Der südkoreanische Softwareanbieter Hancom richtet seine Geschäftsstrategie grundlegend neu aus. Wie aus aktuellen Medienberichten hervorgeht, forciert das Unternehmen unter Führung von CEO Kim Yeon-su eine US-Offensive mit der neuen KI-Workforce-Plattform Nomadian. Damit vollzieht der Konzern einen strategischen Schwenk weg von traditioneller Dokumentensoftware hin zu modularen Produktivitätslösungen auf Basis künstlicher Intelligenz.
Virtuelle Belegschaft und modulare Softwarearchitektur
Die Plattform Nomadian ist darauf ausgelegt, Aufgaben in Unternehmen durch automatisierte digitale Mitarbeiter zu unterstützen. Das System umfasst zwölf jobspezifische KI-Agenten, die unter anderem in den Arbeitsbereichen Vertrieb, Marketing, Kundensupport, Vertragswesen und Personalbeschaffung eingesetzt werden können. Die Steuerung und Zuweisung der anfallenden Aufgaben übernimmt eine koordinierende Einheit namens Ara in der Funktion einer Teamleitung.
Technisch visualisiert die Plattform die Arbeitsabläufe über ein virtuelles 3D-Büro und unterteilt die Entwicklung der digitalen Mitarbeiter in sechs Evolutionsstufen.
Ab der dritten Stufe sind die Agenten in der Lage, Aufgaben nicht nur auf Anweisung auszuführen, sondern eigenständig proaktiv tätig zu werden. Das technologische Fundament stützt sich auf Hancoms 36-jährige Historie im Bereich der Dokumententechnologie sowie einen sogenannten DSA-Dokumentengenerator.
Zur Absicherung der Technologie hält Hancom vier südkoreanische Inlandspatente für das Statusmanagement der Agenten und die Visualisierung von Übergabeprozessen. Ergänzend liegen zwei PCT-Anmeldungen für Verfahren zur API-Auswahl vor.
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Fahrplan für den US-Marktstart und Integrationen
Die offizielle Enthüllung von Nomadian ist für den 17. November 2026 am Amazon-Standort in Seattle angesetzt. Im Anschluss soll am 15. Dezember 2026 eine geschlossene Testphase mit rund 500 ausgewählten Unternehmen in den Vereinigten Staaten anlaufen. Für Januar und Februar 2027 sind gemeinsam mit AWS weitere Beta-Kohorten vorgesehen, bevor im März 2027 die weltweite Kommerzialisierung einschließlich des Heimatmarkts Südkorea erfolgen soll.
Bis zum Marktstart im März 2027 plant Hancom 70 bis 100 Service-Integrationen, darunter Anbindungen an Google Workspace, Slack und Notion. Um den Markteintritt abzusichern, kooperiert das Unternehmen mit mehreren Partnern: Mit AWS absolvierte Hancom ein zehntägiges CoLab-Programm nach der Working-Backward-Methodik; zudem ist eine Listung im AWS Marketplace vorgesehen.
Das Marketing übernimmt die Agentur VisualFizz, während ClickIT den 24-Stunden-Betrieb sicherstellt und das texanische Unternehmen TaskUs den Kundenservice abdeckt. Ergänzend prüft das Management mögliche Joint Ventures sowie gezielte Unternehmensübernahmen in den USA.
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Zielgruppe und internationale Wachstumsziele
Nomadian richtet sich primär an kleine Betriebe und Solo-Selbstständige. Nach Erhebungen des US Census Bureau gibt es in den Vereinigten Staaten 31,99 Millionen Unternehmen ohne Angestellte.
Hancom adressiert davon jene rund 5,21 Millionen US-Einzelunternehmer und Kleinbetriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern, die bereits KI-Tools in ihre Arbeitsprozesse integrieren. Das reguläre Preismodell ist mit rund 40 US-Dollar pro Person und Monat angesetzt, wobei für frühe Nutzer im Jahr 2027 ein Preisnachlass von über 50 Prozent vorgesehen ist.
Mit der US-Expansion will Hancom seine internationale Abhängigkeit drastisch verschieben. Im ersten Halbjahr 2026 lag der Auslandsanteil am Einzelumsatz bei lediglich 0,3 Prozent. Bis 2028 soll dieser Wert auf 40 Prozent steigen, für 2030 werden 50 Prozent angepeilt.
Bis 2028 strebt das Unternehmen ein Erreichen von 500.000 zahlenden Kunden sowie einen Umsatz von 200 Milliarden Won an; diese Schätzung ordnete CEO Kim Yeon-su als konservativ ein. Einzelne Berichte nennen abweichend ein Zwischenziel von 250.000 zahlenden Kunden bis 2028 sowie eine Zielmarge von 25 Prozent bei einer Nutzerbasis von 500.000 Kunden.

