Der Chip-Riese stellt sein Geschäftsmodell um: Statt Hardware nur zu verkaufen, beteiligt sich NVIDIA künftig an den Einnahmen seiner Kunden.
München – NVIDIA verändert grundlegend die Art und Weise, wie es seine KI-Infrastruktur vermarktet. Statt wie bisher auf den reinen Hardware-Verkauf zu setzen, führt der Konzern ein Modell ein, das Umsatzbeteiligungen und Kreditgarantien umfasst. Finanzvorstand Colette Kress stellte die Neuausrichtung am 1. Juli 2026 vor. Zeitgleich kündigte die Intercontinental Exchange (ICE) an, erstmals Finanzderivate auf GPU-Rechenleistung auf den Markt zu bringen.
Vom Verkäufer zum Partner
Das neue Modell funktioniert zweistufig: NVIDIA liefert seine Hardware an KI-Cloud-Anbieter, behält sich aber einen Anteil an den laufenden Einnahmen dieser Systeme vor. Konkret bedeutet das: Das Unternehmen erhält zunächst den Standard-Erlös beim Verkauf der Chips – und zusätzlich einen Prozentsatz der Servicegebühren, die der Cloud-Anbieter seinen Kunden berechnet.
Doch damit nicht genug. NVIDIA fungiert künftig auch als finanzieller Rückhalt für junge Cloud-Anbieter. Der Konzern garantiert, ungenutzte GPU-Kapazität zu einem Festpreis zurückzuleasen. Diese Zusage hilft den Firmen, Kredite von Drittbanken zu erhalten. Das Modell knüpft an frühere Finanzierungsarrangements an – etwa an die milliardenschweren Deals mit Anbietern wie CoreWeave und Lambda aus dem Jahr 2025.
Das Ziel ist klar: NVIDIA will seine Kundenbasis über die großen Tech-Konzerne hinaus erweitern. Gerade junge Cloud-Anbieter benötigen enormes Kapital, um leistungsstarke Rechenzentren aufzubauen. Das neue Modell senkt diese Hürde.
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Erste Partner: Sharon AI und Firmus
Zwei Unternehmen wurden als erste Teilnehmer des neuen Infrastrukturprogramms bekannt gegeben. Sharon AI plant den Einsatz von bis zu 40.000 GB300-GPUs. Parallel dazu nutzt die Firma Firmus das Modell für ein Großprojekt auf der indonesischen Insel Batam.
Das Firmus-Projekt umfasst bis zu 170.000 GPUs in einem Campus mit 360 Megawatt Leistung. Beide Partnerschaften nutzen NVIDIAs sogenanntes „Kredit-Support“-Instrument. Dieses gewährt Entwicklern Token-Guthaben und erleichtert die Verbindung zwischen Rechenzentrumsbetreibern und Cloud-Anbietern.
Rechenleistung als handelbare Ware
Während die physische KI-Infrastruktur wächst, entwickeln sich auch die Finanzmärkte weiter. Die Intercontinental Exchange (ICE) kündigte Anfang der Woche gemeinsam mit NATIVX an, Terminkontrakte auf GPU-Rechenleistung einzuführen.
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Diese Kontrakte basieren auf dem COIL-Index, einem Benchmark, der Rechenleistung energiebereinigt misst. Die Futures lauten auf US-Dollar und werden bar abgerechnet. Marktteilnehmer können damit die Kosten für KI-Verarbeitung absichern – ähnlich wie sie es heute mit Energie oder Erdgas tun.
Die neuen Kontrakte sollen neben den bestehenden Futures für Strom und Erdgas gehandelt werden. Der Start ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant, vorbehaltlich der endgültigen Regulierungsgenehmigung. Der COIL-Index soll einen standardisierten Preis für „tokenisierte“ Rechenleistung liefern – ein weiteres Zeichen für die zunehmende Verschmelzung von Energie- und Technologiesektor.

