Auf der Entwicklerkonferenz GTC 2026 im Berliner Tempodrom hat Nvidia-Chef Jensen Huang vor rund 4.000 Teilnehmern weitreichende Initiativen für den europäischen Kontinent angekündigt. Der US-Konzern will den Ausbau von künstlicher Intelligenz und industrieller Robotik in Europa mit neuer Hard- und Software sowie Partnerschaften vorantreiben.
Nach Angaben des Unternehmens flossen bisher knapp 10 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 8,9 Milliarden Euro in das europäische Technologie-Ökosystem, in dem Nvidia mit mehr als 12.000 Partnern zusammenarbeitet.
Huang verwies auf ein deutliches globales Ungleichgewicht bei den Kapazitäten: Europa halte derzeit lediglich rund 5 Prozent der weltweiten KI-Rechenleistung, während auf die USA etwa 75 Prozent entfielen.
Der Konzernchef forderte europäische Unternehmen aus Schlüsselbranchen wie Automobilbau, Pharmazie und Finanzwesen auf, sich konsequent zu KI-Unternehmen zu wandeln, und warnte in Deutschland Bundeskanzler Friedrich Merz vor den Folgen übermäßiger Regulierung.
Neue Systeme für Rechenzentren und Fabrikautomatisierung
Ein zentraler Bestandteil der Präsentation war der modulare DSX POD, ein schlüsselfertiges Referenzdesign für Rechenzentren auf Basis der Vera-Rubin-Architektur.
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Das System wird komplett werkseitig integriert in Containern geliefert. Dadurch soll sich die Bereitstellungszeit an vorbereiteten Standorten von bislang sechs Monaten auf bis zu 14 Tage verkürzen. Für den Vertrieb ab Anfang 2027 nannte Nvidia Partner wie Dell Technologies, Foxconn, HPE, Lenovo und Schneider Electric.
Laut Unternehmensangaben senkt die Plattform den Kühlwasserverbrauch um bis zu 100 Prozent und liefert die gleiche KI-Leistung bei bis zu 30 Prozent weniger Stromverbrauch. Parallel dazu gab Google Cloud die Verfügbarkeit von Nvidias Vera-Rubin-Infrastruktur bekannt und plant eine Skalierung auf bis zu 960.000 Rubin-Grafikprozessoren.
Für die industrielle Fertigung stellte Nvidia den Factory Operations Blueprint für softwarebasierte Fabrik-Agenten vor. Siemens integriert diese Technologie in sein Intelligence Center X, was die Kosten nach Unternehmensschätzungen um 20 Prozent senken soll.
Im Werk Erlangen habe der Einsatz von Vorbereitungswerkzeugen die Kalibrierzeit von Inspektionsprozessen bereits um 40 Prozent verkürzt. Auch Autobauer wie Audi, Mercedes-Benz und Porsche nutzen Nvidias Simulations- und Digital-Twin-Werkzeuge.
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Expansion im Robotik- und Mobilitätssektor
Im Bereich der Robotik erweitert der Konzern seine Plattform Isaac, unter anderem durch die Veröffentlichung von Isaac Lab 3.0 und neuen Datensätzen. Zu den europäischen Robotik-Partnern zählen ABB Robotics, KUKA, NEURA Robotics und Universal Robots.
Das Unternehmen Agile Robots kündigte den humanoiden Roboter Agile ONE SN an, der von Nvidias Jetson-Thor-Plattform angetrieben wird und Anfang 2027 verfügbar sein soll. Dessen Vorstandschef Zhaopeng Chen stellte für das kommende Jahr die Fertigung von 1.000 bis 2.000 kleineren humanoiden Robotern in Aussicht.
Im Mobilitätsbereich kündigte der Fahrdienstvermittler Bolt an, ab 2027 Testfahrten in Madrid durchzuführen und europaweit mindestens 25.000 Fahrzeuge auf Basis von Nvidias Hyperion-Plattform für hochautomatisiertes Fahren einzusetzen. Auch Volvo Cars und Mercedes-Benz vertiefen die Zusammenarbeit in diesem Bereich.
Die Veranstaltung im Berliner Tempodrom verlief nicht gänzlich reibungslos. Auf der Bühne kippten drei von vier vorgeführten Kleinrobotern um, als sie sich zur Ruhe legen sollten. Zudem wurde die Präsentation zeitweise von Umwelt- und Friedensaktivisten gestört, die Kritik am Energieverbrauch von Rechenzentren sowie dem Einsatz von KI-Technologie in militärischen Drohnen äußerten.

