Netflix kauft KI-Startup von Ben Affleck

Nach dem Rückzug vom Milliarden-Deal mit Warner setzt Netflix auf KI für die Postproduktion. Das Unternehmen übernimmt Ben Afflecks Startup InterPositive, um Filmteams zu unterstützen.

Der Streaming-Riese setzt nach gescheiterter Warner-Übernahme auf KI-Werkzeuge für die Postproduktion. Nur Tage nach dem Aus für einen Mega-Fusion plant Netflix einen strategischen Technologieschritt. Das Unternehmen hat das KI-Startup InterPositive des Oscar-Preisträgers Ben Affleck übernommen.

Strategischer Schwenk nach Warner-Pleite

Der Deal fällt in eine turbulente Phase für Netflix. Erst vor einer Woche zog sich der Konzern aus der milliardenschweren Schlacht um Warner Bros. Discovery zurück. Die geplante Übernahme für 83 Milliarden Dollar scheiterte an einem höheren Gebot von Paramount. Die Absage kostete Netflix eine Vertragsstrafe von rund 2,8 Milliarden Euro.

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Statt nun weiter auf den Kauf klassischer Studios zu setzen, verfolgt Netflix einen anderen Kurs. Das Unternehmen investiert gezielt in Technologien, die die eigene Produktion effizienter machen sollen. „Die Verbesserung der Inhaltsqualität ist langfristig wertvoller als bloße Kostensenkung“, hatte Co-CEO Ted Sarandos bereits früher betont. Mit InterPositive will Netflix genau das erreichen.

KI als Werkzeug, nicht als Ersatz

Das Startup von Ben Affleck verfolgt einen besonderen Ansatz. Anders als generative KI, die aus Textbefehlen komplett neue Videos erstellt, arbeitet InterPositive mit dem vorhandenen Filmmaterial. Die Software wird mit den Rohaufnahmen eines konkreten Projekts trainiert. Sie lernt den visuellen Stil, das Licht und den Ton.

Anschließend unterstützt sie die Teams in der Postproduktion bei aufwendigen Aufgaben. Die KI kann etwa Stunt-Drähte entfernen, Kontinuitätsfehler korrigieren, Kameraeinstellungen anpassen oder Hintergründe optimieren. Der kreative Entscheider bleibt der Mensch – der Regisseur oder Kameramann. Die Technologie soll ihn entlasten, nicht ersetzen.

„Unser Ziel ist es, Geschichtenerzählern Werkzeuge an die Hand zu geben“, sagte Elizabeth Stone, Technologiechefin von Netflix. Der Streamer wird die Tools exklusiv für eigene Produktionen und Partner anbieten. Konkurrenten haben keinen Zugang.

Affleck wird Senior Advisor

Mit dem Kauf übernimmt Netflix das gesamte 16-köpfige Team von InterPositive. Ben Affleck übernimmt eine formelle Rolle als Senior Advisor. Er soll die Integration der Technologie in zukünftige Film- und Serienprojekte begleiten.

Affleck genießt in Hollywood Glaubwürdigkeit. Der Star hat sich in der Vergangenheit skeptisch geäußert, ob KI menschliche Kreativität ersetzen kann. Seine Beteiligung könnte helfen, Bedenken in der Branche zu zerstreuen. Diese sind groß: Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz ist ein zentraler Streitpunkt in den anstehenden Vertragsverhandlungen mit großen Gewerkschaften wie SAG-AFTRA.

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Potenzial für die gesamte Branche

Die Postproduktion schlägt mit geschätzt 20 bis 25 Prozent der Gesamtkosten eines Films zu Buche. Schon geringe Einsparungen in diesem Bereich könnten enorme finanzielle Auswirkungen haben. Sollte sich der Ansatz von InterPositive bewähren, könnte er einen neuen Standard setzen.

Der Deal erhöht den Druck auf die Konkurrenz. Studios wie das frisch fusionierte Paramount-Warner-Konglomerat dürften ihre Investitionen in eigene Technologien nun beschleunigen. Die Zukunft der Filmproduktion wird zunehmend von der Symbiose aus traditionellem Handwerk und computergestützten Werkzeugen geprägt sein. Netflix setzt mit diesem Schritt ein klares Zeichen, in welcher Richtung es diese Reise gehen soll.