Der Chiphersteller NVIDIA hat eine weitreichende Vereinbarung zur Absicherung der KI-Infrastruktur von OpenAI getroffen. Am 17. August unterzeichnete das Unternehmen eine Restwertgarantie von bis zu 105 Milliarden US-Dollar für Rechenzentren, die von OpenAI geleast werden. Damit liegt das Volumen des Geschäfts deutlich unter den ursprünglich in Berichten genannten 250 Milliarden US-Dollar. Die Vereinbarung ist Teil einer umfassenderen Strategie, mit der NVIDIA die Finanzierung von Rechenleistung als neue Anlageklasse etablieren will.
Exklusive Partnerschaft und Infrastruktur in Ohio
Der Vertrag zwischen den beiden Technologieunternehmen sieht neben der Restwertgarantie auch eine Kreditvergabe vor, die an die Bedingung exklusiver Chip-Lieferungen geknüpft ist. Im Zentrum der Infrastrukturpläne steht der Standort Ports Pike im US-Bundesstaat Ohio. Dort hat OpenAI einen auf 20 Jahre angelegten Leasingvertrag mit SB Energy über eine Leistung von 8 Gigawatt abgeschlossen.
NVIDIA unterstützt dieses Vorhaben nicht nur durch die Bereitstellung von bis zu 105 Milliarden US-Dollar für das Rechenzentrum, sondern investiert zudem 1,5 Milliarden US-Dollar direkt in SB Energy.
Die Partnerschaft sieht vor, dass NVIDIA das Leasing und die Stromversorgung für rund 4 Gigawatt über einen Zeitraum von 20 Jahren absichert, wobei die Umsetzung in mehreren Phasen zwischen 2028 und 2030 erfolgen soll.
Branchenangaben zufolge belaufen sich die gesamten Verpflichtungen von OpenAI bis zum Ende des Jahrzehnts auf etwa 12 bis 16 Gigawatt, was einem Äquivalent an Rechenleistung im Wert von rund 600 Milliarden US-Dollar entspricht.
Massive Finanzierungsinitiative mit der Wall Street
Parallel zum OpenAI-Geschäft kündigte NVIDIA eine großangelegte Finanzierungsinitiative im Volumen von 500 Milliarden US-Dollar an. Partner dieser Absichtserklärung sind namhafte Finanzinstitute wie Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR. Das Ziel dieser Allianz ist es, Compute-Kapazitäten als eigenständige Anlageklasse für institutionelle Investoren attraktiv zu machen.
Die Strategie sieht vor, Kredite für den Erwerb von Grafikprozessoren (GPUs) sowie die allgemeine Finanzierung von KI-Infrastruktur bereitzustellen. NVIDIA übernimmt dabei eine Restwertgarantie von bis zu 25 Prozent.
Diese Initiative folgt auf eine gescheiterte frühere Vereinbarung mit OpenAI über 100 Milliarden US-Dollar. Analysten betrachten das Vorhaben jedoch differenziert und warnen vor strukturellen Parallelen zu hypothekenbesicherten Wertpapieren.
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Kritik und wirtschaftliche Rahmenbedingungen
NVIDIA-CEO Jensen Huang wies Vorwürfe einer sogenannten Zirkularfinanzierung entschieden zurück. Kritiker wie DoubleLine-CEO Jeffrey Gundlach bemängelten jedoch, dass technologische Vermögenswerte mit einer ungewissen Lebensdauer nur bedingt als verlässliche Sicherheiten dienen könnten.
Die finanzielle Dynamik im KI-Sektor bleibt unterdessen hoch: Während NVIDIA einen Quartals-Free-Cashflow von 48,5 Milliarden US-Dollar verzeichnet – was einer Verachtzehnfachung innerhalb von drei Jahren entspricht –, liegt die Run-Rate von OpenAI bei 40 Milliarden US-Dollar und die von Anthropic bei 65 Milliarden US-Dollar.
Erschwert wird das Finanzierungsumfeld durch steigende Zinsen. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen erreichte am 17. August mit 5,31 Prozent den höchsten Stand seit 2007.
Institutionalisierung des Rechenleistungs-Handels
Ein weiterer Schritt zur Kommerzialisierung ist die geplante Einführung von Derivaten auf Rechenleistung. Die US-Aufsichtsbehörde CFTC eröffnete am 19. August die öffentliche Kommentierungsphase für solche Finanzinstrumente. Die CME Group plant bereits für den 5. Oktober 2026 den Start von Rental-Futures für die GPU-Modelle H100 und B200, basierend auf Benchmarks von Silicon Data. Auch die Börse ICE entwickelt konkurrierende Kontrakte.
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Wie dringend der Bedarf an Absicherungsmöglichkeiten ist, zeigen die Preisentwicklungen am Mietmarkt: Die Jahresrate für eine H100-GPU stieg von etwa 1,70 US-Dollar pro Stunde im Oktober 2025 auf etwa 2,65 US-Dollar im März 2026. Aktuelle Daten von Silicon Data weisen für das Modell B200 einen Spotpreis von 5,62 US-Dollar aus, während der Terminpreis für 36 Monate bei 5,17 US-Dollar liegt.
Experten von McKinsey prognostizieren bis 2030 einen globalen Kapitalbedarf von 7 Billionen US-Dollar für Rechenzentren, wovon der Großteil auf KI-Anwendungen entfallen dürfte.

