Eine aktuelle Erhebung der Deutschen Gesellschaft für Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) verdeutlicht die angespannte Lage in der klinischen Notfallversorgung.
Laut den am 22. September 2026 veröffentlichten Daten meldeten zahlreiche Einrichtungen eine Überlastung, die in mehreren Fällen die Patientensicherheit gefährdet habe. Die Ergebnisse untermauern den politischen Druck auf die geplante Notfallreform, deren Abstimmung im Bundestag kürzlich verschoben wurde.
An der Blitzumfrage, deren Stichtag der 2. Juni 2026 war, beteiligten sich 271 Notaufnahmen sämtlicher Versorgungsstufen aus allen 16 Bundesländern. Diese Einrichtungen decken zusammen jährlich rund 8,5 Millionen der insgesamt 21 bis 25 Millionen Notfallpatienten in Deutschland ab.
Systematische Überlastung und Gefährdung der Sicherheit
Die Auswertung der Daten zeigt, dass 45 % der befragten Notaufnahmen am Erhebungstag über einen Zeitraum von mindestens zwei Stunden überlastet waren. Dabei entfielen 31,4 % auf die Warnstufe Orange, während 8,1 % eine schwerwiegende Überlastung (Rot) vermeldeten. In 5,5 % der Fälle wurde eine kritische Überlastung (Schwarz) gemeldet, bei der eine individualmedizinische Versorgung nicht mehr vollumfänglich möglich war.
Insgesamt bewerteten 13,6 % der teilnehmenden Kliniken die Situation als so kritisch oder angespannt, dass die Patientensicherheit gefährdet sein konnte. DGINA-Präsident Martin Pin unterstrich in diesem Zusammenhang, dass die Sicherheit der Patienten in solchen Belastungssituationen faktisch bedroht sei. Rund die Hälfte der befragten Einrichtungen gab zudem an, dass sich die Lage in den vergangenen zwölf Monaten verschlechtert habe.
Personalmangel und strukturelle Blockaden
Als Hauptursachen für die prekäre Situation nannte die DGINA fehlende stationäre Bettenkapazitäten sowie personelle Engpässe. Rund zwei Drittel der Notaufnahmen berichteten von unbesetzten Stellen sowohl im ärztlichen Dienst als auch in der Pflege. Lediglich knapp ein Drittel der Befragten bewertete die aktuelle Personalausstattung als ausreichend.
Ein wesentlicher Faktor für den Patientenstau ist der sogenannte Exit-Block: 60,6 % der Kliniken meldeten dieses Phänomen, bei dem Patienten nach der Notfallbehandlung nicht auf eine reguläre Station weitergeleitet werden können.
45 % der Notaufnahmen meldeten am Stichtag Überlastung, 60,6 % einen Exit-Block — die DGINA-Daten setzen Klinikleitungen und Politik unter Zugzwang, während die Abstimmung über den Reform-Entwurf auf den späten Herbst verschoben ist. Wer jetzt vorbereitet ist, gestaltet die Umsetzung mit, statt sie zu erleiden. Der kostenlose Report bündelt Exit-Block-Management, Reform-Fahrplan und Personalhebel in einem Dokument. Jetzt kostenlosen Reform-Report anfordern
Der Gesundheitsökonom Matthias Brachmann von der Universität Witten/Herdecke wies darauf hin, dass ein Exit-Block ab einer Belegungsquote von 85 % schwierig und ab 90 % kaum noch vermeidbar sei. Zudem sei die Notfallversorgung für Kliniken wirtschaftlich defizitär; bei gesetzlich versicherten Patienten zahlten Notaufnahmen im Schnitt 94 Euro pro Fall drauf.
Politische Verzögerung und Lösungsansätze
Trotz der prekären Datenlage wurde die Abstimmung über den Entwurf zum „Gesetz zur Reform der Notfallversorgung“ im Bundestag vom kommenden Freitag auf den späten Herbst verschoben.
Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann betonte jedoch auf dem Krankenhausgipfel der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), dass die Reform noch in diesem Jahr verabschiedet werden solle. An die Reform sind zusätzliche Mittel in Höhe von 550 Millionen Euro für die Kliniken gekoppelt, deren Auszahlung laut Linnemann ab Anfang 2027 erfolgen könne.
Der Minister plane zudem ein Bürokratierückbaugesetz und eine neue Prüfquote für Krankenhausabrechnungen. DKG-Chef Gerald Gaß forderte in diesem Kontext mehr Deregulierung und Ergebnisorientierung. Die DGINA selbst drängt auf einen verbindlichen Leitstellenkontakt, bevor Patienten ein Krankenhaus oder ein Integriertes Notfallzentrum (INZ) aufsuchen.
Modernisierung in der Praxis
Während die Bundespolitik über die Rahmenbedingungen berät, setzen einzelne Standorte bereits auf strukturelle Veränderungen. Das Städtische Klinikum Karlsruhe (SKK) öffnete jüngst den zweiten Teilbereich einer modernisierten Notaufnahme.
Bei 5,5 % der Notaufnahmen war am Erhebungstag eine individualmedizinische Versorgung nicht mehr vollumfänglich möglich — 94 Euro Verlust pro Fall machen die Notfallversorgung zusätzlich defizitär. Wer Patientensicherheit und Wirtschaftlichkeit gleichzeitig absichern will, braucht belastbare Kennzahlen und ein Frühwarnsystem für kritische Belegungsquoten. Der Report liefert beides — bevor die nächste Eskalationsstufe erreicht ist. Reform-Report jetzt kostenlos sichern
Herzstück ist eine zentrale Anlaufstelle zur medizinischen Ersteinschätzung, die Patienten je nach Schweregrad in die Notaufnahme, eine Notfallpraxis oder ein Medizinisches Versorgungszentrum leitet. Bereits im Spätjahr 2025 waren dort erste Teile des Integrierten Notfallzentrums mit spezialisierten Behandlungsräumen in Betrieb gegangen.
Gleichzeitig bleibt der Druck aus der Praxis hoch. Die Klinikgruppe Asklepios fordert bereits seit 2022 eine Taskforce zur Umsetzung der Reform auf Bundesebene, um Zustände zu beenden, bei denen Patienten mangels Kapazitäten über 24 Stunden auf provisorischen Tragen ohne Privatsphäre versorgt werden müssten.

