Nvidia-Finanzierung: 2 Mrd. Euro in Nebius für fünf Gigawatt

Nvidia startet Erlösbeteiligungsmodelle für KI-Clouds und investiert Milliarden in Partner wie Nebius. Analysten warnen vor wachsenden Schuldenrisiken.

Der Chipkonzern Nvidia verstärkt sein Engagement bei der Finanzierung von KI-Infrastruktur mit neuen Erlösbeteiligungsmodellen und Kreditunterstützung für Cloud-Anbieter. Die Mitte Juli bekanntgegebenen Initiativen sollen Start-ups und Unternehmen den Zugang zu großer KI-Rechenleistung erleichtern. Doch Analysten warnen vor möglichen Kreislauf-Finanzierungen und wachsenden Schuldenrisiken.

Neue Finanzierungsmodelle für KI-Clouds

Nvidias neues Modell kombiniert Erlösbeteiligung mit Kreditunterstützung. Cloud-Partner können damit Nvidia-Infrastruktur beschaffen und KI-Cloud-Dienste anbieten. Der Konzern kassiert dabei sowohl den Standard-Produktumsatz für die Hardware als auch einen Anteil an den Cloud-Erlösen. Das soll jungen KI-Unternehmen helfen, die bisher oft an den hohen Investitionshürden scheiterten.

Zu den ersten Partnern zählt Sharon AI, das unter einem Sechsjahresvertrag bis zu 40.000 Nvidia Grace Blackwell GB300-GPUs einsetzen will. Auch Firmus ist mit dabei: Das Unternehmen plant eine 360-Megawatt-KI-Fabrik mit bis zu 170.000 GPUs im indonesischen Batam.

Milliardeninvestitionen in Cloud-Partner

Nvidia hat zudem direkt in KI-Cloud-Anbieter investiert. Am 11. Juli 2026 flossen zwei Milliarden Euro in eine Partnerschaft mit Nebius. Ziel ist der Aufbau von fünf Gigawatt Rechenzentrums-Kapazität bis 2030. Bereits zuvor hatte Nvidia zwei Milliarden Euro in CoreWeave gesteckt – inklusive einer Absicherung von rund 6,3 Milliarden Euro für unverkaufte GPU-Kapazitäten bis 2032.

Darüber hinaus verhandelt Nvidia über eine Minderheitsbeteiligung an Lancium. Der texanische Energieinfrastruktur-Entwickler ist entscheidend für die Stromversorgung von KI-Rechenzentren wie dem Abilene Clean Campus (Stargate 1). Der Deal könnte Lancium mit sieben bis zehn Milliarden Euro bewerten, manche Schätzungen liegen sogar bei 14 Milliarden Euro. Die Abilene-Anlage hat eine Kapazität von bis zu 1,2 Gigawatt und kann rund 400.000 Nvidia-KI-Chips beherbergen. Blackstone hält derzeit knapp 50 Prozent an Lancium.

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Schuldenberge und Kreislauf-Risiken

Der KI-Infrastruktur-Boom verschlingt gewaltige Summen. Allein 2026 überschritten die Investitionen der großen Cloud-Anbieter die Marke von 750 Milliarden Euro. Alphabet, Amazon, Microsoft und Meta geben zusammen voraussichtlich 725 Milliarden Euro für Investitionen aus – ein Anstieg von 77 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bis 2029 könnten die kumulierten KI-Ausgaben auf 11,1 Billionen Euro steigen, mit jährlichen Investitionen von über zwei Billionen Euro ab 2028.

Die Kehrseite: rasant wachsende Schuldenberge. KI-bezogene Verbindlichkeiten könnten bis 2029 auf rund 7,1 Billionen Euro anschwellen – potenziell der zweitgrößte Schuldenmarkt nach US-Hypotheken. Allein die Hyperscaler haben in den vergangenen fünf Jahren rund 350 Milliarden Euro an Schulden für KI-Rechenzentren aufgenommen. Oracle etwa wurde von S&P auf BBB- herabgestuft – auch wegen der KI-Ausgaben. Das Verhältnis von Investitionen zu Umsatz erreichte bei Oracle rund 86 Prozent.

CoreWeave, Nvidias Partner, trägt eine Schuldenlast von 25 Milliarden Euro. Die Zinszahlungen verschlingen etwa die Hälfte des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA). Bereits 2023 hatte sich CoreWeave 2,3 Milliarden Euro gegen GPU-Sicherheiten geliehen.

Wettbewerb durch Eigenentwicklungen

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Analysten warnen vor einem Kreislauf: Nvidia investiert Milliarden in „Neoclouds“ wie CoreWeave und Nebius, die das Geld – ergänzt um hohe Kredite – für den Kauf von Nvidia-Chips nutzen. Nvidia selbst bestreitet, dass dies einer Lieferantenfinanzierung gleichkommt. Kritiker befürchten jedoch, dass das Muster die Nachfrage künstlich aufbläht und Risiken verschleiert.

Der Wettbewerb verschärft sich zusätzlich durch Eigenentwicklungen der Tech-Giganten. Broadcom etwa ist an einem 35 Milliarden Euro schweren Finanzierungspaket mit Apollo und Blackstone beteiligt, um KI-Kapazitäten für Anthropic auszubauen – mit maßgeschneiderten Chips von Google und Broadcom. Das im Juni 2026 geschnürte Paket nutzt eine Zweckgesellschaft, die Chips kauft und an Anthropic verleast. Broadcom garantiert dabei die Zahlungen für die vorrangigen Schuldtranchen. Ein Teil der Schulden soll ab Anfang 2027 handelbar sein – ein neues Kapitel der KI-Finanzierung.