Der US-Konzern Nvidia hat im Berliner Tempodrom sowie in der benachbarten STATION-Berlin die Entwicklerkonferenz GTC Berlin 2026 eröffnet. Die dreitägige Veranstaltung umfasst Workshops am 20. Oktober sowie Konferenz- und Messetage am 21. und 22. Oktober mit mehr als 100 Fachsitzungen.
Bei der Eröffnung bezeichnete Konzernchef Jensen Huang spezialisierte Recheninfrastruktur für künstliche Intelligenz als das Fundament einer neuen industriellen Revolution.
Zugleich unterstrich Huang die Bedeutung des europäischen Marktes. Nvidia habe fast 10 Milliarden US-Dollar in das europäische Technologie-Ökosystem investiert und zähle dort mehr als 12.000 Partner.
Unter den Kunden und Kooperationspartnern in Europa nannte das Unternehmen Konzerne wie L’Oréal, Revolut, Spotify, Merck, Vodafone, Zara, Porsche, Nestlé und HSBC. Während Huangs Grundsatzrede kam es zu einer kurzen Unterbrechung durch Protestierende vor Ort.
Referenzdesigns für Rechenzentren und containerisierte Systeme
Im Zentrum der Hardware-Ankündigungen stand die Architektur Vera Rubin, die sich laut Nvidia nun in der Vollproduktion befindet. Als neues Referenzdesign für Rechenzentren präsentierte der Konzern den DSX POD. Das containerisierte System soll den Aufbau von Rechenzentren an vorbereiteten Standorten beschleunigen.
Bei vorhandenen Versorgungsanschlüssen verkürze sich die Bereitstellungszeit vor Ort von sechs Monaten auf bis zu 14 Tage. Die Phase bis zum produktiven Betrieb sinke von vier bis fünf Monaten auf etwa einen Monat.
Erste Einheiten und Designs sollen ab Anfang 2027 verfügbar sein. Als Partner für das System treten unter anderem Dell, HPE, Lenovo, Vertiv, Schneider Electric, Eaton, Pegatron, Wistron, Foxconn, Crusoe und DayOne auf; Bull übernimmt ebenfalls die Vermarktung.
Während Nvidia die technologische Basis für die neue KI-Revolution schafft, müssen Unternehmen auch die rechtlichen Rahmenbedingungen im Blick behalten. Dieser kostenlose Leitfaden bietet einen kompakten Überblick über alle Anforderungen, Pflichten und Fristen der neuen EU-KI-Verordnung. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt
Huang bezifferte die Gesamtkosten einer Anlage mit einer Leistungsaufnahme von einem Gigawatt auf rund 50 Milliarden US-Dollar, einschließlich Grundstück, Netzanschluss, Gebäudestruktur sowie Rechen-, Speicher-, Kühl- und Stromversorgungstechnik.
Derartige Großanlagen könnten jährliche Umsätze von etwa 40 Milliarden US-Dollar erwirtschaften, weshalb Verzögerungen von drei Monaten rechnerische Umsatzausfälle von etwa 10 Milliarden US-Dollar bedeuteten.
Kühlung und Effizienzoptimierung im Stromnetz
Für den Betrieb künftiger Anlagen stellte Nvidia Effizienzverbesserungen in Aussicht. Die DSX-Plattform nutze eine geschlossene Flüssigkühlung in Kombination mit Trockenkühlern, womit der Kühlwasserverbrauch auf nahezu null sinke.
Gegenüber herkömmlichen Systemen spare dies bis zu 100 Prozent des Kühlwassers und bis zu 30 Prozent Strom bei gleicher Rechenleistung. Bei einer Gesamtkapazität von zwei Gigawatt entspreche dies einer täglichen Einsparung von 54 Millionen Litern Wasser. Vera Rubin arbeite dabei mit einer Kühltemperatur von 45 Grad Celsius.
Ergänzend stellte das Unternehmen die Betriebsmodi DSX MaxLPS und DSX Flex vor. DSX MaxLPS senke den Strombedarf pro erzeugter Informationseinheit um bis zu 30 Prozent. In Tests von Lambda auf Basis von HGX B200 konnten 19 Rechenknoten innerhalb des Strombudgets einer 16-Knoten-Konfiguration betrieben werden, was den Durchsatz um rund 24 Prozent steigerte.
Der technologische Fortschritt bei KI-Systemen bringt neue Regeln mit sich, die viele Verantwortliche in der IT und Compliance noch nicht kennen. Ein kostenloser Experten-Report klärt darüber auf, welche Systeme künftig als Hochrisiko eingestuft werden und was Unternehmen jetzt konkret tun müssen. Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act kostenlos herunterladen
Nscale erzielte mit Systemen des Typs 4x GB300 NVL72 einen um 49 Prozent höheren Inferenz-Durchsatz im selben Energiebudget von 264 Kilowatt. Mit DSX Flex wurde in Simulationen mit Partnern wie UK National Grid und Nebius eine Reduktion des Strombezugs aus dem Netz um bis zu 40 Prozent demonstriert.
Sicherheitsarchitektur und Systeme für Arbeitsplätze
Für autonome Softwareagenten veröffentlichte Nvidia die Referenzarchitektur OpenShell unter der Open-Source-Lizenz Apache 2.0. Das System setzt auf Kernel-Sandboxing; Sicherheitsüberprüfungen werden direkt auf BlueField-4-Datenprozessoren über ein Modul namens Sentry abgewickelt, um Quarantänemaßnahmen innerhalb von Millisekunden durchzusetzen. Huang erklärte, dass die Leistungsfähigkeit von KI-Systemen und deren Sicherheit zwingend parallel vorangetrieben werden müssten.
Für lokale Arbeitsplätze zeigte Nvidia zudem neue Hardware: Neben der am 16. Oktober eingeführten Grafikkarte RTX Spark kündigte der Hersteller die kompakten Rechensysteme DGX Spark 64GB ab dem 23. Oktober sowie die DGX Station für den Dezember an.
An den Finanzmärkten notierte die Nvidia-Aktie nach den Ankündigungen bei 216,47 US-Dollar, was einer Marktkapitalisierung von rund 5.256,97 Milliarden US-Dollar entspricht.

