Der Chipriese steigt vom Hardware-Lieferanten zum Service-Partner auf und sichert sich künftig Anteile an den Cloud-Erlösen seiner Kunden.
MÜNCHEN. NVIDIA hat am 1. Juli ein neues Geschäftsmodell vorgestellt, das die Finanzierung und den Betrieb von KI-Infrastruktur grundlegend verändern könnte. Das Programm mit dem Namen „DSX AI Factory“ oder „AI Compute Partnership“ kombiniert den Verkauf von Hardware mit Erlösbeteiligungen und Kreditgarantien. Konkret bedeutet das: NVIDIA kassiert nicht nur beim Verkauf seiner Chips, sondern erhält auch einen Prozentsatz der laufenden Cloud-Einnahmen, die seine Partner mit dieser Hardware erwirtschaften.
Ein hybrides Modell für Hardware und Cloud-Dienste
Das Programm richtet sich vor allem an KI-Startups und Rechenzentrumsbetreiber. Kernstück ist ein Kredit-Sicherungsmechanismus: NVIDIA garantiert seinen Kunden, nicht genutzte GPU-Kapazitäten zu einem vorher festgelegten Preis zurückzukaufen. Damit sollen Partner die nötigen Kredite für Großprojekte leichter erhalten.
„Dieser Ansatz umgeht traditionelle Hürden wie zeitaufwendige Standortauswahlen und ermöglicht einen schnellen Aufbau von Rechenleistung“, erläuterte Finanzvorständin Colette Kress. Das Modell sieht zudem Token-Gutschriften für Entwickler vor, die im Gegenzug für künftige Umsätze gewährt werden. Als erste Nutzer der Infrastruktur sind KI-Unternehmen wie Baseten, Fireworks AI und Together AI vorgesehen.
210.000 GPUs für Sharon AI und Firmus
Als erste Partner für den großflächigen Ausbau hat NVIDIA zwei Unternehmen benannt: Sharon AI und Firmus. Gemeinsam sollen sie bis zu 210.000 GPUs betreiben.
Sharon AI hat einen Sechs-Jahres-Vertrag über den Einsatz von bis zu 40.000 GB300-GPUs unterzeichnet. Das entspricht einem Großteil der Gesamtkapazität von 132 Megawatt. Das Unternehmen, das kürzlich eine Finanzierungsrunde über 1,6 Milliarden Euro abschloss, peilt bis Mitte 2027 eine Ausweitung auf mehr als 55.000 GPUs an. Nach Bekanntgabe der Partnerschaft stiegen die Aktien von Sharon AI im vorbörslichen Handel um zehn Prozent.
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Parallel dazu entwickelt Firmus einen 360-Megawatt-Campus auf der indonesischen Insel Batam. Dort sollen bis zu 170.000 NVIDIA-GPUs installiert werden. Mit diesen sogenannten „Neocloud“-Anbietern erschließt sich NVIDIA spezialisierte KI-Workloads außerhalb der traditionellen Hyperscaler-Clouds.
Finanzielle Garantien und Milliarden-Schulden
Das Erlösbeteiligungsmodell ist Teil einer breiteren Finanzstrategie. Berichten zufolge will NVIDIA mindestens 20 Milliarden Euro an Schulden aufnehmen, um die gewaltigen Kapitalanforderungen der KI-Infrastruktur zu stemmen.
Es ist nicht das erste Mal, dass der Chipkonzern finanzielle Hebel für seine Kunden einsetzt. Bereits im September 2024 gewährte NVIDIA eine Garantie über 6,3 Milliarden Euro an CoreWeave, gefolgt von weiteren 3,5 Milliarden Euro im Mai 2026. Das neue DSX-Programm formalisiert diese Arrangements nun. Der Erlösanteil für NVIDIA soll dabei über die Vertragslaufzeit sinken.
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Branchenbeobachter sehen in der Strategie einen cleveren Schachzug: NVIDIA sichert sich eine hohe Nachfrage nach seinen neuesten Chips wie der GB300-Serie und diversifiziert gleichzeitig seine Einnahmequellen durch nutzungsabhängige Erlöse. Das Programm wurde im Vorfeld der GTC-Konferenz in Berlin vorgestellt, die vom 20. bis 22. Oktober stattfindet.

