Seit dem Rekordhoch Mitte Mai 2026 hat der Konzern rund eine Billion Dollar an Börsenwert eingebüßt – ein Drittel seiner damaligen Marktkapitalisierung. Die Aktie fiel um etwa 16 Prozent von ihrem Höchststand. Was steckt hinter dem Absturz des einstigen Börsenlieblings?
Bewertung auf dem Niveau von 2019
Trotz Rekordumsätzen ist Nvidias Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf den niedrigsten Stand seit 2019 gefallen. Analysten zufolge notiert die Aktie mit einem zukunftsgerichteten KGV zwischen 18 und 22 – und damit unter dem aktuellen Durchschnitt von S&P 500 und Nasdaq 100. Am 9. Juli 2026 schloss die Nvidia-Aktie bei 202,78 US-Dollar, die Marktkapitalisierung lag bei rund 5,1 Billionen Dollar.
Die Geschäftszahlen sprechen eigentlich eine andere Sprache: Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 erzielte Nvidia einen Umsatz von 81,6 Milliarden Dollar – ein Plus von 85 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Für das gesamte Geschäftsjahr 2027 erwarten Analysten Erlöse von 393 Milliarden Dollar bei einem Gewinn von 228 Milliarden Dollar.
Die Bank of America sieht in der aktuellen Bewertung eine Art „Crash-Szenario“ eingepreist: Der Kurs impliziere einen Gewinnrückgang von 30 bis 35 Prozent. Ein unwahrscheinliches Szenario, so die Analysten, denn die Bruttomargen dürften stabil im Bereich von 75 Prozent bleiben.
Kapital wandert zu Speicherchips
Ein Grund für den Kursverfall: Investoren verlassen den GPU-Sektor und setzen verstärkt auf Speicherchip-Hersteller. Während Nvidia seit Jahresbeginn nur rund fünf Prozent zulegte, haben sich Firmen wie Micron im gleichen Zeitraum fast verdreifacht.
Der Grund liegt in veränderten Engpässen der KI-Hardware. Während sich die Lieferengpässe bei Grafikprozessoren allmählich entspannen, sind nun Hochleistungs-Speicherchips zum neuen Nadelöhr geworden. Auch die Spotpreise für High-End-GPUs geben nach: Die Rechenleistung des B200-Chips fiel von 6,11 Dollar am 30. Mai auf 4,22 Dollar bis zum 21. Juni 2026.
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Hinzu kommt wachsende Konkurrenz: Tech-Giganten wie Microsoft, Google, Amazon und OpenAI treiben die Entwicklung eigener Prozessoren voran. Das setzt Nvidia unter Druck, seinen Marktanteil von 97 Prozent bei GPUs zu verteidigen.
Rubins nächste Generation kommt – aber später
Nvidia hält mit einem aggressiven Release-Zeitplan dagegen. Die nächste GPU-Architektur Rubin soll planmäßig in der zweiten Jahreshälfte 2026 auf den Markt kommen. Verzögerungen gibt es jedoch bei den High-End-Rack-Systemen: Der Kyber NVL144-Rack wird nun erst 2028 erwartet.
Ein milliardenschwerer Deal sorgt für Schlagzeilen: Google und SpaceX haben eine Vereinbarung über rund 30,4 Milliarden Dollar für KI-Kapazitäten bis 2029 geschlossen – inklusive 110.000 Nvidia-GPUs. Zudem stärkte Nvidia seine Position durch die 20-Milliarden-Übernahme des KI-Startups Groq.
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Auf der regulatorischen Seite zeichnet sich eine mögliche Lockerung ab: Die Freigabe von H200-Chips für bestimmte große Tech-Unternehmen in China – darunter Alibaba, ByteDance und DeepSeek – steht offenbar bevor.
Analysten bleiben optimistisch
Der gesamte Halbleitermarkt geriet am 8. Juli 2026 unter Druck, nachdem Berichte über DeepSeeks Pläne zur Eigenentwicklung von Chips die Runde machten. Der PHLX Semiconductor Index fiel unter seine 50-Tage-Linie.
Dennoch: Von 82 Analysten, die Nvidia beobachten, raten 78 zum Kauf. Nur drei empfehlen Halten, einer zum Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 302 Dollar – ein deutliches Aufwärtspotenzial gegenüber dem aktuellen Niveau.
Die Spannung steigt: Am 26. August 2026 legt Nvidia die nächsten Quartalszahlen vor. Analysten rechnen mit einem Umsatz von 91,7 Milliarden Dollar und einem Gewinn je Aktie von 2,07 Dollar.

