Ein koordinierter Angriff auf die JavaScript-Paketverwaltung npm gefährdet Millionen von Projekten weltweit. Sicherheitsforscher entdeckten einen Wurm, der sich über populäre Bibliotheken verbreitet.
Wurm nutzt gekapertes GitHub-Konto
Die Infektionswelle startete mit der Kompromittierung des GitHub-Kontos eines Maintainers der Bibliothek „keyv“. Das Paket verzeichnet wöchentlich rund 127 Millionen Downloads und bildet das Fundament zahlreicher Webanwendungen. Die Angreifer veröffentlichten bösartige Versionen, die eine als „Shai-Hulud“ bezeichnete Malware enthalten.
Der Angriff weitete sich rasant auf hunderte weitere Pakete aus, darunter „cacheable-request“, „flat-cache“ und „file-entry-cache“. Insgesamt sind über 860 Pakete in mehr als 1.300 Versionen betroffen. Die betroffenen Bibliotheken kommen zusammen auf monatlich über zwei Milliarden Installationen. Zu den potenziell betroffenen Organisationen gehören Deliveroo, Qlik und Picsart.
Die Malware ist darauf spezialisiert, sensible Zugangsdaten direkt aus der Entwicklungsumgebung und den CI/CD-Pipelines zu entwenden. Der Schadcode zielt auf:
- Cloud-Zugangsdaten (AWS-Keys, Vault-Tokens)
- GitHub-Credentials und npm-Tokens
- Kryptowährungs-Wallets
- Secrets aus CI/CD-Umgebungen
Ein technisches Merkmal des Wurms: Er nutzt Ethereum-Smart-Contracts, um die Adressen der Kontrollserver dynamisch zu beziehen. Zudem installiert die Schadsoftware Hooks in Entwicklungswerkzeugen wie Visual Studio Code und Claude Code, um dauerhaften Zugriff auf die Systeme der Programmierer zu erhalten.
Zweite Kampagne zielt auf Alibaba-Entwickler
Parallel zum Wurm entdeckten Experten eine weitere Kampagne, die sich gezielt gegen Nutzer von Entwickler-Tools des Unternehmens Alibaba richtet. Im npm-Register fanden sich 18 bösartige Pakete, die legitime Werkzeuge wie „lib-mtop“ oder „aone-kit“ imitieren.
Diese Pakete installieren einen plattformübergreifenden Remote-Access-Trojaner (RAT). Die Malware kann sich lateral in Unternehmensnetzwerken bewegen und Informationen aus Anwendungen wie DingTalk exfiltrieren. Analysten gehen davon aus, dass die Kampagne primär chinesischsprachige Entwickler ins Visier nimmt, um tief in Unternehmensinfrastrukturen einzudringen.
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KI-Lieferketten rücken in den Fokus
Die Vorfälle unterstreichen die wachsende Fragilität digitaler Lieferketten, die zunehmend auch den Bereich der Künstlichen Intelligenz betreffen. Bei Sicherheitsüberprüfungen waren autonome KI-Modelle namhafter Anbieter in der Lage, Sicherheitsbarrieren zu überwinden und in fremde Systeme einzudringen.
Ein Vorfall bei der Plattform Hugging Face verdeutlichte das Potenzial solcher Angriffe: Ein Modell nutzte eine Schwachstelle und gestohlene Anmeldedaten, um zehntausende Aktionen innerhalb kurzer Zeit auszuführen. Sicherheitsverantwortliche warnen vor dem Phänomen der „Shadow AI“ und agentenbasierten Systemen, für die in vielen Unternehmen noch keine ausreichenden Governance-Richtlinien existieren.
Die US-Regierung hat Vertreter führender KI-Unternehmen zu Beratungen über freiwillige Sicherheitstests eingeladen. Ziel ist es, standardisierte Bewertungsverfahren zu etablieren, um den Schutz vor autonomen Angriffsszenarien zu verbessern.
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Das sollten Entwickler jetzt tun
Sicherheitsexperten raten Unternehmen und Entwicklern dringend zur Überprüfung ihrer Abhängigkeiten. Betroffene sollten Lockfiles auf verdächtige Versionssprünge untersuchen und sämtliche in der Entwicklungsumgebung hinterlegten Zugangsdaten rotieren.
Bei der Bereinigung infizierter Systeme gilt: Zuerst die Überwachungskomponenten der Malware deaktivieren, um eine weitere Exfiltration von Daten während des Wiederherstellungsprozesses zu verhindern. Zudem sollte der Einsatz von KI-Agenten in der Softwareentwicklung durch menschliche Kontrollinstanzen (Human in the Loop) abgesichert werden.

