Der KI-Chip-Marktführer Nvidia veröffentlicht am Mittwoch seine Zahlen für das vierte Quartal 2025/26. Die Erwartungen an Umsatz und Prognose sind astronomisch hoch – die gesamte Tech-Branche hält den Atem an.
Was bedeutet das für Deutschland? Die Ergebnisse sind ein Stimmungsbarometer für die globale KI-Investitionswelle, von der auch deutsche DAX-Konzerne wie SAP, Siemens und die Telekom abhängen. Sie zeigen, ob der Boom anhält oder erste Ermüdungserscheinungen auftreten.
Wall Street erwartet Umsatzsprung auf über 65 Milliarden Euro
Die Analysten haben die Latte extrem hoch gelegt. Der Konsens liegt bei einem Umsatz von rund 65,6 Milliarden US-Dollar für das abgelaufene Quartal. Das wäre ein Wachstum von etwa 67 Prozent im Jahresvergleich. Der bereinigte Gewinn je Aktie (EPS) soll sich auf etwa 1,52 Dollar fast verdoppeln. Diese Zahlen wären ein weiterer Rekord für das Unternehmen, das mit seinen Grafikchips (GPUs) zum zentralen Enabler der Generativen KI geworden ist.
Die Margen bleiben dabei beeindruckend stabil. Nvidia dürfte eine Bruttomarge von rund 75 Prozent halten. Ein Beleg für die enorme Preissetzungsmacht, die der Konzern dank seiner technologischen Führungsposition und der anhaltenden Knappheit seiner High-End-Chips genießt.
Datencenter-Sparte: Der unersättliche Wachstumsmotor
Das Herzstück des Erfolgs schlägt im Geschäft mit Datencentern. Diese Sparte, die die Hardware für das Training großer Sprachmodelle liefert, soll im vierten Quartal einen Umsatz von fast 60 Milliarden Dollar einfahren. Die Cloud-Giganten Microsoft, Google, Amazon und Meta investieren weiterhin Milliarden in ihre KI-Infrastruktur und sichern sich Nvidias neueste Chips der Blackwell-Architektur.
Nvidia treibt die KI‑Expansion voran – doch für Unternehmen in der EU bringen diese Entwicklungen neue Pflichten mit sich. Die EU‑KI‑Verordnung ist seit August 2024 in Kraft und verlangt unter anderem Kennzeichnungspflichten, Risikoklassifizierung und ausführliche Dokumentation von KI‑Systemen. Ein kostenloser Umsetzungsleitfaden erklärt praxisnah, welche Anforderungen jetzt gelten und welche Übergangsfristen Sie beachten sollten. Kostenlosen KI‑Verordnungs‑Leitfaden herunterladen
Ein kürzlich bekannt gewordener, mehrjähriger Großauftrag von Meta Platforms unterstreicht diese Nachfrage. Für Investoren ist die entscheidende Frage: Bleiben die Investitionsbudgets der Hyperscaler auch 2027 auf Rekordniveau? Schon ein Hauch von Zurückhaltung in der Prognose könnte die Märkte verunsichern.
Analysten euphorisch – doch alles hängt an der Prognose
Die Stimmung unter Analysten ist weiterhin überwiegend bullisch. In den letzten Tagen haben mehrere Top-Häuser wie RBC Capital und Citi ihre Kaufempfehlungen bekräftigt und Kursziele bis zu 270 Dollar ausgegeben. Die Begründung: Nvidias geschlossenes Ökosystem aus Hardware und der Software-Plattform CUDA biete einen nahezu uneinholbaren Wettbewerbsvorteil.
Doch der kurzfristige Kursverlauf hängt weniger an den historischen Quartalszahlen als an der Prognose für das erste Quartal 2027. Der Markt erwartet eine Umsatzprognose zwischen 71 und 72 Milliarden Dollar. Wird diese Erwartung nur knapp übertroffen oder gar verfehlt, droht eine Gewinnmitnahme der Aktionäre nach dem jahrelangen Höhenflug. Die Optionsmärkte deuten auf extreme Bullishness hin – eine perfekte Enttäuschungsfalle, falls die Zahlen nicht makellos sind.
Blick nach vorn: Wie lange hält der KI-Superzyklus?
Nvidias Konzernführung muss am Mittwoch Antworten auf die drängenden Fragen geben: Löst sich das Angebotsdefizit bei den fortschrittlichsten Chips auf? Wie verläuft die Einführung der nächsten Chip-Generation? Und wie bewertet man das langfristige Potenzial des Billionen-schweren KI-Infrastrukturmarktes?
Die Quartalszahlen sind mehr als nur eine Bilanz. Sie sind ein Lackmustest für die Nachhaltigkeit des gesamten KI-Booms. Kann Nvidia die eigenen, bereits gigantischen Erwartungen abermals übertreffen? Die Antwort wird nicht nur den Tech-Sektor bewegen, sondern auch Rückschlüsse auf die Innovationskraft der globalen Wirtschaft zulassen.





