Mehrere Tech-Konzerne haben am Dienstag Plattformen vorgestellt, die Geschäftsanwendungen per Sprachbefehl oder Texteingabe erstellen – ganz ohne Programmierkenntnisse. Der Trend zur No-Code-Entwicklung erreicht damit eine neue Dimension.
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Prosus und Naspers bringen ToqanClaw für Millionen Händler
Der niederländische Internetkonzern Prosus und seine südafrikanische Mutter Naspers haben mit ToqanClaw eine KI-Plattform gelauncht, die speziell auf die Bedürfnisse von über fünf Millionen Händlern zugeschnitten ist. Das System nutzt mehr als 20 verschiedene KI-Modelle, um aus alltäglicher Sprache maßgeschneiderte Dashboards, Automatisierungen und Anwendungen zu generieren – die Daten bleiben dabei lokal kontrolliert.
Die Ergebnisse der Pilotphase sind beeindruckend: Die Restaurantgruppe Lebkov & Sons verkürzte ihre Finanzberichterstattung von mehreren Wochen auf 30 Minuten. Burger & Frites spart monatlich 21.000 Euro und reduzierte Überstunden um 60 Prozent. Poke Perfect verzeichnet einen Rückgang interner Anfragen um 70 Prozent.
Prosus-CEO Fabricio Bloisi berichtet, dass das Unternehmen intern bereits 60.000 KI-Agenten einsetzt und 10.000 Anwendungen mit der Technologie entwickelt hat. Das Tool wird in Zusammenarbeit mit Just Eat Takeaway.com angeboten. In Südafrika ist die Plattform für Unternehmen sogar kostenlos und ohne Nutzungslimits verfügbar. Parallel dazu launchte Prosus mit Zapia einen KI-Assistenten für Endverbraucher.
Jotform und Appy Pie: Apps in einer Minute
Der US-amerikanische Formulardienst Jotform präsentierte ebenfalls am Dienstag seinen KI-App-Builder. Das Tool erstellt innerhalb von etwa einer Minute unternehmensreife Anwendungen – und das nicht nur per Texteingabe, sondern auch per Sprachbefehl, Datei-Upload, URL oder Screenshot. Berkay Aydin, VP of AI Products bei Jotform, betont, die Plattform solle den Weg von der Idee zur Umsetzung drastisch verkürzen. Der Builder ist nahtlos in das bestehende Jotform-Ökosystem integriert.
Appy Pie zog mit einem KI-Assistenten innerhalb seines App-Builders nach. Das kontextbewusste Tool erlaubt es der Nutzerbasis von über zehn Millionen Anwendern, Designelemente, Funktionen und Systemseiten per Chat zu verwalten. Layouts, Farbschemata und App-Icons lassen sich so auf spezifische Anfragen hin anpassen.
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Spezialisierte KI-Builder für Handel und Finanzen
Auch im Enterprise-Bereich tut sich etwas: commercetools launchte „commercetools for Builders“, eine Suite, die KI-Tools wie Claude Code und Cursor nutzt, um digitale Handelserlebnisse per natürlicher Sprache zu erschaffen. Der Builder ist sofort verfügbar, eine Commerce Integration Layer zur Vereinfachung von Drittanbieter-Verbindungen folgt später im Jahr.
Im Finanzsektor brachte Kanverse.ai seine Agentic AI Platform for Finance auf den Markt. Das System enthält ein KI-Agenten-Studio, mit dem Finanzteams spezialisierte KI-Agenten per Spracheingabe entwickeln und einsetzen können. CEO Karan Yaramada sieht darin den Wandel von experimentellen KI-Projekten hin zu praktischen Geschäftsanwendungen.
Integrationen und Ausblick auf Microsoft
Bereits am Montag kündigte der Anbieter von Produktmanagement-Software Aha! eine Integration zwischen Aha! Roadmaps und Aha! Builder an. Nutzer können nun Produktprototypen direkt an den Builder senden, um KI-codierte Anwendungen zu erstellen.
Microsoft bereitet sich auf die breite Verfügbarkeit ähnlicher Werkzeuge vor. Am 11. Juni stellte das Unternehmen SharePoint Copilot Apps vor, die interaktive Benutzeroberflächen in die Copilot-Umgebung integrieren. Eine Vorschauversion startet Anfang Juli, die allgemeine Verfügbarkeit ist für den Herbst 2026 geplant.
Branchenanalysten, die die aktuelle Landschaft der KI-App-Builder Ende Juni 2026 bewerteten, identifizierten mehrere Plattformen für spezifische Anforderungen: Softr für Kundenportale, Zapier für automatisierte Integrationen und Bubble für eigenständige Webanwendungen. Entscheidende Kriterien bei der Auswahl bleiben Datensouveränität, einfache Datenanbindung und langfristige Skalierbarkeit.

