Noam Shazeer: Googles Gemini-Chef wechselt zu OpenAI

Gemini-Co-Lead Noam Shazeer kehrt Google nach Milliarden-Rückholaktion den Rücken und verstärkt den Rivalen OpenAI.

Der KI-Forscher Noam Shazeer kehrt Google den Rücken. Der Gemini-Co-Lead geht zum Erzrivalen OpenAI.

Es ist ein Paukenschlag in der KI-Branche: Noam Shazeer, Vice President of Engineering bei Google und einer der führenden Köpfe hinter den Gemini-Modellen, wechselt zu OpenAI. Der Schritt, der am heutigen Donnerstag bekannt wurde, entzieht Google einen seiner prominentesten Forscher – und stärkt den direkten Konkurrenten.

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Shazeer gilt als einer der Väter der modernen KI. Als Co-Autor der bahnbrechenden Transformer-Studie von 2017 legte er das Fundament für die Architektur, die heute fast allen großen Sprachmodellen zugrunde liegt – von Googles Gemini bis hin zu OpenAIs ChatGPT. Dass ein Forscher seines Kalibers das Unternehmen verlässt, wiegt schwer.

Ein milliardenschwerer Rückholversuch

Der Abgang ist besonders brisant, weil Google erst vor knapp zwei Jahren tief in die Tasche griff, um Shazeer zurückzuholen. Nachdem er das Unternehmen 2021 verlassen hatte, um das KI-Start-up Character.AI zu gründen, zahlte Google im August 2024 Berichten zufolge rund 2,7 Milliarden Euro, um Shazeer und sein Team zurückzugewinnen. Zurück bei Google wurde er zum Co-Lead für Gemini ernannt.

Doch die Bindung hielt nicht lange. Nun zieht es ihn zu OpenAI – dorthin, wo die Konkurrenz nicht nur technologisch, sondern auch finanziell neue Maßstäbe setzt.

OpenAI auf Expansionskurs

Shazeer kommt zu OpenAI in einer Phase des Wandels. Der Marktanteil von ChatGPT sinkt: Laut Daten von Sensor Tower fiel der Anteil an der sogenannten „echten Nutzerschaft“ im Mai 2026 auf 46,4 Prozent – ein historischer Tiefstand. Google Gemini hält 27,7 Prozent, Anthropics Claude liegt bei 10,3 Prozent.

Dennoch bleibt OpenAI ein Schwergewicht: Mit 1,1 Milliarden monatlichen Nutzern und einem geplanten Börsengang, der eine Bewertung von einer Billion Euro anpeilt, zeigt das Unternehmen ungebrochene Ambitionen. Die Kehrseite: Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung erreichten im vergangenen Jahr 19 Milliarden Euro, der Gesamtverlust lag bei 34 Milliarden Euro – bei lediglich 13 Milliarden Euro Umsatz. Ein teures Rennen, das sich nur mit durchschlagenden Erfolgen rechnet.

Technologisch liefert OpenAI weiter ab. Erst kürzlich gelang dem Unternehmen ein Coup: Ein KI-Modell fand eigenständig ein Gegenbeispiel zur Planar Unit Distance Conjecture – einem mathematischen Problem, das Paul Erdős bereits 1946 formulierte.

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Regulierung und geopolitische Spannungen

Der Personalwechsel fällt in eine Zeit wachsender Regulierung. Erst gestern trafen sich die CEOs von OpenAI, Anthropic und Google DeepMind beim G7-Gipfel in Évian, um über Cybersicherheit und technologische Souveränität zu diskutieren. Die Politik rückt näher – und die Unternehmen müssen sich positionieren.

Parallel dazu steht Google selbst unter Druck: Die britische Wettbewerbsbehörde CMA verlangte gestern mehr Transparenz bei den Suchergebnissen und eine bessere Datenportabilität. Google hat nun sechs Monate Zeit, neue Ranking-Regeln umzusetzen, und drei Monate für die Datenportabilität.

Für Google ist der Abgang Shazeers ein schwerer Schlag. Für OpenAI ein Signal: Das Unternehmen kann die Besten der Branche anziehen – trotz roter Zahlen und schrumpfender Marktanteile. Die Frage ist nur: Reicht das, um langfristig die Nase vorn zu behalten?