NHS setzt Copilot ein: 505.000 Ärzte sparen 43 Minuten täglich

Microsoft erweitert Office um Drittanbieter-KI und autonome Assistenten. Der britische NHS führt Copilot für über 500.000 Mitarbeiter ein.

Microsoft rüstet seine Produktivitätsplattform mit neuen KI-Funktionen auf – und setzt dabei erstmals auch auf Konkurrenz-Modelle.

Der Softwarekonzern hat im Rahmen der Build 2026-Konferenz und den darauffolgenden Unternehmenseinführungen Anfang Juni das KI-Angebot in Microsoft 365 deutlich erweitert. Neben der Integration von Drittanbieter-Modellen in Kernanwendungen wie Excel stellt der Konzern eine neue Generation autonomer Assistenten vor, die komplexe Arbeitsabläufe selbstständig bewältigen sollen.

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Claude von Anthropic hält Einzug in Excel

Ein strategischer Paukenschlag: Microsoft integriert das KI-Modell Claude des Wettbewerbers Anthropic in den neuen „Excel Agent Mode“. Rund 750 Millionen Excel-Nutzer können damit künftig Formeln generieren, Daten bereinigen und komplexe Workflows automatisieren – abgerechnet wird auf Token-Basis.

Der Schritt ist bemerkenswert: Bisher setzte Microsofts Copilot vor allem auf die Technologie von OpenAI. Mit dem neuen „Copilot Researcher“ kommen nun sowohl GPT- als auch Claude-Modelle zum Einsatz. Claude 4 Sonnet bietet ein Kontextfenster von 200.000 Tokens, Enterprise-Versionen kommen sogar auf eine Million. Hintergrund sind Milliarden-Investitionen: Microsoft soll bis zu 150 Milliarden Euro in Anthropic gesteckt haben, während Anthropic im Gegenzug 30 Milliarden Euro für Azure-Cloudleistungen zugesagt hat.

Autonome „Autopiloten“ für den Arbeitsalltag

Mit den sogenannten Autopiloten führt Microsoft eine völlig neue Kategorie von KI-Agenten für Microsoft 365 ein. Der erste Vertreter namens „Scout“ wurde Anfang Juni vorgestellt. Anders als herkömmliche Chat-Assistenten arbeitet Scout eigenständig – und zwar plattformübergreifend in Teams, Outlook, OneDrive und SharePoint.

Scout beobachtet im Hintergrund die Aktivitäten der Nutzer, identifiziert Aufgaben und erledigt sie selbstständig: Besprechungsvorbereitung, Terminkoordination oder Aufgabenmanagement. Die Technologie basiert auf dem OpenClaw-Framework und läuft unter den Unternehmenssicherheitsprotokollen von Entra ID und Purview. Aktuell ist Scout als experimentelle Version für „Frontier“-Organisationen verfügbar und wird intern bei Microsoft getestet.

NHS setzt auf KI – 505.000 Mitarbeiter bekommen Copilot

Ein Meilenstein für die praktische Anwendung: Der britische Gesundheitsdienst NHS hat heute die Einführung von Microsoft 365 Copilot für 505.000 Ärzte, Pflegekräfte und Verwaltungsmitarbeiter angekündigt. Es ist die bislang größte Implementierung der Technologie im Gesundheitswesen.

Der Entscheidung ging ein Pilotversuch mit 30.000 Beschäftigten voraus. Ergebnis: durchschnittlich 43 Minuten Zeitersparnis pro Tag und Person bei Verwaltungsaufgaben. Der NHS will die KI unter anderem für die Entlassungsplanung, Schichtplanung und Datenanalyse nutzen. 200.000 Nutzer sollen bereits in den ersten sechs Monaten aktiv sein, der vollständige Rollout ist bis Oktober 2026 geplant.

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Lloyds Banking Group als Vorreiter im Finanzsektor

Auch die britische Lloyds Banking Group gab heute bekannt, als erste Bank des Landes die Microsoft 365 E7 „AI Frontier Suite“ einzuführen. Das Institut baut damit auf seinen bestehenden 40.000 Copilot-Lizenzen auf und will sowohl mitarbeiterorientierte Assistenten als auch kundenorientierte KI-Agenten einsetzen.

Microsoft baut eigene Modelle – und spart Kosten

Trotz der Integration externer Modelle treibt Microsoft die Entwicklung eigener KI-Technologien voran – vor allem, um Kosten zu senken und unabhängiger von Partnern zu werden. Mit MAI-Thinking-1 hat der Konzern ein internes Modell vorgestellt, das in Blindtests angeblich besser abschneidet als Claude Sonnet 4.6.

Bereits Anfang Juni wurde das spezialisierte Codier-Modell MAI-Code-1-Flash in GitHub Copilot integriert. Mit fünf Milliarden Parametern zeigt es in Benchmarks verbesserte Leistungen im Vergleich zu anderen leichten Modellen.

Drittanbieter erweitern das Ökosystem

Das Ökosystem rund um Microsoft Office wächst durch spezialisierte KI-Tools von Drittanbietern. Legitt AI hat heute Legitt Draft 4.0 vorgestellt – ein Add-in für Microsoft Word zur KI-gestützten Vertragsverwaltung. Mehr als 8.000 Kunden nutzen das Tool bereits, das Vertragserstellung, -prüfung und -bearbeitung direkt in Word ermöglicht.

Zudem haben KPMG und Anthropic eine globale Allianz geschlossen. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft will ihren 276.000 Mitarbeitern Zugang zu Claude über das „KPMG Digital Gateway“ verschaffen – ein weiterer Beleg dafür, wie unterschiedliche KI-Modelle zunehmend in professionelle Arbeitsabläufe eingebettet werden.