Rund 5.000 Mitarbeiter der Landesverwaltung arbeiten bereits mit der Open-Source-Plattform. Bis zu 50.000 Arbeitsplätze sollen folgen.
Schrittweise Ablösung proprietärer Software
Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern hat Anfang Juli 2026 mit der Umstellung von Microsoft SharePoint auf die quelloffene Plattform Nextcloud begonnen. Digitalisierungsminister Dr. Heiko Geue bezeichnet den Wechsel als „zentralen Baustein für mehr digitale Souveränität“. Der landeseigene CIO Marco Anschütz bestätigte, dass die erste Umstellung für mehrere tausend Beschäftigte reibungslos und ohne Datenverlust verlief.
Die eingesetzte Lösung basiert auf Nextcloud (GNU AGPLv3) und versteht sich als „Made in EU“-Alternative zu proprietären Anbietern. Grundlage ist eine Kooperationsvereinbarung, die Mecklenburg-Vorpommern bereits im November 2025 mit Schleswig-Holstein geschlossen hatte.
Neue rechtliche Grundlagen für Open-Source-Beschaffung
Die Umstellung fällt mit dem Inkrafttreten des Vergabebeschleunigungsgesetzes am 1. Juli 2026 zusammen. Das Gesetz erlaubt öffentlichen Auftraggebern, Kriterien der digitalen Souveränität bei Softwareausschreibungen stärker zu gewichten.
Parallel dazu haben die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages die Rechtslage präzisiert. In einem aktuellen Gutachten stellen sie fest: Die Beschränkung auf Open-Source-Lösungen ist rechtlich zulässig, wenn sie durch objektive Gründe wie IT-Sicherheit, Interoperabilität oder die Vermeidung von Vendor-Lock-in gerechtfertigt ist. Dies folgt einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom Januar 2025 (C-578/23), wonach öffentliche Stellen selbstverschuldete Abhängigkeiten vermeiden müssen.
Mecklenburg-Vorpommern hat den Wechsel von SharePoint zu Nextcloud erfolgreich gestartet – 5.000 Mitarbeiter arbeiten bereits mit der Open-Source-Plattform. Für IT-Entscheider in der öffentlichen Verwaltung wird der Druck größer, selbst digitale Souveränität zu beweisen. Dieser kostenlose Leitfaden liefert die konkrete Checkliste, den Migrationsfahrplan und die rechtlichen Grundlagen nach dem Vergabebeschleunigungsgesetz. Jetzt Praxisleitfaden anfordern
Europäisches Ökosystem wächst
Der Trend zu offenen Lösungen wird durch ein wachsendes europäisches Produkt-Ökosystem gestützt. Auf dem Nextcloud Summit 2026 in München wurde der „Nextcloud Hub 26 Spring“ vorgestellt. Kernstück ist die Euro-Office-Suite, entwickelt mit IONOS auf Basis von Onlyoffice. Sie startete am 9. Juni 2026 als europäische Alternative zu Microsoft 365.
Erst am 3. Juli 2026 erschien zudem Collabora Office 26.04 – mit integriertem KI-Assistenten für Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationen. Die Datenverarbeitung bleibt dabei auf dem lokalen Rechner, nicht in der Cloud.
Cloud-Ausfälle als Risiko für die Wirtschaft
46 Prozent der deutschen Unternehmen stünden bei einem Cloud-Ausfall sofort vor einem Betriebsstillstand – das belegt eine aktuelle Bitkom-Studie. Wer auf US-Cloud-Dienste setzt, riskiert Ausfallzeiten und rechtliche Unsicherheit. Der Leitfaden zeigt, wie Sie mit Nextcloud und dem Sovereign Disaster Recovery Pack Ihre IT-Infrastruktur krisenfest machen. Notfall-Wiederherstellungsstrategie jetzt sichern
Die Abkehr von US-dominierten Cloud-Diensten wird auch durch konkrete Sicherheitsbedenken getrieben. Eine Bitkom-Studie vom 3. Juli 2026 zeigt: 46 Prozent der deutschen Unternehmen stünden bei einem Cloud-Ausfall sofort vor einem Betriebsstillstand. Im Durchschnitt überbrücken die Firmen nur 78 Stunden Ausfallzeit. 28 Prozent der Unternehmen hatten im vergangenen Jahr bereits einen schwerwiegenden Cloud-Zusammenbruch erlebt.
Als Antwort darauf präsentierte ein Konsortium aus Cubbit, SUSE, Elemento Cloud und StorPool auf dem European Data Summit in Berlin das Sovereign Disaster Recovery Pack. Es soll europäischen Organisationen ein Notfall-Wiederherstellungssystem bieten, das unabhängig von ausländischen Cloud-Anbietern funktioniert.

