NSA nutzt umstrittene KI von Anthropic trotz Pentagon-Bann

Der US-Geheimdienst setzt das offensive KI-System von Anthropic ein, obwohl das Verteidigungsministerium den Hersteller als Sicherheitsrisiko einstuft. Dies offenbart einen tiefen Konflikt innerhalb der Regierung.

Die NSA setzt bereits das hochgefährliche KI-System Mythos Preview ein – während das Verteidigungsministerium den Hersteller als Sicherheitsrisiko einstuft. Diese Enthüllung zeigt einen tiefen Riss in der US-Regierung. Auf der einen Seite steht die Notwendigkeit, mit modernster Technologie Cyberangriffe abzuwehren. Auf der anderen Seite ein prinzipieller Streit über die ethischen Grenzen von Künstlicher Intelligenz.

Berichten zufolge hat der Geheimdienst das streng kontrollierte Modell von Anthropic bereits in seine Abläufe integriert. Ziel ist es, die eigenen, riesigen digitalen Netze nach Schwachstellen zu durchsuchen. Diese Nutzung erfolgt nur Tage nach einem Krisengipfel im Weißen Haus. Dort suchte die Regierung nach einem Weg aus dem Konflikt mit dem KI-Entwickler aus San Francisco.

Mythos Preview: Eine Waffe zur Verteidigung

Anthropic stellte das Mythos Preview-Modell Anfang April vor. Das Unternehmen bezeichnete es als Durchbruch in der KI-Forschung. Doch im Gegensatz zu früheren Versionen seiner Claude-Modelle wurde Mythos nicht für die Öffentlichkeit freigegeben. Der Zugang blieb auf etwa 40 Organisationen beschränkt. Grund sind die beispiellosen Fähigkeiten des Systems im Bereich der offensiven Cybersicherheit.

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Technischen Berichten zufolge kann Mythos Software-Schwachstellen finden und ausnutzen – und das effizienter als die besten menschlichen Experten. In internen Tests identifizierte die KI Tausende bisher unbekannter Zero-Day-Lücken in allen großen Betriebssystemen und Webbrowsern. Über 99 Prozent dieser Fehler waren zum Zeitpunkt der Ankündigung noch nicht gepatcht.

Um die Risiken zu managen, gründete Anthropic das Konsortium Project Glasswing. Dazu gehören Tech-Giganten wie Amazon, Apple, Google und Microsoft, aber auch Finanzinstitute wie JPMorgan Chase. Die Initiative nutzt Mythos defensiv, um kritische Lücken zu schließen, bevor Gegner sie ausnutzen können. Die NSA nutzt das Modell offenbar genau für diesen Zweck: zur Verteidigung der eigenen Infrastruktur.

Pentagon gegen KI-Entwickler: Ein Prinzipienstreit

Dass die NSA Mythos nutzt, ist besonders brisant. Seit Februar befindet sich Anthropic nämlich auf einer schwarzen Liste des Pentagons. Verhandlungen über einen Vertrag über 200 Millionen Dollar waren zuvor gescheitert. Der Streitpunkt: Das Militär forderte uneingeschränkte Nutzungsrechte für alle rechtmäßigen Zwecke.

Die Führung von Anthropic weigerte sich. Sie forderte Garantien, dass ihre Technologie nicht für vollautonome Waffensysteme oder die Massenüberwachung amerikanischer Bürger eingesetzt wird. Verteidigungsminister Pete Hegseth stufte das Unternehmen daraufhin als Lieferkettenrisiko ein – eine Einstufung, die normalerweise Firmen aus feindlichen Nationen vorbehalten ist.

Die Regierung versuchte, die Nutzung von Anthropic-Produkten in allen Behörden zu stoppen. Doch das Unternehmen zog vor Gericht – und gewann. Ein Bundesrichter in Kalifornien erließ im März eine einstweilige Verfügung. Er bezeichnete das Verbot des Pentagons als wahrscheinlich rechtswidrig und willkürlich. Diese Entscheidung schafft eine rechtliche Grauzone, die es einigen Agenturen wie der NSA ermöglicht, die Tools weiter zu nutzen.

