NuPhy erweitert Tastatur-Portfolio: Air V3 und Field75 HE V2 im Test

NuPhy erneuert sein Sortiment mit Air V3 und Field75 HE V2. Die neue Firmware-Plattform NuPhy.io 2.0 ersetzt quelloffene Lösungen.

Mit der Air 65 V3 und Air 100 V3 ist die dritte Generation der beliebten Low-Profile-Serie nun komplett. Zeitgleich bringt das Unternehmen mit dem Field75 HE V2 eine High-End-Gaming-Tastatur auf den Markt, die mit einer Abfragerate von 8.000 Hertz und einer internen Scanrate von 32.000 Hertz neue Maßstäbe setzt.

Die Produktoffensive markiert einen strategischen Kurswechsel: NuPhy verabschiedet sich von der quelloffenen QMK/VIA-Firmware und setzt stattdessen auf die eigene webbasierte Konfigurationsplattform NuPhy.io 2.0. Der Schritt ermöglicht tiefgreifende Hardware-Optimierungen – insbesondere bei der Akkulaufzeit und der Präzision der magnetischen Hall-Effekt-Schalter.

Anzeige

Moderne Hardware allein reicht nicht aus – auch die Sicherheit Ihrer IT-Infrastruktur muss mit dem technologischen Fortschritt Schritt halten. Dieses kostenlose E-Book zeigt Unternehmern und IT-Verantwortlichen, wie sie Sicherheitslücken schließen und aktuelle gesetzliche Anforderungen effizient erfüllen. IT-Sicherheit stärken ohne teure Investitionen

Air V3 Serie: Kompakte Bauweise mit Ausdauer

Die Air V3-Reihe umfasst drei Größen: das ultra-kompakte 65%-Layout, das portable 75%-Modell und die vollständige 100%-Version. Herzstück des Updates sind die Gateron x NuPhy Low-Profile 3.0 „Nano“-Schalter. Mit einem Hubweg von 3,5 Millimetern kommen sie dem Gefühl herkömmlicher mechanischer Tastaturen deutlich näher als frühere Low-Profile-Komponenten.

Die Schalter sind in drei Varianten erhältlich: linear („Red Nano“), taktil („Brown Nano“) und gedämpft („Blush Nano“). Sie sitzen in einem CNC-gefrästen Aluminium-Gehäuse, dessen Oberfläche durch eine 220er-Zirkonium-Sand-Anodisierung veredelt wird. Das Ergebnis erinnert an die Haptik moderner Premium-Laptops.

Erstmals setzt NuPhy bei allen Modellen auf eine Gasket-Mount-Konstruktion mit mehreren Lagen Schalldämmung. Frühe Tester beschreiben das Klangbild als „cremig“ und angenehm gedämpft.

Der größte technische Sprung gelang jedoch bei der Akkulaufzeit. Durch optimierte Firmware erreichen Air 75 V3 und Air 100 V3 trotz identischem 4.000-mAh-Akku rund 1.200 Stunden Betriebszeit ohne RGB-Beleuchtung – eine Verfünffachung gegenüber der Vorgängergeneration. Das kleinere Air 65 V3 mit 2.500-mAh-Akku kommt auf bis zu 761 Stunden.

Field75 HE V2: Die neue Latenz-Referenz

Der Field75 HE V2 ist ab sofort erhältlich und positioniert sich als NuPhys leistungsfähigstes Gaming-Device. Das Design bleibt dem „Diesel-Punk“-Stil des Vorgängers treu – inklusive des industriellen Tragegriffs aus Metall und des geriffelten Lautstärkereglers. Unter der Haube arbeiten jedoch magnetische Hall-Effekt-Schalter statt herkömmlicher mechanischer Switches.

Ein leistungsstarker Nu2-8K-D-2505-Mikrocontroller ermöglicht eine kabelgebundene Abfragerate von 8.000 Hertz bei einer internen Scanrate von 32.000 Hertz. Die Gesamtlatenz liegt bei gerade einmal 0,45 Millisekunden. Die magnetischen Schalter – darunter die Varianten „Magnetic Silver“ und „Magnetic Jade Dragon-N“ – unterstützen die „Rapid Trigger“-Funktion mit einer Präzision von 0,005 Millimetern.

Das bedeutet: Anwender können Auslöse- und Rücksetzpunkt eines Tastendrucks nahezu beliebig fein justieren – ein entscheidender Vorteil in kompetitiven Shootern und Rhythmusspielen.

