NFC-Angriffe: Blockierte Fälle steigen um 188 Prozent

Kaspersky meldet drastischen Anstieg von NFC-Angriffen auf Android. Auch manipulierte Parkautomaten in Köln entdeckt.

Sicherheitsforscher und Polizeibehörden schlagen Alarm: Cyberkriminelle haben eine neue Welle von Angriffen auf kontaktlose Bezahlvorgänge gestartet. In mehreren Städten wurden bereits manipulierte Parkautomaten entdeckt, während IT-Sicherheitsunternehmen einen sprunghaften Anstieg von Attacken auf NFC-Schnittstellen bei Mobilgeräten verzeichnen.

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Explosionsartiger Anstieg bei NFC-Angriffen

Die Bequemlichkeit des kontaktlosen Bezahlens via Near Field Communication (NFC) wird zunehmend zum Einfallstor für Betrüger. Aktuelle Daten von Kaspersky belegen eine dramatische Verschärfung der Bedrohungslage. In den ersten vier Monaten des Jahres stieg die Zahl der blockierten NFC-Angriffe auf Android-Smartphones um 188 Prozent – auf rund 35.600 Fälle.

Manipulierte Parkautomaten in Köln

Neben digitalen Angriffen rückt auch die physische Manipulation von Bezahlterminals wieder in den Fokus. Die Polizei Köln warnte diese Woche vor einer neuen Betrugsmasche am Hauptbahnhof. Dort stellten Beamte ein manipuliertes NFC-Kartenlesegerät an einem Parkautomaten sicher.

Ein 44-jähriger Nutzer hatte nach einem kontaktlosen Bezahlversuch eine verdächtige Abbuchung auf seinem Konto bemerkt. Die Täter brachten ein zusätzliches Lesegerät direkt über dem originalen Bezahlfeld an. Bisher haben sich drei Geschädigte gemeldet. Die Ermittler schließen nicht aus, dass weitere manipulierte Geräte im Umlauf sind.

Experten raten: Prüft Bezahlterminals vor Gebrauch auf optische Veränderungen. Oder nutzt alternativ offizielle Bezahl-Apps oder Bargeld.

„Reverse NFC“ – die neue Masche auf dem Smartphone

Parallel zu den physischen Manipulationen entwickeln Angreifer immer raffiniertere Methoden. Laut Sicherheitsberichten gewinnt das sogenannte „Reverse NFC“ an Bedeutung. Bei dieser Social-Engineering-Technik werden Opfer dazu verleitet, eine bösartige App als primäre Zahlungsmethode einzurichten.

Unter dem Vorwand, Geld auf ein vermeintlich sicheres Konto einzuzahlen, wird die Transaktion an einem Geldautomaten ausgelöst – landet aber direkt bei den Betrügern. Betroffen sind derzeit vor allem Nutzer in Osteuropa. Experten rechnen jedoch mit einer globalen Ausbreitung.

Branchenanalysten sehen einen Trend zu immer komplexeren Betrugsmustern, die zunehmend durch künstliche Intelligenz unterstützt werden. Ein aktueller Bericht von KnowBe4 schätzt, dass bereits 86 Prozent aller Phishing-Angriffe KI-gestützte Elemente enthalten.

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Der Mensch bleibt die größte Schwachstelle

Trotz fortschrittlicher Verschlüsselungstechniken bleibt das menschliche Verhalten das größte Sicherheitsrisiko. Der „Cyber Roundup 2026 Claims Report“ von Cowbell zeigt: Die Zahl der Cyber-Schadensmeldungen stieg in den vergangenen 18 Monaten um 40 Prozent. Rund 74 Prozent aller Vorfälle lassen sich auf den „Faktor Mensch“ zurückführen.

Besonders Reisende sind derzeit erhöhten Risiken ausgesetzt. Seit Anfang Juni sind zudem Transaktionen mit Visa- und Mastercard-Kreditkarten in Kuba ausgesetzt. Fachleute empfehlen: Kontrolliert eure Kartenlimits, prüft die Auslandsgültigkeit eurer Zahlungsmittel und nutzt konsequent die Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA).

Ausblick: Schnelleres NFC und KI-Zahlungen

Während die Sicherheitsrisiken steigen, arbeitet die Industrie an der nächsten Technologie-Generation. Das NFC Forum kündigte mit „Release 15“ eine Erweiterung der Erfassungsreichweite auf bis zu zwei Zentimeter an. Das soll die Verbindungsrate vervierfachen.

Die neue Technologie wird voraussichtlich in kommenden Smartphone-Generationen Anfang nächsten Jahres zum Einsatz kommen. Gleichzeitig planen Finanzdienstleister wie Mastercard automatisierte Zahlungsdienste für KI-Systeme – um der steigenden Komplexität im digitalen Zahlungsverkehr zu begegnen.