Der Weiße Haus-Gipfel: Suche nach einem Kompromiss

Die Spannungen eskalierten vergangene Woche auf höchster Ebene. Am Freitag reiste Anthropic-Chef Dario Amodei ins Weiße Haus. Er traf sich mit Stabschefin Susie Wiles und Finanzminister Scott Bessent. Die Gespräche sollen konstruktiv verlaufen sein. Es ging um die Balance zwischen nationalen Sicherheitserfordernissen und notwendigen Sicherheitsvorkehrungen für KI.

Regierungsvertreter sondierten offenbar die Möglichkeit eines speziellen Rahmenabkommens für Bundesbehörden. Ein Kompromiss könnte sein: Die Regierung erhält Zugang zu den defensiven Fähigkeiten von Mythos, akzeptiert aber gleichzeitig die Sicherheitsauflagen von Anthropic. Die Anwesenheit von Finanzminister Bessent ist bemerkenswert. Sein Ministerium hatte zuvor angekündigt, Anthropic-Tools abzuschaffen.

Das Weiße Haus betonte, die Gespräche seien Teil eines laufenden Dialogs. Ein formeller Durchbruch wurde nicht verkündet. Doch die Tatsache, dass die NSA Mythos bereits aktiv nutzt, spricht Bände. Für die Geheimdienst-Community überwiegen offenbar die technologischen Vorteile die politischen Risiken, die das Pentagon sieht.

Sicherheitsbedarf vs. Beschaffungsvorschriften

Der Fall zeigt ein grundsätzliches Dilemma der US-Regierung. Wie hält man die technologische Führungsposition gegenüber globalen Rivalen, wenn interne Streitigkeiten den Zugang zu den besten Tools blockieren? Analysten beobachten, dass die Zeitpläne und Prioritäten der Geheimdienste oft nicht mit der trägen Beschaffungsbürokratie des Militärs synchron sind.

Für die NSA ist die Fähigkeit von Mythos, versteckte Schwachstellen autonom aufzuspüren, ein Paradigmenwechsel. Forscher des britischen KI-Sicherheitsinstituts bestätigen: Das Modell stellt eine neue Stufe autonomer Hacking-Fähigkeiten dar. Aufgaben, für die menschliche Experten Tage brauchen, erledigt die KI in einer kontrollierten Umgebung in kürzester Zeit.

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Selten innerhalb des Pentagons gibt es Berichten zufolge Ingenieure, die den vollen Zugang zu Anthropics Tools fordern. Sie argumentieren, dass die Modelle des Unternehmens für sensible Datenanalyse und Aufklärungsarbeit derzeit konkurrenzlos seien. Der Streit dreht sich auch um die Frage, was ein „Lieferkettenrisiko“ wirklich ist. Ist es ein Unternehmen, das ethische rote Linien zieht? Oder sind es eher Firmen ohne solche Bedenken?

Blaupause für die Zukunft

Die Lösung des Konflikts wird wahrscheinlich zur Blaupause für künftige Beziehungen zwischen der US-Regierung und privaten KI-Laboren. Je mächtiger Modelle wie Mythos werden, desto größer wird der Hebel einer Handvoll privater Entwickler.

In den kommenden Monaten wird die Regierung ähnliche Gespräche mit anderen großen KI-Entwicklern wie OpenAI und Google führen. Ziel ist die Standardisierung von Protokollen für den staatlichen Umgang mit Hochrisiko-KI. Solange diese Regeln fehlen, zeigt der Fall der NSA eines deutlich: Im Bereich der nationalen Sicherheit siegt oft der Bedarf an den fähigsten Werkzeugen über formale Verbote und Verwaltungsstreitigkeiten.

Ob das Weiße Haus einen dauerhaften Frieden zwischen den sicherheitsbewussten KI-Pionieren und den Hardlinern im Pentagon schmieden kann, bleibt offen. Doch die operative Nutzung von Mythos durch die Geheimdienste beweist: Der Einfluss dieser KI auf die nationale Sicherheit der USA ist bereits heute Realität.