Nierenscreening in Deutschland: uACR-Tests erreichen weniger als 1 Prozent

Die Initiative fördert uACR-Tests bei Risikogruppen und wird in Griechenland mit medizinischen Fachgesellschaften und Patientenverbänden umgesetzt.

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Das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim weitet seine weltweite Aufklärungskampagne zur Früherkennung von Herz- und Nierenerkrankungen aus. Die Initiative mit dem Titel „Detect the SOS“ zielt darauf ab, bestehende Diagnoselücken bei Risikopatienten mit Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes zu schließen.

Im Mittelpunkt steht die Bestimmung des Urin-Albumin-Kreatinin-Quotienten (uACR), um chronische Nierenerkrankungen sowie versteckte kardiovaskuläre Gefahren frühzeitig zu identifizieren. Der Start der erweiterten Kampagne erfolgt anlässlich des Weltherztags am 29. September sowie der europäischen Screening-Woche, die am 28. September begann.

Diagnoselücke bei Hochrisikogruppen

Obwohl Leitlinien die regelmäßige Untersuchung empfehlen, wird der Urintest bei gefährdeten Patientengruppen weltweit zu selten eingesetzt. Nach Angaben von Boehringer Ingelheim liegt die uACR-Nutzung bei Risikogruppen für chronische Nierenerkrankungen bei deutlich unter 50 Prozent.

In den USA erhalten laut einer Untersuchung von Alfego et al. in der Fachzeitschrift Diabetes Care aus dem Jahr 2021 lediglich 21 Prozent der Betroffenen mit Hypertonie und Typ-2-Diabetes einen entsprechenden uACR-Test.

In Deutschland fällt die Quote noch geringer aus: Laut einer Veröffentlichung von Kostev et al. im Fachjournal Medicina aus dem Jahr 2025, die Daten von rund einer Million Teilnehmern auswertete, liegt die Testrate hierzulande bei unter einem Prozent. Auch in Asien zeigen sich Hürden beim flächendeckenden Screening.

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In Japan wird die Untersuchung via uACR bislang nur bei Diabetes beziehungsweise diabetischer Früh-Nephropathie sowie bei Verdacht auf Mikroalbuminurie erstattet, wobei die Abrechnung je nach Regelung auf maximal einmal in drei Monaten oder dreimal pro Quartal begrenzt ist.

Erhöhte Mortalität bei unerkannter Albuminurie

Die medizinische Relevanz einer frühzeitigen Entdeckung belegen Daten des CKD Prognosis Consortiums, die 2023 im Fachblatt JAMA publiziert wurden. Demnach geht ein uACR-Wert von 30 mg/g oder höher mit einem um 90 Prozent erhöhten Risiko für eine Herzinsuffizienz einher. Das Risiko für einen kardiovaskulären Tod steigt bei diesem Schwellenwert um 70 Prozent, während die Gefahr für Herzinfarkte und Schlaganfälle um 60 Prozent zunimmt.

Bei der Umsetzung der Initiative kooperiert Boehringer Ingelheim mit internationalen Patientenorganisationen, darunter die World Heart Federation, Mended Hearts Europe und die European Kidney Patients‘ Federation.

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Rollout und Umsetzung in europäischen Ländern

Auf Länderebene wird das Programm mit lokalen Partnern umgesetzt. So stellte Boehringer Ingelheim Ελλάς in Griechenland die nationale Kampagne unter dem Titel „Αναγνώρισε το SOS“ vor. Die Maßnahme, die am 29. September 2026 zum Weltherztag startete, konzentriert sich auf die Albuminurie als Biomarker für kardiovaskuläre Folgeschäden.

Unterstützt wird die griechische Initiative von sieben medizinischen Fachgesellschaften aus den Bereichen Kardiologie, Nephrologie, Diabetologie, Hypertonie, Innere Medizin, primärärztliche Diabetesversorgung und Atherosklerose sowie von vier Patientenverbänden.

Das Programm umfasst TV- und Radio-Spots, Außenwerbung, digitale Informationsangebote und Aktionen in Apotheken. Hintergrund der intensivierten Bemühungen sind unter anderem die im August 2026 aktualisierten Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC), die eine systematische Nierenfunktions- und Albuminurie-Diagnostik bei Herz-Kreislauf-Patienten hervorheben.