Mit „Rapid Trigger Pro“ und „Dynamic Keystroke“ führt NuPhy zwei weitere Innovationen ein. Ein einzelner Tastendruck kann bis zu vier verschiedene Aktionen auslösen – verteilt auf Abwärts- und Aufwärtsbewegung. Alternativ lassen sich für Drücken und Loslassen einer Taste zwei separate Befehle hinterlegen. Der Preis beginnt bei 179 Euro. Die Tastatur ist ausschließlich kabelgebunden nutzbar, um die hohen Datenraten stabil zu halten.

NuPhy.io 2.0: Firmware-Revolution mit Haken

Die Einführung der neuen Hardware geht mit dem Start von NuPhy.io 2.0 einher. Die webbasierte Konfigurationsplattform ersetzt die bisherige QMK/VIA-Unterstützung. Der Hersteller begründet den Schritt mit den erweiterten Anforderungen: Die optimierte Stromverwaltung der Air V3-Serie und die komplexe Sensor-Kalibrierung der Hall-Effekt-Modelle ließen sich mit quelloffener Firmware nicht realisieren.

Die Software läuft in jedem Chromium-basierten Browser – ohne Installation unter Windows, macOS oder Linux. Sie bietet eine einheitliche Steuerung für Tastenbelegung, RGB-Anpassung und Makro-Aufzeichnung. Für die Gaming-Modelle gibt es ein detailliertes Dashboard zur Kalibrierung einzelner Schalter, zur Einstellung von „Dead Zones“ und zur Verwaltung der SOCD-Priorisierung (Simultaneous Opposing Cardinal Directions). Diese Funktion hilft bei Bewegungsabläufen, indem sie widersprüchliche Richtungseingaben intelligent auflöst.

Während einige Enthusiasten den Verzicht auf quelloffene Firmware bedauern, ermöglicht der Schritt tiefere Hardware-Integration. Die programmierbaren Drehregler der Air V3- und Field-Serie lassen sich nun anwendungsspezifisch belegen – etwa zum Scrubbing in Videobearbeitungsprogrammen oder als Zoom-Steuerung in Design-Software.

Anzeige

Während neue Technologien Ihre Produktivität steigern, nutzen Cyberkriminelle zunehmend KI für gezielte Angriffe auf Unternehmen. Dieser Experten-Report klärt darüber auf, welche neuen Bedrohungen auf Sie zukommen und wie Sie Ihre Firma proaktiv absichern. Gratis-Report zu Cyber Security Trends anfordern

Marktanalyse: Der Trend zur Performance-Low-Profile

NuPhys Strategie für 2026 spiegelt einen breiteren Branchentrend wider. Das Low-Profile-Segment war lange von bürotauglichen Membran- oder einfachen mechanischen Tastaturen dominiert, die zugunsten der Bauform auf Haptik verzichteten. Mit 3,5-Millimeter-Schaltern und Gasket-Mounts zielt NuPhy auf eine Zielgruppe von Hybrid-Workern – Berufstätige, die hochwertige Custom-Keyboard-Ästhetik in einem portablen Format suchen.

Im Gaming-Bereich zeigt die Entwicklung zur 8.000-Hertz-Abfragerate das Wettrüsten um die niedrigste Latenz. Ob der Unterschied zwischen 1.000 und 8.000 Hertz für den Durchschnittsspieler spürbar ist, bleibt umstritten. Klar ist jedoch: Im Enthusiasten-Markt gelten hohe Scanraten zunehmend als Pflicht. Die konsequente Nutzung von Hall-Effekt-Sensoren im Field75 HE V2 sowie in den angekündigten Modellen WH80 und BH65 unterstreicht NuPhys Bekenntnis zu dieser Technologie.

Ausblick: Einheitliche Designsprache und neue Formfaktoren

NuPhy scheint seine Produktlinien zunehmend zu vereinheitlichen. Halb-Aluminium-Gehäuse und gedeckte Farbtöne prägen das aktuelle Portfolio. Für die zweite Jahreshälfte sind größere Formfaktoren für die Gaming-Reihe sowie neues Zubehör für das Air V3-Ökosystem angekündigt.

Mit der vollständigen Air V3-Serie und dem Field75 HE V2 als neuem Leistungsmaßstab dürfte sich der Fokus nun auf die Weiterentwicklung der NuPhy.io 2.0-Plattform verlagern. Geplante Firmware-Updates umfassen unter anderem eine verbesserte Maus-Emulation über die Tastatur sowie erweiterte Makro-Funktionen für die speziellen Hardware-Tasten der Field-Serie. Die Grenzen zwischen professionellem Arbeitsgerät und High-End-Gaming-Peripherie verschwimmen – NuPhy positioniert sich in beiden Welten.