstleister
Advyzon brachte am 22. Juli ein eingebettetes system für Vermögensverwalter auf den Markt. Es automatisiert die Vorbereitung von Meetings, die Erfassung von Notizen und die Workflow-Orchestrierung – bei gleichbleibender menschlicher Kontrolle.
Intapp präsentierte am 21. Juli Celeste, einen KI-Mitarbeiter für professionelle Dienstleistungsfirmen. Das Tool automatisiert die Prüfung von Deals, Interessenkonflikte und Einstellungsprozesse. Zu den ersten Anwendern zählen BakerHostetler und Hg.
DocJuris erweiterte am 21. Juli seine Vertrags-KI um Funktionen für Recherche zu geistigem Eigentum und regulatorische Risikobewertung. Die Plattform ist SOC 2 Type II zertifiziert und liefert Ergebnisse mit Quellenangaben. Clifford Chance wiederum stellte am 21. Juli die Knowledge Bank vor – entwickelt mit Microsoft und Epiq. Das System verwaltet über 400.000 Rechtsdokumente und nutzt Azure AI Studio für berechtigungsbasierte natürlichsprachliche Suchen.

