Die taiwanische Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen neun Personen erhoben, denen vorgeworfen wird, an einem Schema zum illegalen Export von Hochleistungs-KI-Servern mit Nvidia-B300-GPUs der Blackwell-Generation nach China beteiligt gewesen zu sein. Unter den Angeklagten befinden sich ein Nvidia-Manager namens Chang beziehungsweise Zhang sowie zwei Mitarbeiter des Serverherstellers Supermicro.
Umfang des Schemas
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden im Rahmen des Schemas 130 B300-Server bestellt. Davon gelangten 74 Geräte tatsächlich nach China – 50 über Indonesien, 8 über Japan beziehungsweise Hongkong und 16 auf direktem Weg.
Die verbleibenden 56 Server wurden von den Behörden beschlagnahmt. Die Ermittler sprechen von einer Fünf-Punkte-Strategie, mit der die Beteiligten gezielt Schwachstellen in der Zollkontrolle ausnutzten.
Vorwürfe und mögliche Strafen
Den Angeklagten werden Untreue und Urkundenfälschung vorgeworfen. Der Staatsanwaltschaft zufolge waren sich alle Beteiligten der geltenden Exportkontrollen voll bewusst. Für vier der Angeklagten, darunter der Nvidia-Manager Chang, fordert die Anklagebehörde Haftstrafen von bis zu fünf Jahren.
In der Anklageschrift ist die Rede davon, dass die Beteiligten für enormen Profit zusammengearbeitet hätten. Die betroffenen US-Exportkontrollen für fortschrittliche KI-Chips gelten seit 2022.
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Finanzielle Dimension
Aus dem Schema sollen illegale Erlöse in Höhe von 21,2 Millionen US-Dollar entstanden sein. Laut Staatsanwaltschaft zahlten chinesische Abnehmer rund 1 Million US-Dollar pro Server – etwa das Doppelte des in den USA üblichen Preises von rund 400.000 US-Dollar pro B300-Gerät. Die Preisdifferenz verdeutlicht den finanziellen Anreiz, der offenbar hinter dem mutmaßlichen Umgehungssystem stand.
Rolle von Supermicro
Supermicro hat nach eigenen Angaben mit den Ermittlungsbehörden kooperiert, was letztlich zu den Festnahmen führte. Die betroffenen Mitarbeiter wurden nach einer internen Untersuchung des Unternehmens entlassen.
Der Fall reiht sich in eine Serie von Vorwürfen gegen das Unternehmen ein: Bereits im März dieses Jahres war Supermicro-Mitbegründer Wally Liaw im Zusammenhang mit einem separaten Schema in Höhe von 2,5 Milliarden US-Dollar festgenommen worden.
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Wiederkehrendes Muster
Die taiwanischen Behörden verweisen darauf, dass es sich nicht um den ersten aufgedeckten Fall illegaler KI-Chip-Exporte handelt. In früheren Fällen sollen Umgehungsgeschäfte im Wert von 1 Milliarde US-Dollar über Südostasien sowie von 3,5 Milliarden US-Dollar über weitere Drittländer abgewickelt worden sein.
Der aktuelle Fall zeigt damit erneut, wie Zwischenhändler und Transitrouten genutzt werden, um US-Exportbeschränkungen für fortschrittliche Nvidia-Chips zu umgehen und begehrte Blackwell-Hardware trotz bestehender Kontrollen nach China zu bringen.
Mehr zum Thema bei Tom’s Hardware: „Nine indicted by Taiwan over illegal export of Nvidia B300 GPUs to China — details reveal five-point strategy …“

