Eine dramatische Ransomware-Welle mit 30 öffentlich gemeldeten Opfern binnen 24 Stunden zeigt die anhaltende Verwundbarkeit von Unternehmen weltweit. Der jüngste Ausbruch unterstreicht, dass viele Standard-Schutzkonzepte gegen die immer aggressiveren Cyber-Erpresser nicht mehr ausreichen.
Besonders eine Gruppe namens NightSpire war für 86 Prozent der neuen Angriffe verantwortlich, die am 15. Februar 2026 erfasst wurden. Sie traf vor allem den Professionellen Dienstleistungssektor und die Industrie, mit Schwerpunkten in den USA und Indien. Diese konzentrierte Attacke demonstriert, wie schnell Ransomware-Akteure heute flächendeckenden Schaden anrichten können – oft schneller, als die betroffenen Unternehmen reagieren können.
Angriffsmuster: Präzise und automatisiert
Die Geschwindigkeit der jüngsten Angriffsserie ist bemerkenswert. Dass NightSpire 26 Organisationen an einem einzigen Tag kompromittieren konnte, deutet auf eine hochgradig effiziente und wahrscheinlich automatisierte Methode hin. Laut dem täglichen Ransomware-Report von Purple Ops zielen die Täter strategisch auf Branchen, die für Lieferketten und Geschäftsabläufe entscheidend sind.
Dieses Muster passt zu einem breiteren Trend aus dem Frühjahr 2026: Cyberkriminelle fokussieren sich zunehmend auf kritische Infrastrukturen und deren Zulieferer. Ein Bericht des Food and Agriculture Information Sharing and Analysis Center (Food and Ag-ISAC) vom 12. Februar verzeichnete bereits für 2025 einen signifikanten Anstieg auf 265 gezielte Vorfälle in der Agrar- und Ernährungswirtschaft.
Regulierer schlagen Alarm – doch die Lücken bleiben
Die eskalierende Bedrohung ruft auch die Behörden auf den Plan. Das Public Safety and Homeland Security Bureau der US-FCC drängte Kommunikationsanbieter am 16. Februar eindringlich dazu, ihre Abwehr gegen Ransomware zu verstärken. Die Behörde verweist auf einen deutlichen Anstieg von Vorfällen, die bei kleinen und mittleren Anbietern zu Dienstunterbrechungen und dem Diebstahl sensibler Daten geführt haben.
Die FCC-Empfehlungen lesen sich wie ein Grundkurs in IT-Sicherheit: Regelmäßige System-Updates, Multi-Faktor-Authentifizierung und die Segmentierung von Netzwerken, um die seitliche Ausbreitung von Angriffen zu verhindern. Dass diese Basics erneut betont werden müssen, zeigt die klaffende Lücke zwischen empfohlenen Sicherheitsstandards und der Realität in vielen Unternehmen.
Ransomware-Angriffe wie die von NightSpire machen deutlich, dass Unternehmen ihre Abwehr auf den neuesten Stand bringen müssen. Das kostenlose E‑Book „Cyber Security Awareness Trends“ fasst aktuelle Bedrohungen zusammen und liefert praxisnahe Maßnahmen – von Patch‑Management und Multi‑Factor‑Authentifizierung bis zu Phishing‑Prävention und Lieferketten‑Sicherheit. Jetzt kostenloses Cyber‑Security‑E‑Book herunterladen
Neue Erpressermethoden, alte Schwachstellen
Die aktuelle Angriffswelle nutzt Taktiken, die viele Verteidigungspläne noch nicht ausreichend berücksichtigen. Sicherheitsanalysten beobachten einen klaren Wandel: Angreifer setzen vermehrt auf Double-Extortion. Dabei werden nicht nur Daten verschlüsselt, sondern auch gestohlen und mit einer Veröffentlichung gedroht. Diese Methode macht reine Backup-Strategien wertlos und erhöht den Druck auf die Opfer.
Hinzu kommt, dass Ransomware-Gruppen zunehmend ungepatchte Software-Schwachstellen als Einstiegspunkt nutzen. Ein aktuelles Beispiel ist die kritische Lücke in SmarterMail-Servern, die US-Behörden bis Ende Februar 2026 schließen müssen. Die anhaltende Ausnutzung bekannter, aber nicht behobener Sicherheitslücken offenbart ein fundamentales Problem der Cyber-Hygiene und bietet Angreifern eine zuverlässige Eintrittskarte.
Fragmentierte Bedrohung, systemische Risiken
Die durch Gruppen wie NightSpire angeheizte Aktivität findet in einer sich wandelnden Cyber-Erpressungs-Ökonomie statt. Auch wenn der Anteil der zahlenden Opfer Ende 2025 leicht rückläufig war, bleiben Angriffe durch ihr Volumen und ihre Raffinesse hochprofitabel. Die starke Fokussierung auf die USA unterstreicht deren Rolle als Hauptziel finanziell motivierter Krimineller.
Die Tendenz zu kleineren, spezialisierten Ransomware-Gruppen erschwert die Strafverfolgung. Gleichzeitig zeigt der Fokus auf Lieferketten und kritische Sektoren wie Telekommunikation und Landwirtschaft das kalkulierte Bestreben, maximale systemische Störungen zu verursachen. Für Unternehmen bedeutet das: Ransomware-Schutz kann kein statischer Werkzeugkasten mehr sein, sondern muss ein kontinuierlicher Anpassungsprozess gegen einen dynamischen Gegner werden. Die letzten 72 Stunden haben gezeigt, mit welcher Geschwindigkeit und Wucht die nächste Welle zuschlagen kann.





