Nvidia-Chip in Russlands Rakete: Geheimdienst deckt Sanktions-Umgehung auf

Ukrainischer Geheimdienst findet Nvidia-Hardware in russischer Rakete. Der Fund belegt Lücken in westlichen Exportkontrollen trotz Sanktionen.

Der ukrainische Militärgeheimdienst (HUR) hat in den Trümmern eines russischen Marschflugkörpers vom Typ S-71 Monochrome (S-71M) einen kommerziellen KI-Chip des US-Herstellers Nvidia identifiziert. Die Entdeckung verdeutlicht die anhaltenden Schwierigkeiten bei der Kontrolle globaler Lieferketten, da die gefundene Hardware zur autonomen Zielerfassung in modernen Waffensystemen eingesetzt wird.

Technologische Details der Fundstücke

Bei der untersuchten Komponente handelt es sich laut Angaben des HUR um ein Nvidia-Jetson-Orin-NX-16GB-Modul. Dieser Chip, der im Einzelhandel für etwa 999 US-Dollar erhältlich ist, verfügt über eine beträchtliche Rechenleistung für Anwendungen der künstlichen Intelligenz.

Das Modul basiert auf einer Architektur mit 8 Arm-Kernen, 1024 CUDA-Kernen (Shadern) sowie 32 Tensor-Kernen und erreicht eine Leistung von 157 INT8-TOPS.

Besonders brisant ist die Datierung der Hardware: Die Markierung auf dem Chip (SNVUP6.MOP TE980M-A1) lässt darauf schließen, dass das Bauteil erst im März 2025 verpackt wurde. Dies deutet darauf hin, dass aktuelle westliche Hochtechnologie trotz weitreichender Handelsbeschränkungen weiterhin ihren Weg in russische Rüstungsgüter findet.

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Innerhalb des Marschflugkörpers S-71M ist der Chip mit einer optischen Kamera verbunden. Diese Konfiguration ermöglicht laut Geheimdienstberichten eine Echtzeit-Bildverarbeitung und autonome Zielerkennung direkt im Flugkörper, ohne auf Cloud-Verbindungen angewiesen zu sein.

Der Marschflugkörper S-71M

Der russische S-71M, auch unter dem Namen „Monokl“ bekannt, ist ein Marschflugkörper mit einer Reichweite von bis zu 300 oder teilweise 400 Kilometern. Das System ist für den Start von Kampfflugzeugen wie der Su-57 oder der schweren Tarnkappendrohne S-70 ausgelegt. Er erreicht Geschwindigkeiten von 500 bis 600 km/h und trägt einen Gefechtskopf mit einem Gewicht von 250 Kilogramm.

Die Integration der Nvidia-Chips dient primär der Endphasenlenkung, bei der die Bordelektronik visuelle Daten verarbeitet, um Ziele präzise anzusteuern.

Stellungnahme von Nvidia und globale Lieferkettenproblematik

Nvidia betonte in einer Stellungnahme, dass es sich bei der Jetson-Serie um Produkte für den Endverbrauchermarkt handelt, die keinen speziellen Exportkontrollen unterliegen.

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Das Unternehmen erklärte, dass es Russland bereits im Jahr 2022 verlassen habe und seitdem keine offiziellen Verkäufe in das Land mehr getätigt wurden. Es wurde darauf hingewiesen, dass eine lückenlose Nachverfolgung der Produkte nach dem Verkauf an Zwischenhändler oder Endkunden kaum möglich sei.

Die Entdeckung ist kein Einzelfall. Der ukrainische Geheimdienst und das Projekt „War&Sanctions“ haben bisher rund 6.000 ausländische Komponenten in über 200 verschiedenen russischen Waffensystemen identifiziert.

Insgesamt wurden in russischem Militärgerät mehr als 70.000 elektronische Bauteile registriert, von denen über 40.000 aus dem Ausland stammen. Neben Nvidia werden häufig Produkte von Herstellern wie AMD, Texas Instruments, Analog Devices, STMicroelectronics und Panasonic gefunden.

Interessanterweise wurden laut HUR etwa 70 % der in russischen Waffen entdeckten westlichen Komponenten ursprünglich legal für den zivilen Markt produziert. US-Behörden versuchen unterdessen, die Umgehung von Sanktionen durch schärfere Kontrollen und hohe Strafzahlungen einzudämmen.

So wurden zuletzt Bußgelder in Höhe von 420 Millionen US-Dollar wegen des Schmuggels von Chips verhängt. Dennoch unterstreichen die aktuellen Funde aus dem Frühjahr 2025 die Komplexität des Technologietransfers in globalisierten Märkten.